Gemeinderat - GWG-Neubauvorhaben: Wohnungsgesellschaft will im Bereich der Hegel-/Glasbergstraße Häuser abreißen. SPD-Fraktion macht sich Gedanken
Was passiert mit Mietern der Hegelstraße Häuser?
Von Andrea Glitz
REUTLINGEN. Eigentlich sollte der Reutlinger Gemeinderat die Beschlussvorlage zum Bebauungsplan Hegel-/Glasbergstraße einfach durchwinken. Die GWG Wohnungsgesellschaft will auf dem Gelände sechs Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 40 Wohneinheiten errichten. Doch die SPD-Fraktion, namentlich Ulrich Lukaszewitz, trieb quer. Er wollte das Rampenlicht lenken auf die Menschen, die in den 36 Wohnungen leben, die dafür abgerissen werden müssen.
36 Wohnungen sind in den sechs GWG-Häusern untergebracht, die abgerissen werden sollen.
FOTO: Markus Niethammer
Lukaszewitz stieß sich an einer Formulierung in der Verwaltungs-Vorlage: »Nach Aussage der GWG wurden die betroffenen Mieter über die Planungen informiert.«
»Hinter diesem lapidaren Satz stecken Menschen, die zum Teil nicht auf der Sonnenseite leben«, hob der Sozialdemokrat hervor. Deren Schicksal müsse dem Gemeinderat Anliegen sein. Vermutlich könnten die Betroffenen nie mehr so stadt- und schulnah untergebracht werden, vermutet er. »Wir können doch nicht nur den planungsrechtlichen Vorgang sehen«, appellierte er ans Gremium. Auch wenn die Häuser in die Jahre gekommen sind, seien doch die Mieter »nicht an ihrer Restnutzungszeit angekommen«.
Sozialpolitischer Auftrag
Das Thema gehört in den Aufsichtsrat der GWG, nicht in den Gemeinderat, argumentierte Baubürgermeisterin Ulrike Hotz. Doch Lukaszewitz ließ nicht locker. Die GWG sei nicht irgendein Unternehmen, sondern habe einen sozialpolitischen Auftrag. »Ich habe großes Vertrauen in die GWG«, konterte Hotz und bekam Unterstützung für diese Haltung quer durch den Rat von der CDU bis zur Linken. »Ich kenne keinen Fall, in dem Betroffenen kein Angebot gemacht wurde«, beteuerte Hagen Kluck (FDP).
Einzig die Grünen und Unabhängigen sahen Gesprächsbedarf. Zumal das Thema viele ältere Wohngebiete betreffe, mit einem großen Anteil an Mietern, die kein hohes Einkommen haben, wie Gabriele Janz betonte. Fraktionskollege Buck wunderte sich, warum die Frage, was mit diesen Bürgern passiert, in der Nichtöffentlichkeit der Aufsichtsratssitzungen »abgefertigt werden soll«.
Auch seine ehemalige Fraktionskollegin Özlem Isfendiyar (jetzt RSÖ) empfand ein Geschmäckle: »Das ist doch keine spektakuläre Frage. Warum wird die hier so aufgebauscht?«
Nach diesem Dissens fand das Gremium bei der Abstimmung über die Beschlussvorlage zum Bebauungsplan wieder zur Einheit zurück und segnete das Vorhaben einstimmig ab. (GEA)
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