REUTLINGEN. Wer »Bunny & The Playboys« live erleben möchte, muss nicht über 18 sein. Aber er muss Musik mögen, genauer gesagt: Rock 'n' Roll und Pop-Musik. Denn hinter dem Namen verbergen sich nicht etwa ein leicht bekleidetes Häschen und ein Hochglanzmagazin für Männer, sondern eine seit sechs Jahren bestehende Reutlinger Cover-Band, die Hits von bekannten Musikgrößen nachspielt. Beim »Reutlinger Nachtschwärmer« waren sie schon mehrfach live auf der Bühne zu sehen. Beim »Honky Tonk Kneipenfestival« in Metzingen werden sie am 17. April einheizen. Und ab morgen könnten sie in ganz Deutschland bekannt werden.
Die Kombo mit Markus Sosnowski (28 Jahre, Keyboards), Tanja Lang (32, Gesang), Revin Shangula (33, Gitarre, Gesang), Niclas Schmied (25, Schlagzeug) und Andreas Meißner (24, E-Bass) ist schließlich ab Sonntag, 11. April, mit von der Partie, wenn der Fernsehsender »Kabel 1« in fünf Sendungen - jeweils ab 20.15 Uhr - »Deutschlands beste Partyband« sucht. Die Musiker stellen sich dabei dem Votum der Jury, in der Musikmanagerin Anja Lukaseder - ehemals an der Seite von Dieter Bohlen Jurorin bei »Deutschland sucht den Superstar« - sowie MTV-Pionier Steve Blame und Moderator Oliver Petszokat sitzen. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass die Reutlinger Formation im TV gegen die nationale Konkurrenz antritt?
»Uns wurde schon öfters gesagt, dass wir auf der Bühne eine natürliche Spielfreude haben«
Keyboarder Markus Sosnowski, der in Reutlingen im Storlach wohnt, erinnert sich: »Wir haben einen Trailer zur Sendung im Fernsehen gesehen, hatten aber zunächst überhaupt nicht daran gedacht, uns zu bewerben.« Doch irgendwie muss die Produktionsfirma der Sendung von »Bunny & The Playboys« gehört haben. Die Reutlinger bekamen überraschend einen Anruf, ob sie nicht mitmachen wollen. Erst nach dem Telefonat haben die fünf dann im Probenkeller in der Karlstraße beschlossen, ihr Glück einfach mal zu versuchen. Ein kurzes Video über die Band wurde produziert und eingeschickt, weitere Telefonate geführt. »Wir sind ohne Ambitionen an die Sache rangegangen. Es wäre vermessen gewesen, zu sagen, dass wir in die Sendung kommen«, sagt Sosnowski. Doch genau so kam es.
»Bunny & The Playboys« hatten es unter tausend Bewerbungen zunächst in die Vorauswahl geschafft. »Als man uns gesagt hat, dass wir zu den Top-15 gehören und in München vor der Jury vorspielen dürfen, war das schon eine Riesensache für uns«, sagt Sosnowski.
Eine TV-Aufzeichnung ist für die Reutlinger Musiker nichts Alltägliches. Logisch, dass da ein bisschen Nervosität im Spiel war: »Wir sind zum Soundcheck auf die Bühne gegangen und überall waren auf einmal Kameras. Die werden dir teilweise zehn Zentimeter vors Gesicht gehalten«, gibt Sosnowski einen kleinen Einblick hinter die Kulissen der Sendung, die aus zwei Teilen besteht. Der eine Teil spielt sich im Studio ab, wo die Bands vor die Jury treten. Der zweite Teil ist der »Reality-Check«, bei dem die Formationen vor Publikum ihr Können beweisen müssen. Nach dieser Kombination wird dann von der Jury bewertet, welche Band die nächste Runde erreicht.
Welche Bewährungsproben »Bunny & The Playboys« zu bestehen hatten und ob sie die Jury überzeugen konnten, ist natürlich noch streng geheim - auch wenn alle fünf Sendungen bereits Ende 2009 abgedreht wurden. Gitarrist und Sänger Revin Shangula hätte durch die Aufzeichnungen fast ein privates Großereignis verpasst: »Er ist im Dezember Vater geworden. Das war eine kritische Situation, weil wir Angst hatten, dass das Kind kommt, wenn wir bei Dreharbeiten sind. Aber es ist Gott sei Dank gut gegangen«, sagt Hobby-Musiker Sosnowski.
Profi-Musiker sind bei diesem TV-Format im Übrigen nicht zulässig und so flimmern bei »Bunny & The Playboys« ab morgen ein Lehramt-Student (Markus), eine Selbstständige (Tanja), ein Industriechemiker (Revin), ein Musikschulleiter (Niclas) und ein Heilerziehungspfleger (Andreas) über den TV-Bildschirm.
Und warum tut man sich solche Strapazen parallel zum Berufsleben an? Dass als Hauptpreis des Band-Wettbewerbs ein Auftritt mit den »Scorpions« und 10 000 Euro winken, war für die Band überhaupt nicht ausschlaggebend. Konnte es auch nicht, denn als die Verträge mit dem Sender unterzeichnet wurden, standen die Preise noch gar nicht fest. Vielmehr wollten die Musiker die Plattform Fernsehen nutzen, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und sahen die Sache als eine Art musikalisches »Abenteuer«.
»Als wir erfahren haben, dass wir zu den Top-15 gehören, war das schon eine Riesensache für uns«
Ein »Abenteuer«, das vor der Bewerbung durchaus mit Bedenken verbunden war. Durch Casting-Sendungen wie »Deutschland sucht den Superstar« oder »Popstars« sei man schließlich ein bisschen vorgeprägt, so Sosnowski. »Bei diesen Sendungen geht es ja nicht immer um die Musik. In manchen Shows steht eher die Jury im Mittelpunkt. In anderen Fällen geht es hauptsächlich um private Schicksale der Kandidaten. Die Musik kommt da einfach zu kurz und wird nicht wirklich ernst genommen.«
Nein, den Casting-Show-Stempel wollte man nicht unbedingt aufgedrückt bekommen und schon gar nicht von der Jury an die Wand gestellt werden. Für fünf Menschen, die fast alle im Berufsleben stehen, war das ein echtes Risiko. »Der Sender hat uns glaubhaft versichert, dass es eben nicht darum geht, Leute lächerlich zu machen, sondern vielmehr gute, handgemachte Musik im Vordergrund stehen soll«, sagt Sosnowski, der das Format nach den Dreharbeiten mit anderen Augen sieht.
Bei »Deutschlands beste Partyband« gehe es nicht um ein Casting. Die Sendung wolle keine Band zusammenstellen. »Es ist ein Band-Contest, bei dem sich verschiedene, bereits bestehende Formationen messen - darunter auch richtig alte Hasen wie Alt-Rocker aus Hamburg«, erklärt der Keyboarder. Und warum sollten nun ausgerechnet »Bunny & The Playboys« eine Siegchance haben?
Markus Sosnowski hat eine Antwort parat: »Uns wurde schon oft gesagt, dass wir auf der Bühne eine natürliche Spielfreude haben. Wir versuchen, unser Herzblut und unsere Begeisterung für Musik auf der Bühne rüberzubringen, damit der Funke aufs Publikum überspringt.« Am Sonntag werden sich die fünf Bandmitglieder im Probenraum in der Karlstraße versammeln und die Sendung gemeinsam anschauen, denn: »Wir haben bislang keine Bilder gesehen und sind jetzt riesig gespannt, wie wir im Fernsehen rüberkommen.« (GEA)