Verkaufslange Nacht - Bildhauer und Artisten sorgen für gut besuchte City. Stadt handelt sich Ärger ein

Verkaufslange Nacht: Feuer, Eis - und Sand

Von Martin Schreier

REUTLINGEN. Rund eine Tonne wiegen die drei Eisblöcke, die am frühen Samstagabend auf dem Marktplatz ihrer Bearbeitung harren. Auch wenn wirklich noch nichts zu erkennen ist – die Besucher der langen Verkaufsnacht, der sechsten Auflage von »Feuer und Eis«, beginnen bereits zu raten, was in ein paar Stunden zu sehen sein wird. Zur gleichen Zeit ist die Eisskulptur beim Jugendcafé längst fertig – ein schlichtes Kreuz mit Fackeln drum herum.

Feuer und Eis 2013
Menschenmassen in der Wilhelmstraße: Schmuddelwetter und Sand hielten die Besucher nicht vom Flanieren ab. FOTO: Martin Schreier
Am Oberen Ende der Wilhelmstraße beginnt die Eisgala der TSG Reutlingen. Zwar klemmt’s hin und wieder bei der Technik – der Moderator kämpft mit Aussetzern der Lautsprecheranlage, und zwischendrin fällt auch mal das Licht aus – aber die Sportler bleiben davon unbeeindruckt. Kleine und große Eiskunstläufer sausen auf schmalen Kufen über die kleine Fläche, fahren Runden und Achten, drehen Pirouetten und verbeugen sich schließlich vor ihrem Publikum.

»Das darf kein zweites Mal passieren«
 

Auf halber Strecke zum Marktplatz bleiben immer wieder Besucher in der Nähe des Lindenbrunnens stehen. Dort wird quer über die Wilhelmstraße von einem Haus zur Leinwand am gegenüberliegenden der Bildertanz-Film »Götterfunken« projiziert, ein Streifzug durch Reutlingen im Jahr 2013. Der Freie Journalist Raimund Vollmer hat darin glückliche Momente und Katastrophen vereint: vom Jubiläum des Naturtheaters über die Einweihung der Stadthalle bis zu Hochwasser und Hagelschlag.

Neben dem Iglu auf dem Marktplatz haben die Feuerkünstler der Gruppe Pila Accendi Stellung bezogen. Der Zuschauerandrang ist so groß, dass manch Neugieriger ins benachbarte Kaufhaus ausweicht und das Spektakel von einem der oberen Stockwerke verfolgt. Für den richtigen Beat sorgt Markus Schnitzler mit seinen westafrikanischen Trommeln, den Djemben. Drei Aufführungen bestreitet die Gruppe um den Dettinger Thilo Häferer, zwei davon auf dem Marktplatz. Doch die Aufführung vor der mittelalterlichen Kulisse des Tübinger Tors ist fraglos die stimmungsvollste.

Mittlerweile sind an verschiedenen Standorten in der City einfache und ausgefallenere Eisskulpturen entstanden: darunter ein Schuh, eine Lotusblüte und ein Engel. Manfred Kern hat einen Delphin aus Eis erschaffen und erzählt belustigt, dass manch Besucher darin einen Maulwurf habe erkennen können.

Auf dem Marktplatz haben Thomas und Philipp Tremml, Vater und Sohn, aus den drei Eisblöcken ein Pferd gezaubert – ein Hinweis auf das Haupt- und Landgestüt Marbach, das im kommenden Jahr 500-jähriges Bestehen feiert. Zum ersten Mal durften Besucher selbst mit Hammer und Meißel einen Eisklotz bearbeiten: Nicht um eine Skulptur zu schaffen, sondern um sich eine Kugel mit zehn Losen freizuhämmern. Stadtmarketing und Händler freuen sich über die vielen Besucher.

»Wir können sehr zufrieden sein«, sagt Edgar Lehmann von RT-Aktiv. Es sei ein gelungener Abend. Auch Tanja Ulmer resümiert, die Veranstaltung habe sich in den letzten Jahren bewährt. »Die Feuer-und-Eis-Nacht ist immer sehr entspannt.«

Bezogen auf die Besucher lag sie damit sicherlich richtig. Weniger entspannt waren an diesem Abend rund dreißig Händler in der Oberen Wilhelmstraße. Dort hatte die Stadt Sand für die Fugen des Pflasterbelags streuen lassen – trotz Großveranstaltung und trotz Regen. »Da hat jemand überhaupt nicht nachgedacht«, sagt OWI-Sprecherin Janna Blum verärgert. Manche Besucher seien auf dem schmierigen Untergrund zu Fall gekommen.

Sie selbst habe zwei Menschen wieder auf die Beine geholfen. Zudem werde der Dreck durch die große Besucherzahl stärker als sonst in die Geschäfte getragen. »Wir haben nun alle zusätzliche Reinigungskosten.« Wer die Aktion seitens der Stadt entschieden hat, kann Ulmer nicht sagen. Fest stehe aber, »das darf kein zweites Mal passieren.« (GEA)


Galerie

Reutlingens Innenstadt hell erleuchtet

Feuer und Eis 2013

Feuer und Eis Reutlingen 2013
FOTO: Martin Schreier
 
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