Theaterzentrum - Linke hält an ursprünglichem Konzept fest, Verwalter des Wendler-Areals legen nach
Umbau der »Färberei 4« zum Theaterzentrum?
Von Roland Hauser
REUTLINGEN. Die Verwalter des Wendler-Areals am Ziegelweg östlich der Seestraße haben nachgelegt: In einem (zweiten) Brief an Gemeinderat und die Stadtverwaltung bieten sie an, auf eigene Kosten untersuchen zu lassen, ob sich die Vorstellungen der »Tonne« und anderer Kulturschaffender für ein Theaterzentrum in der frei gewordenen früheren Diskothek »Färberei 4« verwirklichen ließen - und zwar möglicherweise besser oder gar günstiger als auf dem ehemaligen Heinzelmann-Areal zwischen Planie und Urbanstraße.
Der Umbau der »Färberei 4« zum Theaterzentrum ist kein Thema mehr.
FOTO: Gerlinde Trinkhaus
»Das Bessere ist der Feind des Guten«, meinte der Immobilienbeauftragte der Wendler GmbH und frühere Metzinger Baubürgermeister Walter Veit im Gespräch mit dem GEA. Der am Donnerstag ab 17.30 Uhr im Gemeinderat zur Abstimmung stehende interfraktionelle Antrag für ein abgespecktes Theaterzentrum auf dem Heinzelmann-Areal berge jedenfalls mehrere Kompromisse. So ist für Veit neben der Frage der Saalgrößen (»Die Färberei bietet viel Spielraum«) ein »Theaterbetrieb ohne Gastronomie nur eine halbe Sache«. Auch gebe es in der Planie 22 »keine Möglichkeit, im Freien zu spielen« - ganz anders als im Umfeld der Färberei. Probleme mit Nachbarn oder dem Parken seien dort ebenfalls nicht zu erwarten.
Parallel prüfen?
Selbstverständlich kämen auch wirtschaftliche Gesichtspunkte hinzu, sagt Walter Veit, weshalb es zunächst ja nur darum gehe, die Standortalternative erneut zu prüfen - zumal ja auch das Konzept für das Heinzelmann-Areal auf der Basis des interfraktionellen Kompromissvorschlags vom Architekten erst modifiziert und die tatsächlichen Kosten ermittelt werden müssten.
Reutlingens Kulturbürgermeister Robert Hahn sieht auf GEA-Nachfrage zunächst »keine Notwendigkeit für eine erneute Standortsuche«. Schließlich habe man einst über das Wendler-Areal mit allem Für und Wider diskutiert und der Gemeinderat habe sich mehrheitlich für die Planie 22 »als den geeigneteren Standort entschieden.«
Allerdings werde sich die Stadtverwaltung »sicher auch nicht verweigern«, wenn in der Debatte am Donnerstagabend der mehrheitliche Wunsch des Gremiums erkennbar werde, auf das Angebot der Wendler-Verwalter einzugehen. In diesem Fall werde man die Unterlagen zur Verfügung stellen, die zur Erarbeitung eines Alternativvorschlags auf Wendler-Kosten nötig seien.
Hahn selbst ist dessen ungeachtet davon überzeugt, dass der Kompromiss für das Heinzelmann-Areal mit einem größeren »Tonne«-Spielsaal (Neubau) und dem zusätzlichen, bespielbaren Probenraum (Umbau) die richtige und kostengünstigere Variante ist. Schließlich handle es sich bei den bislang gemachten Vorschlägen fürs Wendler-Areal »nur um Ideen und Behauptungen, die durch nichts belegt sind«.
Nach Auffassung des Bürgermeisters wird das von Teilen der CDU sowie SPD und FWV propagierte abgespeckte Konzept der Reutlinger Kulturkonzeption dennoch »in hohem Maße gerecht«. Was Thomas Ziegler, Einzelkämpfer der Linken im Gemeinderat, und Rüdiger Weckmann, Vorsitzender des Vereins Linke Liste, ganz anders sehen, wie sie gestern der Presse erläuterten. Für sie greift der Verzicht auf den zusätzlichen Reutlinger Theatersaal mit 300 bis 400 Sitzplätzen so stark in die 2006 erarbeitete Kulturkonzeption ein, dass das Verfahren »wieder aufgenommen« und eventuelle Änderungen »mit allen Beteiligten erörtert werden müssten« (Weckmann). Thomas Ziegler bezeichnet die Gesamtkosten von 20 Millionen Euro für die Sanierung des Heinzelmann-Areals einschließlich Theaterzentrum, mit denen die CDU gegen das Erstkonzept mobilmachte, als »Gespenst« - die seien »völlig aus der Luft gegriffen«.
Und so glaubt Ziegler auch nicht, dass der 300er-Saal und somit die modulare Erweiterung der zweiten »Tonne«-Spielstätte zum Theaterzenturm erst in fünfzehn oder zwanzig Jahren realisiert werden könnte. Deshalb will er am Donnerstag für das ursprüngliche Konzept werben: »Tonne«-Neubau sofort - zwei Millionen aus der Stadthallenrücklage stehen hierfür bereit - und Ausbau zum Theaterzentrum später. Schließlich habe auch die Stadtverwaltung inklusive OB dies »bis zum Frühjahr« für die Ideallösung gehalten. (GEA)