Fachmesse - Am 27. April Reutlinger Friedhofstag auf dem Friedhof Römerschanze rund ums Thema Bestattung

Trend geht zum pflegeleichten Grab

VON ANDREAS DÖRR

REUTLINGEN. Was bitte ist eine Wasserurne? Selbst Jürgen Senft weiß es nicht so genau. Der städtische Abteilungsleiter Friedhöfe vermutet, dass es sich um eine Urne handelt, die die in ihr gebettete Asche durch eintretendes Regenwasser an die Erde abgibt.

FOTO: dpa
»Ich bin selbst gespannt, mehr darüber zu erfahren.« Am Mittwoch und Donnerstag, 26. und 27. April, hat Jürgen Senft reichlich Gelegenheit, sich beim 7. Friedhofstag zu informieren. Zuerst bei der am Mittwoch stattfindenden Fachtagung, einen Tag später von 9 bis 17 Uhr bei der für das Publikum bei freiem Eintritt geöffneten Fachmesse auf dem Friedhof Römerschanze (Eintritt und Parkplätze an der Sickenhäuser Straße bei der Gaststätte Edelweiß).

Zweijähriger Rhythmus

50 Aussteller, darunter Firmen aus Österreich, den Niederlanden und Schweden, präsentieren Neuerungen und Altbewährtes rund ums Thema Bestattung: Grabtechnik, Grabkammersysteme, Nutzfahrzeuge, Pietätsartikel, Beschallungstechnik, Software, Parkausstattung oder Grabmale. 20 Aussteller kommen in einem Zelt unter, die restlichen verteilen sich auf den noch nicht belegten Gräberfeldern des Reutlinger Hauptfriedhofes. Derzeit sind auf dem Gelände fast 8 500 Grabstellen untergebracht. Geplant und gebaut 1950 bis 1955 wurde der Friedhof zwei Mal erweitert. Zwischen 1979 und 1980 in Richtung Osten, sechs Jahre später nach Norden. »Die Reutlinger Friedhofstage sind in dieser Form in Deutschland einmalig«, sagt Jürgen Senft. »Sie haben überregionale Bedeutung.«

Drei Vorträge

»Der zweijährige Rhythmus der Friedhofstage hat sich bewährt«, sagt Clara Schäfer vom Event-Management der Reutlinger Firma Solutioncube, die die Veranstaltung seit der zweiten Auflage organisiert. Im Mittelpunkt stehen Trends, die nicht nur professionelle Bestatter interessieren, sondern auch ein breites Publikum.

»Immer mehr Menschen tendieren zu pflegeleichten Gräbern«, sagt Jürgen Senft, eine Entwicklung, die auch auf dem Reutlinger Friedhof festzustellen ist. Aber auch individuell gestaltete Stelen oder Grabmale mit QR-Code sind Themen, die von den Ausstellern aufgegriffen werden. Bei diesen Codes handelt es sich um kleine Quadrate, die aus vielen kleinen Blöcken, den sogenannten Modulen, bestehen. Sie können beispielsweise Informationen über den Verstorbenen oder einen letzten Gruß enthalten. Seit März 2014 sind diese QR-Codes auch auf dem Reutlinger Friedhof zugelassen.

Ob die Trends tatsächlich so langlebig sind, wie es ihre Protagonisten erhoffen, bleibt aber abzuwarten. So hat ein Anbieter vor acht Jahren Grabmale aus Holz vorgestellt, die er mit Edelstahl oder Glas kombiniert und in die er einen Flachbildschirm eingebaut hatte. Darauf flimmerten Bilder des Verstorbenen, vom Geburtstag mit den Enkeln, vom Urlaub auf Lanzarote oder eine Nachricht vor dem Tod – eine technische Neuerung, die sich nicht durchgesetzt habe, sagt Jürgen Senft. Von Interesse dürften auch drei Vorträge sein (siehe Infobox) – auch wenn nicht jeder Beitrag topaktuell erscheint. Die Frage, ob es sich bei einem Trauerredner um eine »Modeerscheinung« handelt, wurde schon 2011 gestellt. Vielleicht wird sie in diesem Jahr beantwortet. (GEA)



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