Innenstadt - Ab sofort kann jeder mit der smaRT City App jede Menge Überraschungen erleben

Was die neue smaRT City App alles kann

VON STEPHAN ZENKE

REUTLINGEN. Für den Bürger ist es nur ein kleiner Pling auf dem Smartphone, für die Stadt Reutlingen ein großes Ding. Ab sofort erleben Menschen in der Innenstadt mit der »smaRT City App Reutlingen« jede Menge Überraschungen.

FOTO: Stephan Zenke
Das ebenso kluge wie kostenlose Programm auf dem digitalen Flachmann erkennt, wo man sich gerade befindet, und blendet passende Angebote und Informationen ein. Möglich macht's das vom Bund finanzierte Forschungsprojekt »Smart Urban Services«. Was dahinter steckt, und alle Bürger davon haben sollen, wurde jetzt im Rathaus von OB Barbara Bosch und einer Expertenrunde vorgestellt.

Ein Netz von Sensoren in der Stadt, das bis Ende Juli komplett aufgebaut wird, sammelt nützliche Daten für ganz unterschiedliche Zwecke: Läden bemerken, dass mögliche Kunden vor dem Schaufenster stehen. Parkplätze melden, wenn sie besetzt sind. Öffentliche Mülleimer können nie mehr unbemerkt überlaufen. Straßen liefern jede Staumeldung sofort. Wie dicht das Gedränge in der Fußgängerzone ist, bleibt nicht verborgen. Umweltdaten zu Feinstaubbelastung oder anderer dicker Luft laufen in Echtzeit ein. Das Sammeln von Daten ist dabei kein Selbstzweck, sondern soll in vielfältiger Weise allen nützen, wie OB Barbara Bosch deutlich macht.

»Die Entwicklung der Digitalisierung ist rasant, beeinflusst die Gesellschaft, bedeutet Veränderung. Wir wollen in Reutlingen nicht zuschauen, sondern mitgestalten«, betont Bosch. Deshalb sei die Stadt glücklich, im Forschungsprojekt mit kompetenten Partnern wie dem Fraunhofer Institut und der Universität Stuttgart mitarbeiten zu dürfen. »In diesem Thema ist viel Musik drin«, meint die Oberbürgermeisterin, »viele Chancen, aber auch Risiken«. Die Aussichten hören sich jedenfalls verlockend an.

Durch die Verknüpfung von Informationen der Smart City können etwa Verkehrsprogramme und Ampelanlagen dynamisch besser gesteuert werden - in der Hoffnung auf eine reduzierte Schadstoff- und Lärmbelastung und einen verbesserten Verkehrsfluss. Zu wissen, wie schnell sich welcher öffentliche Mülleimer füllt, erleichtert die Planung von Routen zur bedarfsgerechten Entleerung. Was jeder Smartphone-Besitzer von der Smart City hat, zeigt sich schon jetzt.

Was die App alles kann

Kostenlos aus Apples App Store oder Googles Play Store geladen, macht die App jeden Stadtbummel zu einem Erlebnis der modernen Art. Bereits jetzt machen 80 Einzelhändler mit, und haben sowohl Informationen als auch Angebote digital verfügbar gemacht. Dies alles läuft bequem über ortsabhängige Meldungen, denn jedes Smartphone weiß genau wo es ist, und kleine Sender - sogenannte Bluetooth Beacons - in den Läden liefern noch präzisere Standortinformationen an die App, die übrigens in Reutlingen von der Softwareschmiede Digital-M mit Sitz in der Oststadt programmiert worden ist. Doch mit Sonderangeboten erschöpfen sich die Leistungen der App noch lange nicht.

Auf einer Karte werden freie Parkplätze in Parkhäusern angezeigt, der Routenplaner ist nur einen Fingertipp weit entfernt. Den Standort des geparkten Autos merkt sich die App gerne, und darüber hinaus kennt das Programm schon heute Museen, Galerien und Theater der Stadt, zeigt ausgewählte Veranstaltungstermine an, und lässt niemanden hungrig oder durstig zurück. Unter »Gastronomie« finden sich sowohl Restaurants als auch Bars und Cafés oder Imbiss-Anbieter. Aktuelle Informationen zur Verkehrslage sollen bald folgen.

Wem angesichts der Fülle von in der Smart City gesammelten Daten beim Gedanken an seine Privatsphäre Angst und Bange wird, den beruhigen die Projektverantwortlichen umfassend.

Da es sich um ein deutsches Forschungsprojekt handelt, spielt das Datenschutzkonzept eine wesentliche Rolle. Martin Feldwieser von der Universität Stuttgart verspricht: »Es werden keine Bewegungsprofile von Individuen erstellt«. Alle Projektdaten würden nur auf deutschen Rechnern gespeichert und verarbeitet. Darüber hinaus wird so gesammelt, dass keine Verfolgung einzelner Menschen und ihrer Smartphones möglich ist. Technisch gesehen codieren die Sensoren ihre Daten vor der Übertragung mit ständig wechselnden Schlüsseln. Die Nutzer der smaRT City App müssen auch keinerlei persönliche Daten eingeben. Geplant ist außerdem für die nahe Zukunft eine Plattform im Internet, wo sich Bürger die Daten ihrer smarten City selbst anschauen können.

SMART URBAN SERVICES

Im Pilotprojekt »Smart Urban Services: Datenbasierte Dienstleistungsplattform für die urbane Wertschöpfung von morgen« wird untersucht, wie neue und intelligent vernetzte Dienstleistungsangebote dazu beitragen können, urbane Räume stärker zu vernetzen und eine integrativ ausgerichtete Wertschöpfung zu etablieren. Dabei geht es in Reutlingen um neue Angebotsformen im Einzelhandel, die Vernetzung der Versorgungswirtschaft, intelligentes Verkehrs- und Parkraum-Management sowie Rückmeldungen und Teilhabe der Bürgerschaft. Neben Reutlingen ist auch Chemnitz ein Stadtlabor. (GEA)

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