Verkehr - Am Dienstag diskutiert der SPD-Ortsverein Auswirkungen von Stuttgart 21 auf die Region Reutlingen/Tübingen

Welche Auswirkungen hat Stuttgart 21?

VON ANDREA GLITZ

REUTLINGEN. Es ist still geworden in Reutlingen um das Bahnprojekt Stuttgart 21, das unter der Achalm ohnehin stets für vergleichsweise wenig Aufheben sorgte. Dabei dürften die Auswirkungen auf Reutlingen und die Region durchaus erheblich sein.

Grafik: Bahn
Grafik: Bahn
Unter dem Motto »Reutlingen auf dem Abstellgleis?« greift der SPD-Ortsverein Reutlingen das Thema am Dienstag, 14. März, ab 19 Uhr im Alten Rathaus in einer Diskussion auf. Darin soll es explizit um die Auswirkungen auf die Strecke Tübingen/Reutlingen–Plochingen beziehungsweise Tübingen/Reutlingen–Flughafen gehen.

Bemerkenswert: Für die Veranstaltung fanden sich keine hiesigen Exponenten fürs Thema. Der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir und Frank Distel von der Schutzgemeinschaft Filder, ebenfalls SPD-Mitglied, sind geladen, die Befürworter-, beziehungsweise die S-21-kritische Position zu vertreten.
»Wir sind intern noch am diskutieren«
 

Die hiesige SPD ist wie Genossen anderswo im Ländle weiter mit der Meinungsfindung zum umstrittenen Bahnprojekt beschäftigt. »Wir sind intern noch am diskutieren«, sagt die SPD-Bundestagskandidatin Rebecca Hummel, die den Abend moderieren wird.

Es besteht offensichtlich wenig Interesse daran, Differenzen über dieses laut Hummel »sehr emotionale Thema« unter Reutlinger Genossen öffentlich auf einer Bühne auszutragen. Man wolle »Freunden ja nicht in den Rücken fallen«.

Sie selbst versuche, den Abend möglichst neutral zu moderieren. Er soll Bürger über den Sachstand des Projekts informieren, aber auch als Austausch unter Sozialdemokraten fungieren.

»Es ist faszinierend, dass die Diskussion in der Region sehr S-21-lastig geführt wurde«, findet Hummel – meint: fokussiert auf den Tiefbahnhof in Stuttgart. Dabei sind Filderbahnhof und insbesondere die Wendlinger Kurve die relevanten Themen für die Region.

Hans Karl Schäfer hat angeregt, das inhaltlich komplexe und für die Parteigenossen politisch so delikate Thema öffentlich zu diskutieren. Das Vorstandsmitglied im SPD-Ortsvereins und im Kreisverband ist bekennender S-21-Gegner. »Ich will die Diskussion wachhalten.« Er will wissen, dass es auch in der Region Reutlingen/Tübingen viele S-21-Gegner in den Reihen der SPD gibt, die allerdings in der Deckung säßen.

Die Gegner sind trotz erheblicher Baufortschritte weiter unerschütterlich guten Mutes, dass sich der Wind noch dreht. Schäfer berichtet auch, dass die SPD-Landtagsfraktion jemanden beauftragt habe, der sich mit dem von S-21-Gegnern vorgelegten Konzept »Umstieg 21« beschäftigt hat. Das Thema werde wieder diskutiert in der Partei, freut sich der Rentner, der früher als Lehrer jahrelange Pendlererfahrung nach Stuttgart hinter sich hat. Dass auch die S-21-Befürworter mittlerweile mehr über die Schwachstellen wüssten, befördere die Diskussion.

Konkrete Verbesserungen für Reutlingen sieht Schäfer nicht. Was die tatsächlichen Verbindungen und Taktungen betreffe, lasse die Bahn nicht viel verlauten, beklagt er.

Wenn es beim einspurigen Ausbau der Wendlinger Kurve bleibe, werde der Regionalverkehr an diesem Engpass das Nachsehen haben. Im Zweifelsfalle müssten die aus Tübingen/Reutlingen kommenden Züge warten. Schäfer sorgt sich gar darum, dass der Flughafenhalt überhaupt nicht kommt. »Der Filderbahnhof ist noch nicht planfestgestellt.«

Details, so sagt Schäfer, werde am Dienstag Frank Distel präsentieren, der derzeit noch im Skiurlaub weilt. Dabei werde es auch um das Umstiegskonzept der S-21-Gegner gehen.
»Wir machen Druck wegen der Wendlinger Kurve«
 

»Umstieg 21« sieht keine direkte Anbindung der Regionalbahnen an den Flughafen vor. Stattdessen sollen Bahnreisende aus Reutlingen/Tübingen in Wendlingen in eine S-Bahn umsteigen, wenn sie zum Flughafen wollen. Bis Bernhausen liegen die Schienen schon. Das Konzept plädiert für den S-Bahn-Lückenschluss Wendlingen-Flughafen.

Austausch, keine polarisierende Pro-Contra-Debatte wünscht sich der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir für Dienstag. Er vertritt die Position, dass Stuttgart 21 Vorteile für die Region Reutlingen/Tübingen bringt, sieht schnellere Fahrtzeiten in die Landeshauptstadt und eine direkte, schnellere Anbindung an den Flughafen.

Knackpunkt auch für ihn: das Nadelör Wendlinger Kurve. Dort soll der Regionalverkehr nach bisherigen Plänen der Bahn bislang eingleisig in die neue Schnellstrecke Stuttgart–Ulm eingeschleift werden. »Wir versuchen, die große Wendlinger Kurve in den Bundesverkehrswegeplan zu bringen«, sagt Rivoir. Zumindest müsse der neu zu bauende Kreuzungspunkt der Schnellstrecke mit der Neckar-Albbahn die Option für einen späteren zweispurigen Ausbau offenhalten. »Wir machen Druck«, verspricht der Sozialdemokrat.

Wichtig sei, dass sich die betroffenen Städte für ihre Interessen starkmachten. In Ulm haben laut Rivoir viele gemeinsam fürs Schienenprojekt gekämpft, das die Stadt an die Schnellstrecke anschließt: von Bürgern über die Industrie- und Handelskammer bis hin zum damaligen SPD-Oberbürgermeister Ivo Gönner. »Die Stadt wollte das.« (GEA)

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