LEUTE - Ob sportlich oder poetisch: Abiturientin Regina Mosch will in vielerlei Hinsicht das Beste aus sich herausholen
Vielseitig und unbeschwert
Von Judith Knappe
REUTLINGEN. Oben auf der Achalm findet sie Inspiration und Ruhe. Die Zeit dort genießt sie. Und Zeit ist ihr ein wichtiges Gut. Die 18-jährige Regina Mosch ist Abiturientin am Isolde-Kurz-Gymnasium. Aber das reicht längst nicht, um sie und ihre Aktivitäten zu beschreiben.
Regina Mosch mit den Notizen und Skizzen für ihr Theaterstück.
FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Zusammengefasst ist die junge Frau, die sehr gut in der Schule ist, Landesmeisterin und Süddeutsche Meisterin im Judo, hat den Landeswettbewerb »Sprache und Literatur« gewonnen, schreibt Kurzgeschichten und Gedichte, hat als Gasthörerin viele Vorlesungen an der Uni Tübingen besucht, spielt Klavier, Gitarre und Saxofon, komponiert und hat ein Stück für die Theater-AG an ihrer Schule verfasst - kurzum: ein Multitalent.
Im Kindesalter hat sie bereits angefangen, Klavier zu spielen. Als sie sechs Jahre alt war, kam Judo dazu. »Mein älterer Bruder hat mich einfach mal so mitgenommen«, erinnert sich Regina. Sofort war sie Feuer und Flamme für den Power-Sport. »Es war toll, die Jungs mal so richtig zu verkloppen«, grinst sie. Vor allem die Vielfältigkeit habe ihr gefallen. Beim Judo sind Beweglichkeit, Ausdauer, Kraft und Disziplin gefordert.
»Im Nachhinein betrachtet war ich da ganz oben« §§ Sie hatte solchen Spaß an dieser Sportart und war so erfolgreich, dass sie schon mit elf Jahren bereits im Landeskader war. Lehrgänge im deutschen Judobund und viele Wettkämpfe folgten. 2007 dann das vorläufige Aus. Bei einem internationalen Wettkampf in Erfurt brach sie sich das Schlüsselbein. »Im Nachhinein betrachtet war ich da ganz oben«, erzählt sie. »Ich habe Gegner geschlagen, die in den nächsten Jahren Deutsche Meister wurden.«
Ein Jahr lang musste sie pausieren. Eine ungewohnte Situation - trainierte sie doch sonst täglich. »Es war schwierig, aber zum Glück hatte ich genügend andere Interessen.« Sie spielte viel Klavier. »Das tue ich nur für mich, ich muss keinem was beweisen.« Einmal pro Woche hat sie Klavierunterricht. Der sei für sie Entspannung pur, Zeit zum Abschalten. Und ganz nebenbei entdeckte sie ihre Liebe zur Sprache und zum Schreiben.
Ihre Deutschlehrerin Karin Sousa erzählte in der Schule von dem landesweiten Wettbewerb »Sprache und Literatur«. Ein paar Schüler nahmen daran teil - auch Regina. »Ich weiß das noch wie heute«, sagt sie. »Frau Sousa hat meine Geschichte gelesen und gesagt: 'die war so spannend, ich konnte gar nicht aufhören zu lesen'.« Trotzdem haben die beiden drei Monate lang zusammen an der Kurzgeschichte gefeilt. »Es hat mich so fasziniert, was man mit Sprache alles machen und wie man den Leser fesseln kann«, sagt Regina. Gewonnen hat sie aber nicht. Auch nicht im nächsten Jahr - obwohl sie sogar zwei Texte einschickte. »Ich hatte einfach zwei Ideen, die ich zu Papier bringen wollte.« Dieses Jahr aber hat sie mit ihrer Kurzgeschichte zu dem Thema »Geschultert - was Menschen mit sich tragen« den Wettbewerb gewonnen.
Dem Judo ist sie trotzdem immer treu geblieben. Aber nicht mehr »profimäßig«. Das hätte sehr viel Zeit in Anspruch genommen - doch ihre Musik und Literatur wollte sie einfach nicht aufgeben. Ist all das nicht zu viel für einen jungen Menschen? Wo bleiben Freunde und Familie? »Ich bin auch gerne mit meinen Freunden unterwegs«, erklärt Regina lächelnd. Sie habe aber kein Problem damit, das Wochenende mit ihrem Schreibblock zu verbringen. Von den Eltern wird sie unterstützt, wo's nur geht. »Sie drängen mich zu nichts, aber sie sind mir eine große Hilfe.«
Aus einer ihrer Geschichten hat sie jetzt ein Theaterstück gemacht. Das wird die Theater-AG des Isolde-Kurz-Gymnasiums bald aufführen. Aber nicht nur ihre eigenen Werke interessieren sie. Sie mag Dürrenmatt und Kafka. Vor allem aber liebt sie Krimis - die von Stieg Larsson oder der Französin Fred Vargas.
§§ »Das war eigentlich was ziemlich Großes«
Ihr bisher größtes Projekt führte sie auf einem Schulfest vor. Zu einer ihrer Geschichten komponierte sie die begleitende Musik. Freunde lasen vor, Regina spielte Klavier. Und ihr Bruder bebilderte einzelne Szenen - »natürlich« nach ihren Anweisungen. »Das war wirklich aufwendig, und eigentlich was ziemlich Großes«, fällt der Jugendlichen erst im Gespräch auf. »Den meisten Spaß«, sagt sie, »habe ich daran, mich und meine Arbeit ständig zu verbessern.«
Das treibe sie an. Wenn Regina Mosch etwas anfängt und sich dafür begeistert, dann möchte sie es so perfekt wie möglich zu Ende bringen. Aber nur, solange es Spaß macht, sie nicht unter Druck gerät und es ihr nicht zu viel wird, betont sie.
Zeit ist für die Abiturientin zu einem großen Thema geworden. Was die Zeit ihr aber bringt, weiß sie noch nicht. Vielleicht veröffentlicht sie irgendwann ihre gesammelten Gedichte und Geschichten. Vielleicht studiert sie aber auch Medizin oder geht in Richtung Film. Trotz aller Herausforderungen hat sich die junge Frau ihre jugendliche Unbeschwertheit erhalten. (GEA)
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