Stuttgart 21 - Hannes Rockenbauch stellt Landesbündnis »Ja zum Ausstieg vor«, Uli Keuler verliest fiktiven Brief

Uli Keuler zu S21: »Beim Tunnelbau auf Hohlräume gestoßen«

REUTLINGEN. Wer sich beim Volksentscheid am Sonntag, 27. November, gegen das Projekt Stuttgart 21 aussprechen möchte, muss um die Ecke denken und »Ja« sagen. »Ja zum Ausstieg« lautet dementsprechend die Kampagne des gleichnamigen Landesbündnisses - und »Ja zum Ausstieg« war mit dem bereits etablierten »Oben bleiben!« am Freitagabend auf dem Marktplatz die viel zitierte Kernaussage bei einer weiteren Kundgebung des Reutlinger Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21.

Kabarettist Uli Keuler auf der Kundgebung gegen Stuttgart 21. GEA-FOTO: MEYER
Kabarettist Uli Keuler auf der Kundgebung gegen Stuttgart 21. FOTO: Jürgen Meyer
Ein »Ja zum Ausstieg« sei gleichzeitig ein »Ja zu Sparsamkeit und Kostenwahrheit«, erläuterte Hannes Rockenbauch, Stuttgarter Stadtrat und Sprecher des Landesbündnisses, vor bis zu 200 Zuhörern die Kernthesen, aber auch zu »modernem Verkehr im ganzen Land.«

Wie Störenfriede

Stuttgart 21 sei ein Projekt, »das allen schadet und niemandem nützt« - außer den Immobilienspekulanten. Rockenbauch beklagte, dass »diejenigen, die auf Missstände und Fehlplanungen aufmerksam machen«, von den S 21-Befürwortern als Störenfriede behandelt würden.

Am 27. November gehe es darum, so der Landesbündnis-Sprecher, zu zeigen, »dass die Mehrheit gegen diesen Wahnsinn ist und für eine intelligente Verkehrspolitik, die den Menschen nützt«. Die »Basta-Politik von oben herab« müsse ein Ende haben.

»Noch nie gab es ein Großprojekt, bei dem so viel geschummelt wurde«, meinte der Reutlinger Landtagsabgeordnete der Grünen, Thomas Poreski, und nannte die Geschäftspolitik der Bahn »unseriös«. Parlament und Öffentlichkeit erführen Unpopuläres »nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt oder wenn etwas durchsickert«. Den Initiatoren von S 21 gehe es am 27. November nicht um die Sache, sondern nur ums Rechthaben und die Machtfrage.

Zu Beginn der Kundgebung hatte der Nagolder Rechtsanwalt Eisenhart von Loeper sich mit der Drohung von Bahnchef Rüdiger Grube auseinandergesetzt, das Land im Falle des Ausstiegs auf 1,5 Milliarden Euro Schadenersatz zu verklagen. Das sei nur ein Versuch, »die Leute für dumm zu verkaufen«, meinte der Anwalt, der Mitglied der Gruppe »Juristen zu Stuttgart 21« ist.

So wolle die Bahn im Fall des Falles beispielsweise jene 459 Millionen Euro zurückhaben, für die sie 2001 die Gleisflächen »an die Stadt Stuttgart verhökert hat« - und obendrein die Flächen behalten. Auch das Geld, das für die Planung der Ausbaustrecke Wendlingen - Ulm wolle die Bahn zurückfordern, obwohl es beim Ausstieg gar nicht um diese Strecke gehe. Von Loepers Fazit: »Der Wähler soll hier klar getäuscht werden.«

Ständchen für Poreski

Künstlerische Unterstützung erhielten die Veranstalter am Freitag unter anderem von dem Kabarettisten Uli Keuler, der den fiktiven Brief eines künftigen Bahnchefs verlas, der im Jahr 2027 auf die Kinderfrage antwortet, wann Stuttgart 21 denn endlich fertig sein werde. So hätten sich - unter anderem - die Tunnelbauarbeiten verzögert, weil man auf »Hohlräume gestoßen« sei, »die nicht im Stadtplan eingetragen« waren.

Die vier Frauen vom Tübinger Saxofonquartett »Gleis 4« spielten darüber hinaus mehrere Stücke, und »als Überraschungsgast« (Moderator Rüdiger Weckmann) stimmte Liedermacher Thomas Felder ganz zum Schluss noch ein Ständchen für Thomas Poreski an, der am Tag der Kundgebung Geburtstag hatte. (rh)



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