Weihnachtsaktion - Paten kaufen Geschenke, damit Kinder aus armen Familien an Heiligabend nicht leer ausgehen
Wenn das Geld einfach nicht reicht
REUTLINGEN. Lego, Barbiepuppen, Playmobil, ein Star-Wars-Laserschwert - die Weihnachtswünsche, die Kinder aus armen Familien haben, unterscheiden sich kaum von denen ihrer »besser situierten« Altersgenossen. Diesen Schluss lassen jedenfalls die sternförmigen Wunschzettel zu, die derzeit im Chorraum der Reutlinger Citykirche darauf warten, von spendablen Paten gepflückt zu werden.
Allenfalls das »Bastelmaterial«, auf das ein siebenjähriges Mädchen hofft, oder die Winterjacke, die sich ein Siebjähriger wünscht, lassen erkennen, dass die gemeinsame Weihnachtssternaktion von Citykirche, Initiative Lillebror sowie Caritas- und Diakonieverband ganz gezielt auf »Familien mit sehr geringem Einkommen« ausgerichtet ist.
Und davon gibt es nach den Beobachtungen von Rose Biedermann (Diakonie) immer mehr: »Das Geld reicht dann nicht bis zum Ende des Monats«, weiß sie aus Beratungen und Gesprächen mit den bedürftigen Kunden des Tafelladens. Nicht nur Arbeitslose geraten in die Bredouille, ergänzt Hermann Rist vom Reutlinger Caritas-Zentrum. Zunehmend gebe es »prekäre Beschäftigungsverhältnisse« wie Mini-Jobs oder Leiharbeit.
Die Enttäuschung, an Heiligabend leer auszugehen, weil den Eltern einfach das Geld für Geschenke fehlt - diese Enttäuschung wolle man Kindern aus bedürftigen Familien ersparen, formuliert Rist die Zielsetzung des Projekts »Sternenfunkeln in Kinderaugen«.
Gezielt angesprochen
Nicht per Flugblatt oder aufliegenden Handzetteln, betont Pastoralreferentin Ulrike Neher-Dietz von der Citykirche, sondern ganz gezielt werden bedürftige Familien - von der Caritas, der Diakonie, Seelsorgern oder Schulen - auf die Aktion aufmerksam gemacht. Sie haben dann einen Weihnachtswunsch pro Kind bis maximal 25 Euro frei.
Julia Parth, Praktikantin bei der Caritas, sorgt dafür, dass die Wünsche anonymisiert auf gelbe Pappsterne übertragen und in der Citykirche aufgehängt werden. Dort sollen sie aber nicht lange am eigens gespannten Drahtseil baumeln, sondern möglichst rasch von Paten abgenommen und in reale Geschenke umgewandelt werden. Ausgenommen sind Video- oder Computerspiele, denn die Entscheidung, ob es sich dabei um sinnvolle oder gewaltverherrlichende Produkte handelt, will Citykirchen-Pfarrerin Sabine Drecoll nicht fällen müssen. Auch beim »Handy mit Karte«, das sich ein Mädchen wünscht, weiß sie noch nicht, ob sie den Stern freigibt.
Bis spätestens 5. Dezember müssen die Wünsche eingereicht sein, bis 15. Dezember können die Paten, die sich einen oder mehrere Sterne gegriffen haben, die Geschenkpäckchen in der Citykirche wieder abgeben. Julia Parth sorgt dafür, dass sie die richtigen Kinder erreichen und kontrolliert den Rücklauf. Gibt es dann noch unerfüllte Wünsche, soll mithilfe von Spendengeldern Abhilfe geschaffen werden.
Und dann sind auch Nicole und Tanja Müllerschön von der Initiative Lillebror zufrieden, die die Weihnachtsaktion angestoßen haben. (GEA)
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