Reutlingen
Projekt - Wahlen, Betriebsgründungen und Polizei: IKG-Schüler verwandeln ihre Schule für drei Tage in einen »Staat«

Wie im echten Leben

REUTLINGEN. Eine Schule in einen Staat zu verwandeln fordert viele motivierte Schüler und engagierte Lehrer. Das merkte auch das 40-köpfige Organisationsteam des Isolde-Kurz-Gymnasiums. Die Schülerinnen und Lehrer planten seit Oktober 2010 das große Projekt »Schule als Staat«. Wahlen, Betriebsgründungen, Parlament, Polizei - alles musste organisiert werden. Dies bedeutete viel Arbeit und manchmal auch Stress, aber letztendlich war die Umsetzung erfolgreich.

Vom 20. bis 22. Juli verwandelte sich das Reutlinger Gymnasium in die »Vereinigten Klassen von Isoldien« - eine parlamentarische Demokratie mit eigener Verfassung, Währung (den Isos), eigener Flagge und Hymne. In deren Refrain wird die Aufforderung wiederholt: »So steht zusammen, couragiert!« Das taten die Schüler.

Sie arbeiteten als Beamte oder gründeten über 120 Betriebe. Von der Burgerbude über Fotostudios bis hin zum Rad-Haus war alles dabei. Natürlich kam dank des Staatstheaters, des Staatsorchesters und eines Kinos die Kultur nicht zu kurz. Die Tageszeitung »Kurzschluss« informierte die Bürger sowie die Staatsgäste über alles Wissenswerte.

»Am besten an diesem Projekt gefällt mir, dass es für alle Altersstufen interessant ist und jeder aktiv teilnehmen kann«, lobt Schulleiter Martin Englert in seinem Amt als Präsident der Vereinigten Klassen von Isoldien das Staats-Spiel. So wählten alle Bürger schon Wochen vor den Projekttagen ihre Regierung. Die Parteien hatten zuvor ihre Partei-Programme formuliert und Wahlkampf betrieben. Nach Pfingsten tagte parallel zum Orga-Team das Parlament.

Zu Beginn der drei Staatstage übernahmen dann die gewählten Politiker die Regierungsgeschäfte und verabschiedeten die Gesetze. Jeder Staatsbürger war verpflichtet täglich sechs Stunden das Staatsleben zu genießen, drei Stunden davon mit Arbeit. Um dies zu gewährleisten, wurden PC-gestützte Zollkontrollen eingeführt. Jeder musste sich mit seinem Personalausweis und seiner ID-Nummer seine Einreise an- und die Ausreise wieder abmelden.

Die Zollschranken dienten außerdem dafür, dass niemand unerlaubt Waren in den Staat einführte. An den drei Staatstagen fand um 11 Uhr eine öffentliche Parlamentssitzung statt, in welcher die Bürger einen Einblick in die Zielsetzungen ihrer Regierung bekamen. Auch in den Betriebsgründungen spiegelte sich die aktive Teilnahme aller wider. Neben den vielen Gastronomie-Betrieben und Süßwarenläden fand man auch außergewöhnliche Dienstleister.

Außergewöhnliche Dienste

So konnte man sich von einer Gruppe Mädels im Betrieb »Les Visionnaires« die Zukunft voraussagen lassen oder in einem Einfraubetrieb eine Hand-Massage bekommen. Bei »Schnappschuss« konnte man sich im 50er-Jahre-Stil in Schale werfen und ablichten lassen.

Im Hintergrund arbeiteten die Beamten des Warenlagers, nicht immer stressfrei und zur vollen Zufriedenheit der Betriebsleiter, im Vordergrund standen die Politiker um Kanzler Philipp Gamerdinger und seinen Stellvertreter Michael Denner. Beide lenkten die Staatsgeschäfte verantwortungsvoll und konnten auch eine Revolte von unzufriedenen Steuerzahlern, verantwortungsbewussten Umweltschützern und lautstarken Quertreibern beruhigen. Manches war wirklich »wie im echten Leben«, so das Fazit der IKG-Schüler nach den drei Projekttagen »Schule als Staat«. (eg)


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