Deutschland taucht was

Tauchclub Reutlingen mit Schnupperkurs für Neulinge

Von Martin Schreier

REUTLINGEN. "Das Beste ist, wenn man sich so schwerelos fühlt", sagt Yara Friess begeistert. Die 14-Jährige hat gerade mit rund einem Dutzend weiteren Teilnehmern bei einem Schnupper-Tauchkurs des Taucherclubs Reutlingen mitgemacht. Es ist zwar nur das Springerbecken des Freibads Markwasen. Aber das "coole Gefühl", wie Yara es nennt, stellt sich offenbar auch dort ein. "Ich überlege schon seit einer Ewigkeit, einen Schein zu machen", so die Reutlingerin. Es ist bereits ihr dritter Tauchgang mit Ausrüstung. Doch ihre Zeit lasse es momentan einfach nicht zu.

Tauchclub Reutlingen Tauchtag Juni 2012
FOTO: Martin Schreier
Mit dem Slogan "Deutschland taucht was" hatte der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) seine Mitgliedsorganisationen dazu aufgefordert, am Sonntag einen Tauchtag zu veranstalten. 120 Vereine in Deutschland leisteten dem Folge, auch der Tauchclub Reutlingen, der während der Freibadsaison sonntäglich im Freibad Markwasen trainiert. "Wir bieten den Interessierten einen ersten Kontakt mit der Ausrüstung und vermitteln wichtige Dinge, die man wissen sollte", sagt Tauchlehrer Kurt Tupy.

Vom Druckausgleich über den Unterschied zwischen Geräte- und Apnoetauchen bis hin zu Eigenschaften von Luft unter Wasser - die Tauchneulinge konnten einiges erfahren, was in einer Ausbildung noch vertieft wird. Denn verantwortungsbewusstes Tauchen ist mehr als ein Gang unter Wasser. Theoretische Kenntnisse aus Medizin und Physik sind enorm wichtig. "Nichts ist schlimmer als wenn eine Lunge überdehnt wird", sagt der Vereinsvorsitzende Ulrich Marose. Das kann geschehen, wenn man mit Druckluft-Flaschen taucht und beim Aufsteigen aus der Tiefe die Luft anhält. Dennoch wird Marose nicht müde zu betonen, dass Tauchen an sich nicht gefährlich ist. Gefährlich werde es erst, wenn man ohne Kenntnis und verantwortungslos ins Wasser geht.

Beim Schnupperkurs konnten die Teilnehmer lernen, wie die Tauchgeräte zusammengesetzt werden und bei ersten Tarierübungen, wie man unter Wasser das hydrostatische Gleichgewicht herstellt. Dabei wird so viel Luft in die Tarierweste gelassen, dass es weder zu einem Auf- noch zu einem Abtrieb kommt. "Das ist das Gleiche, was auch der Fisch machen muss", sagt Marose. "Der schwimmt auch nicht von selbst auf der gleichen Höhe."

Ein wichtiges Thema ist auch, wie man sich unter Wasser orientiert. Was im Schwimmbecken des Freibads noch mühelos gelingt, ist in offenen Gewässern schwieriger. "Unter Wasser gibt es ja keine Hinweisschilder. Da muss man sich anders orientieren", sagt Tupy. Neben einem Kompass als technischen Helferlein finden sich Taucher unter Wasser anhand von geologischen Formationen wie etwa Felsen zurecht, manchmal auch mithilfe von Fischen. Tupy erklärt, dass einige Fischarten sehr eng begrenzte Lebensräume haben und deshalb als Orientierungshilfe nützlich sein können.

Mit einem in den Medien weit verbreiteten Irrtum wollen die Vereinskollegen vom Taucherclub noch aufräumen. Häufig werde berichtet, dass Taucher mit Sauerstoffflaschen zu Wasser gingen. Doch das sei eher die Ausnahme. In der Regel nutzen Taucher schlicht Drucklufttauchgeräte, also Druckflaschen mit gereinigter und komprimierter Luft. Mit reinem Sauerstoff könne man nämlich nur bis sechs Meter Tiefe tauchen. In größerer Tiefe reagiere der Körper auf reinen Sauerstoff mit Krämpfen.

Um 10 Uhr ist das Freibadtauchen schon zu Ende. Denn die Wasserballer übernehmen das Sprungbecken. Für Benjamin und Alexandra Friesch, die zum ersten Mal mit Gerät getaucht sind, ist der Schnupperkurs eine ganz neue Erfahrung – mit Folgen. "Wir wollen auf jeden Fall eine Ausbildung machen - und zwar in Deutschland“, sagt Friesch. "Im Ausland lernt man nur ein paar Tage", ergänzt Linhart. Die Beiden sind überzeugt, dass die Ausbildung hierzulande mehr Qualität hat. Beim Tauchclub Reutlingen sind sie auf jeden Fall willkommen. (msc)


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Deutschland taucht was

Schnupperkurs beim Tauchclub Reutlingen

Tauchclub Reutlingen Tauchtag Juni 2012
FOTO: Martin Schreier
 
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