Jubilate - Die evangelische Kirche in Orschel-Hagen ist 50 Jahre alt. Das Dach des Gotteshauses muss renoviert werden

Trotzdem gibt's Grund zum Feiern

VON JÜRGEN SIMON

Der Innenraum hat mit seiner Holzverkleidung und dem einfallenden Licht eine besondere Wirkung. Die Bänke sind im Halbkreis um Altar und Kanzel angeordnet. FOTO: SIMON
Der Innenraum hat mit seiner Holzverkleidung und dem einfallenden Licht eine besondere Wirkung. Die Bänke sind im Halbkreis um Altar und Kanzel angeordnet. FOTO: SIMON
REUTLINGEN. »Die Jubilate-Gemeinde feiert gern«, sagt ihre Pfarrerin Annette Denneler. Und deshalb wird, vier Jahre nachdem die evangelische Kirchengemeinde in Orschel-Hagen ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert hat, wieder gefeiert. Diesmal den 50. der Kirche. Und weil der kommende Sonntag im Kirchenjahr den Namen »Jubilate« trägt, wird bereits an diesem Wochenende gefeiert und nicht erst am Stichtag 1. Oktober.

Während Gemeindehaus, Kirchturm und Eingansbereich der Kirche aus Sichtbeton sind – typisch für die damalige Zeit –, so handelt es sich bei der Kirche überwiegend um eine Holzkirche. Denn das große und prägende Dach ist eine Holzkonstruktion und ruht auf Holzbindern.

»Dem Zauber konnte sich keiner der abendländischen Kulturkreise verschließen«
 

Und auch der Innenraum wird durch die Holzverkleidung mit nach oben strebenden Holzbrettern geprägt. Sie lenken den Blick in die Höhe zu einem Dreieck, durch das Licht ins Gotteshaus fällt. Man kann dieses Dreieck in Anlehnung die Kunstgeschichte als Symbol für den dreieinigen Gott des Christentums verstehen.

Der Architekt der Kirche, Rolf Irion, schrieb 1963 zu seinem Wettbewerbsentwurf: »Schon seit Jahrtausenden ist von dem Zentralraum, der sein Licht von oben erhält, ein Zauber ausgegangen, dem sich keiner der abendländischen Kulturkreise verschließen konnte.« Zugleich schränkt er im Sinne der Nüchternheit der 60er-Jahre ein, »dass unabhängig von allen historischen Reminiszenzen die gewählte Form für das moderne Raumempfinden einleuchtend und zwingend ist und eine mystikfreie, nüchtern-helle Wirkung ausübt«.

Das große und prägende Dach macht aber dem Kirchengemeinderat Sorgen, sagt dessen Vorsitzender Martin Willmann. Denn die Hagelschäden von 2013 sind noch nicht repariert. Da man nicht einzelne Schindeln auswechseln kann, sondern mindestens zwei der sechs Dachflächen komplett neu eindecken muss, rechnet Martin Willmann mit rund 200 000 Euro Sanierungskosten. Die Gebäudeversicherung würde nur ein Drittel davon übernehmen.

Und weil die Gesamtkirchengemeinde im Rahmen ihrer Gebäudekonzeption von 2005 entschieden hat, die Jubilatekirche nicht mehr aus dem Gesamtetat zu finanzieren, muss nun der ebenfalls 2005 gegründete Förderverein einspringen. Es hat bereits ordentlich Baurücklagen gebildet und könnte die Dachsanierung stemmen. Doch wenn die Reparatur größer ausfallen würde, ginge dem Verein »die Luft aus«, sagt Martin Willmann.

Da die Jubilarin seit einigen Monaten unter Denkmalschutz steht, ist nämlich noch nicht klar, wie grundlegend die Sanierung sein muss. Denn die 1967 verwendeten Dachplatten können nicht mehr beschafft werden. Sie enthalten Asbest. Deshalb ist auch die Entfernung des alten Dachbelags teuer.

Frage an den Denkmalschutz ist: Dürfen zwei der sechs Dachflächen gegebenenfalls einen anderen Grauton haben als die übrigen? Und die Baufachleute müssen klären, wie sich die Kanten der Dachflächen bei einer solchen Teilsanierung verbinden lassen. Darüber wird in den nächsten Wochen beratschlagt werden.

Die Festfreude will sich die Gemeinde dadurch aber nicht vermiesen lassen. Wenn nämlich möglichst viele mitfeiern, bleibt auch ein größerer Erlös in der Kasse. Und der soll dann wieder in den Erhalt der Kirche fließen. Deshalb trifft sich das Interesse am Erhalt der ältesten Kirche in Orschel-Hagen (die katholische Kirche nebenan ist zwei Jahre jünger) mit der Freude am Feiern. (GEA)

DAS FESTPROGRAMM


Um 10 Uhr beginnt am Sonntag, 7. Mai, der Festgottesdienst mit Chören, Dekan Marcus Keinath predigt. Kinderbetreuung und Kinderkirche werden parallel dazu im Kindergarten oder draußen angeboten. Im Anschluss daran ist Empfang auf dem Kirchhof mit Grußworten, Quizauflösung, Sketch und Sekt. Auf Mittag hin gibt es Essen, Getränke, Waffeln, Tombola und für Kinder Basteln, Bobycar, Spielmobil und Seifenblasen. Mit Kaffee und Kuchen oder einem Jubilate-Obstler klingt das Fest am Nachmittag aus. (eg)

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