Antidiskriminierung - Jugendprojekt »T.A.L.K« soll Respekt vor Dritten fördern und Potenziale entfalten helfen

Projekt soll Respekt vor Dritten fördern

VON PATRICIA KOZJEK

REUTLINGEN. Das Antidiskriminierungsprojekt für Jugendliche »T.A.L.K« (Tanz, Musik, Aktion im Landkreis Reutlingen) gibt es nunmehr seit zwei Jahren. Vorrangig geht es darin um »Respekt vor dem anderen«. Inhaltlich arbeiten die derzeit knapp 30 Jugendlichen, denen aufgrund von Hautfarbe, Handicap oder Migrationshintergrund nicht immer alle Türen offenstehen, in Workshops mit Kunst und Kultur. Mit Erfolg, wie sich zeigt. Am Samstag, 20. Juni, zeigen sie im Kulturzentrum franz.K um 17 Uhr auf der Bühne, was sie gelernt haben.

Vielfalt und Unterschiede machen das Leben bunt: Dafür steht auch dieses von Jugendlichen gefertigte Graffitto. FOTO: KOZJEK
Vielfalt und Unterschiede machen das Leben bunt: Dafür steht auch dieses von Jugendlichen gefertigte Graffitto. FOTO: KOZJEK
»Jugendliche lernen in den wöchentlich zweistündigen Workshops das Wort zu ergreifen, Potenziale zu entfalten und sich von Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen nicht unterkriegen zu lassen«, sagt Beke Weis vom Kulturzentrum franz.K. Und: »Antidiskriminierungsprojekte gibt es in Deutschland leider nur wenige bis keine«.
»Der Kontakt hört nicht einfach auf, wenn der Workshop beendet ist«
 
Das kostenlose Angebot für die 13- bis 18-Jährigen reicht in Reutlingen von Foto, Film, Graffiti und Rap bis Hip-Hop-Tanz. Ein engagiertes Team von Künstlern und Mentoren fördert dabei die jungen Menschen mit viel Motivation und Einsatz. »Der Kontakt hört nicht einfach auf, wenn der Workshop beendet ist. Wenn Jugendliche Vertrauen gefasst haben, werden schon mal persönliche Probleme in Gesprächen oder Telefonaten gewälzt. Das ist selbstverständlich und ganz wichtig. Wir werden Ansprechpartner in Krisen«, sagt Rap-Künstler »Kabu« (Kaspar Ruegenberg).

Alle im Team nicken und können das nur bestätigen. Dass Jugendliche teils »extrem eingespannt« sind in Schule und Elternhaus, hat Künstlerin Hana Smitmans, die für den visuellen Teil der Fotografie und der Graffiti zuständig ist, erfahren. »Die Workshops dienen einfach auch zur Auszeit, die für die jungen Leute wichtig ist«, wie sie glaubt.

»Durch die Arbeit mit der Kunst kriegen wir hervorragenden Zugang zu den Jugendlichen«, freut sich Mentorin Maria Kechaja. »Wenn es nicht anders geht, holen wir sie auch mal mit dem Auto zu Hause ab«, sagt Tanz-Choreografin Teresa Ceran. »Manche kommen sogar aus Tübingen zu uns«.
»Dazu braucht es Profis, die anleiten und bezahlt werden müssen«
 
Fast alle Teilnehmer haben Migrationshintergrund oder ein körperliches Handicap, erklären die Macher des Projektes, das in Kooperation mit dem Fachdienst Jugend, Bildung und Migration der Bruderhaus-Diakonie organisiert und von »Jugend ins Zentrum« der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren als Teil von »Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung« der Bundesregierung gefördert wird.

22 000 Euro pro Jahr flossen bisher von dieser Seite, was indes nicht ganz ausreicht. Eine Regelfinanzierung gibt es nämlich keine, doch sind die Akteure guter Dinge, dass es weitergeht. »Wir haben große Lust dazu, aber der Fortgang ist vom Geld abhängig«, betonen sie. »Nicht alle gesellschaftlichen Probleme und Nöte in Deutschland können rein ehrenamtlich gelöst werden. Dazu braucht es Profis, die anleiten und bezahlt werden müssen«, bemerkt die Foto- und Filmkünstlerin am Rande.

»Die kommende Aufführung wird stärker wie letztes Jahr«, verspricht derweil Kabu. »Die Workshops verschmelzen auf der Bühne im Allround-Paket«. Sei das zwar um einiges aufwendiger und komplizierter, schaffe es jedoch größeres Gemeinschaftsgefühl unter den jungen Menschen. »Die Jugendlichen haben hier viel gelernt, viel geleistet. Außerdem haben sie auch was zu sagen und dafür sollen sie die Bühne bekommen«, erklärt der Rapper, der begeistert ist von den selbst geschriebenen Texten der Teenager.

Nach der Bühnenshow erhalten die Jugendlichen deshalb ein Zertifikat, das unter anderem bestätigt, dass sie eine Menge sozialer Kompetenzen erworben haben. »Für viele ist es das erste Mal auf der Bühne«, sagt Kabu. Am Samstag, 20. Juni, beginnt die Show um 17 Uhr bei freiem Eintritt im Kulturzentrum franz.K. (GEA)



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