Schulleben - Theater-AG des Isolde-Kurz-Gymnasiums zeigt mit »Schillers Schnipsel« Szenen aus dem Werk des Dichters

Theater-AG des IKG mit garantiertem Schmunzel-Faktor

VON NORBERT LEISTER

REUTLINGEN. »Durch diese hohle Gasse muss er kommen.« Natürlich war auch dieses bekannte Zitat aus »Wilhelm Tell« am Mittwochabend bei der Premiere von »Schillers Schnipsel« zu hören und zu sehen: Dabei brachten 50 junge Schauspielerinnen und Schauspieler des Isolde-Kurz-Gymnasiums (IKG) eine stark geraffte Zusammenfassung von vier Schiller-Werken auf die Bühne des Reutlinger Kulturzentrums franz. K.

KG-Gymnasiasten bringen heute Abend im Kulturzentrum franz.K nochmals »Schillers Schnipsel« auf die Bühne ? hier eine Szene aus »Die Räuber«.
KG-Gymnasiasten bringen heute Abend im Kulturzentrum franz.K nochmals »Schillers Schnipsel« auf die Bühne – hier eine Szene aus »Die Räuber«. FOTO: Norbert Leister
Zurück zu einem Viertel der »Schnipsel«, also zu Tell: Kurz nachdem Landvogt Gessler durch die hohle Gasse geritten kam, war er auch schon tot. Getroffen von einem Armbrustpfeil besagten Wilhelm Tells, der zuvor den berühmten Apfel auf dem Kopf seiner Tochter (war das nicht eigentlich ein Sohn?) gespalten hatte. Gerade bei dieser Szene blitzte der Einfallsreichtum der Theatertruppe auf: Der Schuss auf den Apfel wurde quasi (sehr amüsant) in extrem verlangsamter Zeitlupe dargestellt – indem einer der Akteure den Pfeil zum Ziel trug und händisch im Obst einschlagen ließ.

Leitern als Kulisse

Überzeugend waren aber nicht nur solche Ideen, sondern auch das Bühnenbild. Das wechselte nämlich mit jeder Szene in Windeseile durch das Umstellen von nichts anderem als ein paar Leitern: Manches Mal stellten sie »Maria Stuarts« Gefängnis dar, andere Male Bäume im Wald der »Räuber« oder Häuser in »Kabale und Liebe« wie auch die besagte hohle Gasse bei »Wilhelm Tell«. Womit alle vier Schiller-Stücke genannt wären, aus denen sich Regisseur Eckhard Wurm bedient hatte. »Ich habe mir überlegt, dass so ein Stück wie 'Shakespeares Greatest Hits' doch auch für deutsche Dichter möglich sein müsste.« Goethe habe er angedacht, doch da passiere einfach zu wenig, was auf der Bühne darstellbar sei. Zudem noch für 50 Schauspieler. Also blieb fast nur Schiller. »Seine Stücke sind handlungsbetont, und da kracht es auch so richtig.«

Wie wahr! Bei den Räubern etwa liegen am Schluss jede Menge Tote vor den Zuschauerreihen. Und auch bei »Maria Stuart«, »Wilhelm Tell« sowie »Kabale und Liebe« wird reihenweise gemordet, erhängt, erstochen. Das alles erscheint aber nicht blutrünstig, sondern kommt hoch amüsant daher.

Mit Herzblut dabei

Aufgeführt von mehr als vier Dutzend ganz junger oder auch schon ganz erfahrener Akteure. »Natürlich erhalten bei uns die Jugendlichen, die schon seit fünf Jahren dabei sind, die großen Rollen«, sagte Sabine Laage. Zusammen mit ihrem Mann Eckhard Wurm und Sandra Lukaszevicz leitet sie die Theater-AG am IKG. Und das seit rund drei Jahrzehnten.

»Mir ist das ja fast schon peinlich, das zu sagen«, meint Wurm, der im Ruhestand aber immer noch mit Herzblut und vollem Engagement das Einstudieren von Theaterstücken an dem Gymnasium mit betreut. »Ich glaube, mir würde einiges fehlen, wenn ich das nicht mehr könnte«, so der Regisseur und Stückeschreiber.

»Wir machen alles selbst«, betonte Lukaszevicz. Bühnenbild, Technik, Schminken, Kostüme, Regie, selbst die Klaviertöne zwischen den Stücken – die jeweils eine Erkennungsmelodie für die Dramen darstellten – sind selbst gemacht. Und die aufwendigen Kleider etwa von Maria Stuart und Queen Elizabeth? »Das sind Faschingskostüme, die wir gekauft haben«, so Laage. Andere Verkleidungen wurden von ein paar näherfahrenen Großmüttern hergestellt.

Das Fazit von »Schillers Schnipsel«: eine vergnügliche und kurzweilige Vorstellung vierer großer Werke in nur anderthalb Stunden. Wer die gelungene Bühnencollage erleben will, hat hierfür letztmals am heutigen Freitag, 20 Uhr, im franz.K Gelegenheit. Ein anderes Fazit sei nicht vergessen: »Man kann diese jungen Leute gar nicht genug loben und bewundern für ihre Einsatzbereitschaft, ihren Zeitaufwand und ihr soziales Miteinander beim Einstudieren der Stücke«, ist sich das Trio Lukaszevicz, Laage und Wurm einig. »So ist sie, die Jugend.« (GEA)

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