08.02.2010 - 15:32 Uhr
Bilanz - Reutlinger Ordnungsamt entdeckte bei Kontrollen viel Nachlässigkeit, aber auch viel Informationsbedarf
Waffenbesitzer bleiben im Visier
VON ANDREA GLITZ
REUTLINGEN. Nach dem Amoklauf von Winnenden sind Waffenbesitzer, die ihre Pistolen und Gewehre nicht ordentlich aufbewahren, ins Visier geraten. Verschärfte Kontrollen waren auch in Reutlingen die Folge. Das Ergebnis erläuterte Ordnungsamtschef Reinhold Bantle den Reutlinger Gemeinderäten im Finanzausschuss. In fünf Aktionen, zuletzt im November, wurden die 1 763 Waffenbesitzer, die in der Stadt registriert sind, letztes Jahr angeschrieben und aufgefordert nachzuweisen, dass sie ihre Waffen ordentlich lagern.
Waffen müssen nicht nur eingesammelt, sondern auch unbrauchbar gemacht werden, wie hier mit einem Schweißbrenner. Für die in Reutlingen Abgegebenen übernimmt das Regierungspräsidium Tübingen diese Aufgabe.
FOTO: dpa
Zehn Stichproben, neun Mängel
Eine erste Konsequenz: 328 Angeschriebene haben den Waffenbesitz ganz aufgegeben. »Ein überraschendes Ergebnis«, befand Bantle, wohlwissend, dass die bis Ende des Jahres 2009 zugesagte Straffreiheit für illegalen Waffenbesitz manchem die Abgabe schmackhafter gemacht hat. 650 Schusswaffen und insgesamt 15 000 Schuss Munition erreichten so das Ordnungsamt.
Von den übrigen Angeschriebenen konnten viele nicht hinreichend nachweisen, dass sie die Vorschriften erfüllen. Einige von ihnen bekamen daraufhin im Rahmen einer landesweiten Stichprobe Besuch: Die Kontrolleure stellten in neun von zehn Fällen tatsächlich Mängel bei der Aufbewahrung fest.
90 Prozent Mängel - dieser Befund sei nicht als repräsentativ anzusehen, betonte Bantles Stellvertreter Albert Keppler: Es seien eben speziell solche Waffenbesitzer herausgepickt worden, die nach dem städtischen Anschreiben keinen Nachweis beibrachten und solche, die bereits zuvor wegen nachlässiger Aufbewahrung auffällig geworden waren.
Was die Kontrolleure noch entdeckten, war laut Ordnungsamtschef Reinhold Bantle »jede Menge Informationsbedarf«. Das Thema ist damit nicht vom Tisch: Fürderhin sollen Waffenbesitzer in der Stadt regelmäßig kontrolliert werden, dafür wird zusätzliches Personal beschäftigt. (GEA)
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