REUTLINGEN. Auf der Stadthallen-Baustelle läuft derzeit alles rund: »Wir sind vom Zeitablauf her und kostenmäßig im Plan«, berichtete der Leiter der städtischen Projektgruppe, Klaus Kessler, jüngst dem Gemeinderat. Ein anderer macht sich dennoch seit geraumer Zeit Sorgen:
Peter Voss, Vorsitzender der Interessengemeinschaft für ein attraktives Reutlingen (RT-Aktiv), befürchtet ein Parkraumdefizit, das den späteren Erfolg der Halle infrage stellen könnte.
»Wenn um 20 Uhr eine Veranstaltung beginnt und die Besucher ab 19 Uhr in die Tiefgarage fahren, aber keine freien Plätze finden, weil dort noch die Innenstadt-Kunden parken«, dann käme dies nach Ansicht des Einzelhändlers einem »Schildbürgerstreich« gleich.
Rasch noch umsteuern
Dass es genau so kommen könnte, macht Peter Voss an den nur knapp über 200 Tiefgaragenstellplätzen fest, die Bestandteil des Baubeschlusses vom April vorigen Jahres sind - 100 weniger als ursprünglich anvisiert. Der »RT-Aktiv«-Chef schlägt vor, rasch noch umzusteuern, bevor es zu spät sei: Lieber jetzt etwas mehr Geld in die Hand nehmen, so sein Vorschlag, und nach kreativen Lösungen suchen, als »in drei Jahren festzustellen, dass es nicht funktioniert«.
Die langfristigen Kosten, die durch einen »Verlust der Attraktivität der Stadthalle entstehen würden«, dürften nach Voss' Einschätzung höher ausfallen »als jetzige Investitionen in ein gutes Parkplatzangebot«. Zur Gegenfinanzierung weiterer Tiefgaragenstellplätze wäre für »RT-Aktiv« auch der Verkauf des Listhallen-Geländes vorstellbar.
Bei der Stadt hingegen besteht keine Neigung umzusteuern: »Beim Baubeschluss Stadthalle wurden die Fragen ausführlich erörtert und entschieden. Das Konzept sieht vor, unter der Stadthalle eine Tiefgarage mit etwas über 200 Plätzen zu bauen und rund 100 oberirdische Stellplätze, die bei der Realisierung eines Hotels in eine Hotel-Tiefgarage 'verlegt' werden können«, heißt es in einer Stellungnahme: »Diese Beschlusslage wird umgesetzt.«
Angebot größer als Nachfrage
Kunden und Besuchern stünden am Rande der Altstadt mehr als 3 600 Stellplätze in Parkhäusern oder Tiefgaragen zur Verfügung, so die Stadt weiter. Neben den städtischen Parkhäusern gebe es mehrere in privater Hand. »Aus den Auswertungen des Parkleitsystems wissen wir, dass in der Regel das Angebot erheblich größer ist als die Nachfrage«, konkretisiert Rathaussprecher Wolfgang Löffler.
Für Juwelier Voss hingegen ist es »unerheblich, dass es weitere Parkmöglichkeiten gibt, die jedoch von den Kunden nicht angenommen werden«. Eine Fokussierung auf Parkplätze am Bahnhof oder in der Tübinger Vorstadt erwecke zwar den Eindruck, dass es ausreichend Parkplätze gebe, das sei jedoch eine »Verschleierung« der tatsächlichen Situation: »Dieses Parkplatzangebot lockt keinen Kunden in die Stadt.«
Schon jetzt beklagt »RT-Aktiv« den Wegfall von 360 Parkplätzen durch die Stadthallen-Baustelle auf dem Bruderhausgelände. Auch das unlängst beschlossene Konzept für die Parkraumbewirtschaftung führe dazu, dass es weniger Kurzzeit-Parkplätze gebe, so Peter Voss. Für kontraproduktiv hält er die bereits angekündigte Anhebung der Parkgebühren: Man könne nicht, so der Einzelhändler, das Angebot verschlechtern und mehr Geld dafür verlangen.
Ein schlagendes Beispiel dafür, wie negativ sich fehlende Parkplätze auf die Innenstadtentwicklung auswirken können, ist für den RT-Aktiv-Chef Rommelsbach: Dass in der neuen Ortsmitte nichts geht, sei angesichts der Stellplatzsituation kaum verwunderlich. (GEA)