Reutlingen
Verkehrsentwicklung - Reichenecks wunde Punkte sind die beiden Kreuzungen an der Durchgangsstraße

Unten zu groß, oben zu klein

Von Elke Schäle-Schmitt

REUTLINGEN-REICHENECK. Anfangs sah es so aus, als sollte der Reicheneck-Besuch der beiden Darmstädter Verkehrsentwicklungsplaner, die derzeit auf Ortschaftsrat-Infotour unterwegs sind, in krassem Kontrast zu vorangegangenen Stippvisiten in Reutlingens Bezirksgemeinden stehen.

Fotomontage mit Rommelsbacher »Kreisel-Leihgabe«: Ein Verkehrsrondell in Reichenecks Süden wäre auf der Kreuzung Seewaldstraße/Am Rosenbach nicht nur denkbar, sondern auch praktikabel. FOTOMONTAGE: ELS
Fotomontage mit Rommelsbacher »Kreisel-Leihgabe«: Ein Verkehrsrondell in Reichenecks Süden wäre auf der Kreuzung Seewaldstraße/Am Rosenbach nicht nur denkbar, sondern auch praktikabel. FOTO: Elke Schäle-Schmitt
Während dort - wie beispielsweise in Sondelfingen - Räte und Bürger geradezu darauf zu brennen schienen, ihre Sorgen und Wünsche an kompetenter Stelle abzuladen, wirkte die Stimmung im Reichenecker Sitzungssaal zunächst eher beschaulich.

»Sickerverkehr« befürchtet

Eines der sieben Ratsmitglieder war entschuldigt, kein Zuhörer hatte sich in die öffentliche Sitzung verirrt, kurz: Die Runde war sehr übersichtlich. Nachdem Ralf Huber-Erler und Katalin Saary den Verkehrsentwicklungsplan (VEP) sowie die bislang erfassten Kennwerte des kleinsten Reutlinger Stadtteils erläutert hatten, zeigte sich jedoch, dass auch den Reicheneckern in puncto Verkehr so manches auf den Nägeln brennt.

Das ging bei Überörtlichem los - der Scheibengipfeltunnel lässt auch für Reicheneck verstärkten »Sickerverkehr« befürchten, so Bezirksbürgermeister Willi Igel - und betraf dann den Süden der Gemarkung: Die Einmündung der K 6715 in die aus Metzingen kommende L 378a sei zu unübersichtlich und müsse entschärft werden. »Da scheppert's immer wieder ordentlich«, wusste Igel zu berichten.

Weiter ging's, zum Süd-Ende des Dorfes: Die überdimensionierte Ortseinfahrt, die Autofahrer zum Rasen einlädt, war auch den Fachleuten sofort ein Dorn im Auge. »Wir sind ja eigentlich erst bei der Analyse, wollen noch keine Maßnahmen vorschlagen«, erklärte Huber-Erler. »Aber diese Kreuzung ist so groß, da könnte man, ohne viel zu bauen, einen Kreisverkehr einrichten.«

Eine »sichere Knotenpunktsituation« würde man damit erreichen und eine Verlangsamung des Verkehrs auf die Bushaltestelle zu. Auch den Wunsch nach einem weiteren Zebrastreifen auf der Seewaldstraße konnte der Fachmann nachvollziehen: »Es gilt, die beiden Ortsteile rechts und links der Durchgangsstraße möglichst gut fußläufig zu verbinden.« Da herrschte Einigkeit, und das Interesse verlagerte sich nordwärts, zur zweiten wichtigen Kreuzung des Ortes: Waldstraße/Seewaldstraße. Laut Igel »mit das größte Problem im Dorf«, da nicht nur eng und unübersichtlich, sondern auch stark genutzt.

Beim Sträßchen nach Oferdingen ist man im Rat geteilter Meinung: Öffentlich belassen oder zum landwirtschaftlichen Verbindungsweg herabstufen - beides hat Vor- und Nachteile. Anliegerstraßen dagegen sind nach Erfahrung der Fachleute eher »Anlügerstraßen« und von daher keine Lösung. Letztlich, so Huber-Erler, müssen sich die Reichenecker entscheiden, was sie wollen: Fremdverkehr abhalten und dafür eigene Umwege in Kauf nehmen oder das Sträßchen für alle Nutzer zulassen.

Minibus und Sammeltaxi

Per automatischer Zählung soll nun erst einmal die Größenordnung des Problems erfasst werden. Interessiert nahmen die Planer auch die Reichenecker Ideen zur Nahversorgung auf, ehe man sich dem ÖPNV zuwandte: An der Busverbindung nach Reutlingen, inklusive Nachtbus, gibt es aus Reichenecker Sicht nichts auszusetzen, wünschenswert wäre jedoch eine Querverbindung nach Rommelsbach, Sickenhausen und Altenburg, besonders für Schüler, die gemeinsam das BZN besuchen, in ihrer Freizeit aber nur schwer zusammenkommen.

Katalin Saary verwies hier auf alternative ÖPNV-Lösungen wie Minibusse oder Anrufsammeltaxis. Nichts als Lob gab's schließlich für das Radwegenetz, das Räte wie Fachleute als vorbildlich einstuften. »Und für die Buckel rings ums Dorf kann die Stadt ja nichts«, räumte Igel augenzwinkernd ein. (GEA)


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