Gemeinderat - Empfehlungen zum weiteren Ausbau der Kinderbetreuung gebilligt. RSÖ-Antrag abgelehnt

Trotz »Mega-Thema« kein »Blankoscheck«

REUTLINGEN. Einstimmig hat der Gemeinderat gestern Abend die Empfehlungen zum weiteren Ausbau der Kinderbetreuung in den kommenden zwei Jahren gebilligt. Ein Antrag der RSÖ-Fraktion, einen Teilbereich dieser Empfehlungen - die Erhöhung des Personalschlüssels für Einrichtungen, die einen besonders hohen Anteil von Kindern aus problematischen Familien aufweisen - sofort zu beschließen, wurde mit einer knappen Mehrheit aus dem bürgerlichen Lager abgelehnt.

Mehr Plätze für die Kleinen: das Betreuungsangebot in Reutlingen wird ausgebaut. Das hat gestern der Gemeinderat beschlossen. GEA-ARCHIVFOTO: HAI
Mehr Plätze für die Kleinen: das Betreuungsangebot in Reutlingen wird ausgebaut. Das hat gestern der Gemeinderat beschlossen. GEA-ARCHIVFOTO: HAI
Die Begründung von CDU, FWV und FDP: Man stehe dem Vorschlag zwar aufgeschlossen gegenüber, wolle ihn jedoch erst im »Gesamtkontext« der kommenden Haushaltsberatungen entscheiden. Die unterlegenen Befürworter des Antrags von RSÖ, WiR, Grünen und SPD verschlossen sich anschließend dem Gesamtpaket nicht und stimmten ebenfalls für die Empfehlungen, die in Teilen oder auch ganz bei den Haushaltsberatungen wieder auftauchen werden.

Qualitativen Ausbau gefordert


Man sei auf einem guten Weg, was die Kinderbetreuung betrifft, sagte RSÖ-Sprecherin Özlem Isfendiyar. Der Fokus sei bisher auf dem quantitativen Ausbau gelegen und man befürchte nun, dass der qualitative Ausbau auf der Strecke bleibt. Man trage jedoch große Verantwortung gegenüber den Eltern, welche die bestmöglichste Betreuung für ihre Kinder wünschen. Die Erhöhung des Personalschlüssels in den besagten Einrichtungen wolle man nicht davon abhängig machen, ob Geld da ist. »Das ist uns zu wichtig, das ist ein Muss«, sagte Isfendiyar dezidiert.

WiR-Sprecher Dr. Werner Schobel wollte nicht nur wie Oberbürgermeisterin Barbara Bosch von einen »Mega-Thema« sprechen, die Kleinkindbetreuung sei ein »Mega-Mega-Thema«, meinte er. Die erste Phase sei die wichtigste im Leben. »Wenn das gut läuft, dann spart uns das in der Zukunft eine Menge Geld«, sagte Schobel. »Da müssen wir das Geld hineinbuttern«, so der WiR-Sprecher, der ebenfalls für die vorgezogene Anhebung des Personalschlüssels votierte.

Auch die SPD in Person von Silke Bayer stellte sich hinter den Vorschlag der RSÖ. »Wir brauchen nicht nur 200 neue Plätze, wir brauchen auch mehr Qualität«, meinte sie. Die Umsetzung des auch von Özlem Isfendiyar beschworenen Keleg-Prozesses (von einer gemeinsamen Kommission aus Rat, Verwaltung, freien Träger und Elternvertretern 2009 ausgearbeiteten Vorschlagsliste) sei nicht »frommer Wunsch, sondern dringende Notwendigkeit«.

Ähnlich argumentierte Sabine Gross von den Grünen. Kleinkinderbetreuung fördere die Entwicklung, »aber nur wenn die Voraussetzungen stimmen sagte. Außerdem verwies sie auf ihre Anfrage, wie Reutlingen von dem von der Landesregierung angekündigten Pakt für Kinder profitieren könnte. Dieser wie auch die Anfragen der RSÖ, werden noch im Schul- und Sozialausschuss behandelt, sagte Bürgermeister Robert Hahn.

Wie Silke Bayer und andere Sprecher hatte übrigens auch Dr. Karsten Amann die Wirtschaft aufgefordert, sich in der Kinderbetreuung zu engagieren. Ein Anteil von 2,5 Prozent an den bisher 4 300 Plätzen »ist viel zu wenig«, sagte der CDU-Sprecher. Die Empfehlungen seien ein Dokument der ungeheuren Dynamik dieses Themas. Man sei sich einig, dass der Ausbau der Kinderbetreuung weiter gehen müsse, unterstrich Amann.

»Wenn Plätze fehlen, hat allerdings der quantitative Ausbau Vorrang«, so der CDU-Sprecher. Angesichts der Kosten von 1,9 Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren könne man heute keine Entscheidung treffen, sondern erst im »Gesamtkontext mit anderen Politikfeldern« bei den Haushaltsberatungen.

»Wir brauchen alle Teile beim Haushalt, damit wir abwägen können«, unterstrich denn auch Kurt Gugel, der sich gleichwohl wie die ganze FWV erst einmal hinter die Empfehlungen stellte. Sympathie für den RSÖ-Antrag hegte die FDP. Gleichwohl könne man zu diesem Zeitpunkt »keine Blanko-Schecks verteilen«, sagte Dr. Carl-Gustav Kalbfell. Gebraucht würden auch starke Partner wie Tagesmütter, Kirchen und freie Träger.

Zielmarke 40 Prozent


Der vom Gemeinderat im Jahr 2007 angepeilte Zielwert, für 30 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Krippenplatz zur Verfügung zu stellen, ist mittlerweile erreicht. Der Bedarf junger Familien nach einem Betreuungsplatz ist jedoch ungebrochen - es gibt rund 900 Anfragen, die sich auf etwa 300 Kleinkinder beziehen. So wird mittlerweile von der Stadt die Zielmarke 40 Prozent angestrebt. Dafür müssen in den nächsten zwei Jahren 170 weitere Krippenplätze geschaffen werden. (jük) Seite 10



Das könnte Sie auch interessieren

Kerber im Achtelfinale der Australian Open

Angelique Kerber besiegte Maria Scharapowa klar in zwei Sätzen. Foto: Vincent Thian

Melbourne (dpa) - Angelique Kerber hat das Duell m... mehr»

Nach «Friederike»: Weiter Einschränkungen im Bahnverkehr

Düsseldorf (dpa) - Zwei Tage nach dem Orkan «Fried... mehr»

Auf der Tee-Plantage

Kraftpakete

Oscar-Preisträgerin Dorothy Malone mit 92 Jahren gestorben

Dorothy Malone und der Schauspieler Anthony Quinn posieren im Jahr 1957 bei den Academy Awards in Los Angeles mit ihren Oscars. Foto: AP/dpa/Archiv

Los Angeles (dpa) - Die amerikanische Schauspieler... mehr»

Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Aktion

Zeitungspaten gesucht

Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.
lesen »
Aktuelle Beilagen