Kultur - FLG’ler zeigen »Romulus der Große«

Triumph der Hennen

REUTLINGEN. Zuletzt gibt es kein Erbarmen. Das Römische Reich ist am Ende – und der Kaiser wendet sich gelangweilt ab. Die Theater-AG des Friedrich-List-Gymnasiums führte an zwei Abenden Friedrich Dürrenmatts Komödie »Romulus der Große« auf. Bei der Premiere im voll besetzten Spitalhofkeller des Tonne-Theaters gab es nach mehr als zwei Stunden Spielzeit viel Beifall für die 21 jungen Darsteller der Klassen sechs bis elf.

Die Inszenierung von Antje Lang ist eine Mischung aus Komödie, Tragödie und Groteske, mit einem Tango tanzenden Kaiserpaar, einem schrägen Hühner-Chor, mit einer Schüler-Inszenierung, die uneingeschränkt der Sprache, ihrem Klang, ihrem Rhythmus vertraut. Und ihrem Humor. Die 21 jungen Darsteller – in der Mehrzahl Mädchen – erzählen die fiktive Geschichte des letzten römischen Kaisers Romulus (476 nach Christi Geburt), der gar nicht daran denkt, sein Reich gegen die unaufhaltsam Richtung Rom vordringende Germanen zu verteidigen. Viel lieber frönt er seinen wahren Leidenschaften: dem Frühstücken, dem Schlafen und der Hühnerzucht.

Laxer Führungsstil

Doch seine Untergebenen sind überhaupt nicht einverstanden mit dem laxen Führungsstil ihres Herrschers (Pauline Ernst). Seine Gattin und »Landesmutter« Julia (Elena Ahlgrim) überschüttet ihn mit Vorwürfen, sein Schwiegersohn in spe, Ämilian (Sophie Godzik), kämpft mit dem Trauma einer dreijährigen germanischen Gefangenschaft und der schwäbische Fabrikant Cäsar Rupf (Ayla Freudigmann) versucht ihm weiszumachen, dass »nur Hosen aus Metzingen das Römische Reich retten können«. Und dann muss Romulus auch noch hinnehmen, dass seine geliebten Hennen, denen er die Namen von verblichenen Kaisern und Kriegshelden gegeben hat, kaum noch Eier legen. Dabei ist ihm doch sein Frühstück, von ihm feierlich als »Morgenessen« bezeichnet, das Wichtigste überhaupt.

Witzige Einlagen

Die Faszination dieser Schüleraufführung lebt nicht nur von witzigen Einlagen, sondern auch von den Schauspielern selbst. Vor allem von Pauline Ernst, die ihre schwierige und textlastige Rolle des Kaisers von Westrom souverän ausfüllt. Beeindruckend auch, wie Antje Lang, die erstmals die Regie vom bisherigen und unlängst pensionierten Spielleiter Peter Heilig übernahm, die Psyche des faulen und vergnügten Romulus herausarbeitet und dessen Relationen zu denen, die ihn umstimmen oder von seinem Fehlverhalten überzeugen wollen. Selbst der Heldentod bleibt Romulus verwehrt, denn Germanenfürst Odoaker (Hannes Strähle) schickt ihn einfach in Rente.

Graziöser Abgang

Dürrenmatts Romulus, 1949 in Basel uraufgeführt, kann auch als eine sehr heutige Figur gesehen werden, die inmitten eines weltgeschichtlichen Chaos nach einem möglichst graziösen Abgang sucht. Oder nahm Romulus den Untergang des römischen Imperiums doch bewusst in Kauf? Jedenfalls triumphieren am Ende die Hennen über das Heldentum. (jüsp)



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