Bildung - Am Friedrich-List-Gymnasium lernen Schüler und Lehrer mit dem iPad. Was bringt die Pionierarbeit?

Unterricht auf dem Tablet serviert

REUTLINGEN. »Wir hatten das Gefühl, dabei zu sein bei einer Zeitenwende«, sagt die Stimme zu einem alten Gesicht auf dem riesigen Bildschirm. Der hängt dort im Klassenzimmer, wo normalerweise nur eine Tafel wäre. Davor erleben Neuntklässler des Friedrich-List-Gymnasiums ihre ganz persönliche Zeitenwende im Geschichtsunterricht. Denn gelernt wird hier mit Tablet-Computern. Jeder Schüler hat ein Apple iPad für sich, auf dem gelesen, geschaut, gehört und gearbeitet wird. Was das bringt, erklärt ihr Lehrer Rainer Lupschina.

Mit dem Tablet-Computer zu lernen, macht Spaß und bringt Schülern und Lehrern zahlreiche Vorteile. GEA-FOTO: ZENKE
Mit dem Tablet-Computer zu lernen, macht Spaß und bringt Schülern und Lehrern zahlreiche Vorteile.
»Wir bereichern den Unterricht mit digitalen Medien, die zur Welt der Schüler passen«, sagt der Mann mit einem lebendigen Blick durch seine Brille. Denn die Jungs und Mädels der Klasse 9a gehören zur Generation Smartphone, sind mit ihren 14 oder 15 Jahren längst alle selbstverständlich im Internet unterwegs. Für diese jungen Menschen sind Multimedia und Tablet-Computer der Alltag. Wie beides am besten in den Unterricht passt, probieren die beiden Lehrer Rainer Lupschina und seine Kollegin Katja Krey seit September mit wachsender Begeisterung in und mit der Klasse 9a aus. Der Aufwand ist beachtlich.

Mehr Möglichkeiten

Mehrere Koffer mit den flachen Computern hat der Förderverein des Friedrich-List-Gymnasiums gekauft, insgesamt gibt es 26 iPads. Dazu kommen Zentralrechner, auf denen die Tablets mit Inhalten aller Art gefüllt werden. Schließlich gestattet das von der Stadt Reutlingen am Gymnasium eingerichtete drahtlose Internet-Netzwerk Lehrern und Schülern, online zu sein, schnell und einfach Daten auszutauschen. So gehen eine Menge Sachen, die bislang unmöglich waren. »Das iPad ist das Tor zu Inhalten im Unterricht, die wesentlich plastischer und anschaulicher sein können: Farbige Bilder statt nur Kopien auf Papier, ganze Bücher, sämtliche Dokumente auf einen Blick und natürlich Webseiten«, erklärt Lupschina. Den Schülern gefällt’s.

»Ich find’s geschickter. Man hat alles auf dem Ding und keine Zettelwirtschaft mehr. Man kann auch schneller schreiben«, meint Charlotte Eisele. »Mir macht’s mehr Spaß«, sagt Paul Schmälzle, »weil ich so viele Möglichkeiten habe. Das Internet zu nutzen, ist schon ein riesiger Vorteil«. Ähnlich sehen das auch weitere Klassenkameraden. »Es ist etwas anderes. Man hat plötzlich einen Bildschirm vor sich, das fokussiert ungemein, da konzentriere ich mich besser«, erklärt Björn Wieland, während sein Nebensitzer Gregor Zeiler ein erfreuliches Fazit zieht: »Ein erweiterter Unterricht. Nach ein paar technischen Anfangsschwierigkeiten bringt das iPad uns voran«. Doch es gibt noch eine Menge zu lernen – für Schüler und Lehrer.

»Ich sehe die Tablets nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung des konventionellen Unterrichts«, betont Rainer Lupschina, »und wir haben schon jetzt viele Erfahrungen gesammelt«. Damit meint der Lehrer Lernerfolge für ihn und seine Kollegen: Das beispielsweise weniger Apps – sprich Tablet-Programme – als gedacht vollkommen ausreichen. Oder wie wichtig eine entsprechende technische Infrastruktur im Klassenzimmer ist.

»Mehr Multimedia wäre in mehr Räumen des Gymnasiums wünschenswert«, meint Lupschina. Dann geht der Unterricht weiter. Auffallend dabei: Obschon sie könnten, machen die Schüler mit den iPads keinen Blödsinn, sondern arbeiten still und konzentriert am Thema. (GEA)



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