Reutlingen
Mobilität - Ende 2011 wollte die Stadtverwaltung eigentlich einen fertigen Verkehrsentwicklungsplan präsentieren

Verkehrsentwicklungsplan: Wieso das so lange dauert

Von Andrea Glitz

REUTLINGEN. Bis Ende des Jahres 2011 hätte der Verkehrsentwicklungsplan (VEP) für Reutlingen ursprünglich fertig sein sollen: ein Rahmenplan, der zentrale Fragen stellt, aber auch Antworten für die Verkehrsentwicklung in Reutlingen liefern soll.

Noch gibt's die Reutlinger Stadtbahn, wie sie durch die Gartenstraße Richtung Pfullingen gleitet, nur als Computersimulation.  FOTO/MONTAGE (ARCHIV)
Kommt sie und, wenn ja, wann, was sind ihre Auswirkungen? Die Regionalstadtbahn ist zusammen mit dem Scheibengipfeltunnel eines der beiden Großprojekte, die die Verkehrsmisere in Reutlingen lindern sollen - und eine der großen Unbekannten in der komplexen Verkehrsplanung. FOTO: PR
Oberbürgermeisterin Barbara Bosch hat am Neujahrsempfang den »Schwerpunkt Mobilität« ausgerufen und in ihrer Rede angedeutet, dass die »Komplexität« die Arbeit am Planwerk verzögere., Auch Baubürgermeisterin Ulrike Hotz hebt im Gespräch mit dem GEA auf die Komplexität der Materie ab. War früher in den alten Generalverkehrsplänen einzig der MIV, der motorisierte Individualverkehr, Gegenstand der Betrachtung, sollen im neuen VEP alle Verkehrsbeteiligten berücksichtigt werden, dazu Umweltbelange, städtebauliche Erfordernisse, der demografische Wandel und, und, und...

Speziell Umwelt- und Klimaschutz werfen seit einigen Jahren Themen und Probleme auf, für die es laut Hotz keine Blaupausen gebe. Auch fordere heutzutage die Öffentlichkeitsbeteiligung mehr Zeit. Anträge aus dem Gemeinderat, der Rahmenplan Oststadt, die Erfahrungen aus der Parkraumbewirtschaftung: Vieles sei zudem lokal im Fluss, ständig müsse Neues eingearbeitet werden. »Wir haben das unterschätzt. Aber wir arbeiten dran.«

In einer Klausurtagung will Hotz zusammen mit den Zuständigen im Dezernat und dem Planungsbüro R+T dem Gemeinderat erste Ergebnisse vorstellen. »Wie entlasten wir die Altstadt vom Verkehr? Wie gehen wir mit dem Feinstaub in der Lederstraße um. Bleiben wir bei der Beschlusslage zur Dietwegtrasse? Wie lenken wir den Verkehr aus dem Scheibengipfeltunnel?«, all diese offenen Baustellen sollen Thema der Klausur sein, ebenso wie der Rahmenplan City Nord, dessen Umsetzung der Innenstadt verkehrlich und städtebaulich ein ganz neues Gesicht verpassen würde. Danach sollen die Ergebnisse öffentlich diskutiert werden. »Erstes Halbjahr, vor der Sommerpause« - ein konkreter Termin für die Klausur des Gemeinderats ist Hotz derzeit nicht zu entlocken. Die Bürgermeisterin ist sichtlich bemüht, keine Termine zu verkünden, die dann erneut nicht eingehalten werden können. Ganz zu schweigen von der Frage, wann denn der Verkehrsentwicklungsplan gänzlich auf dem Tisch liegen wird.

»Der Gutachter muss nacharbeiten«
 

Ulrike Hotz, die sich in der Vergangenheit selbst in öffentlicher Sitzung schon in den Zahlen verheddert hat, gibt zu, dass das extern beauftragte Darmstädter Planungsbüro R+T in Sachen »Ziel- und Quellverkehr« in der Oststadt nacharbeiten muss - also in der Frage, wer fährt mit dem Auto wohin in der Stadt und wer fährt nur einfach durch. Die Fragen hätten sich durch die Beteiligung der Oststädter ergeben.

Die Darmstädter haben Zahlen zur Entlastungswirkung des Scheibengipfeltunnels präsentiert, die erhebliche Diskrepanzen zu alten Prognosen aufweisen. 23 000 Autos täglich soll der Tunnel einst »verschwinden« lassen. Aber: Niemand kennt letztlich die tatsächlichen Auswirkungen des Scheibengipfeltunnels auf den Verkehr, was die Arbeit am übergreifenden Verkehrsplan nicht eben erleichtert. Ulrike Hotz selbst ist mittlerweile vorsichtiger mit Aussagen über die verkehrslindernde Wirkung des Tunnels und spricht von einer »Prognose für eine Maßnahme, die im Bau ist«.

Die Regionalstadtbahn ist das zweite Großprojekt, das dereinst als Rezept gegen hiesige Verkehrsprobleme dienen soll. Ungewöhnlich deutlich gibt die Bürgermeisterin allerdings zu, dass in Reutlingen auf dieser Schiene nichts läuft. »Wir haben derzeit keine Kapazität für die Stadtbahn, wir haben niemand, der sich ernsthaft damit beschäftigt.«

Umstrukturierung und frische »Manpower« soll der Verkehrsentwicklung Schub verleiten. Hotz siedelt, wie bereits berichtet, die Verkehrsplanung vom Amt für Straßen, Umwelt und Verkehr in die Stadtentwicklung um. Der Gemeinderat hat eine zusätzliche Stelle für einen Projektleiter Regionalstadtbahn bewilligt. Zudem wird für das neue Ressort Verkehrsplanung derzeit ein neuer Abteilungsleiter gesucht, der laut Hotz ab Mai antreten soll. (GEA)


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