Gabi Schneider und Juergen Straub geben neue Einblicke in ihre Reiseerlebnisse in Baltistan. Tagebuchähnlich schreiben der Reutlinger Extrembergsteiger und seine Partnerin, was ihnen auf ihrem Abenteuertrip so alles wiederfährt.
Neue Bilder aus Pakistan: 9. September 2010. FOTO: PR
Man glaubt es kaum, aber im hintersten Winkel des Basars lässt sich der passende Fahrradschlauch doch noch auftreiben. Reiner Zufall, denn wir bringen einem Mützenmacher ein Bild von unserer Reise 2008. Der wiederum holt gleich einen Übersetzer, der wiederum aktiviert einen Freund und der hat die Idee und findet den Fahrradschlauch. Also auf ins schöne Nagartal zu einem Tagesausflug.
Schon kurz hinter der Stadtgrenze ist die Luft staubgeschwängert. Es dauert seine Zeit bis wir uns einen Überblick des Geschehens machen können, beschreiben Straub und Schneider.
Pakistan hat Großes vor. Mit Hilfe Chinas und einen sicherlich 1000 köpfigen chinesischen Arbeitertrupp wird der Karakorum Highway ausgebaut. Es ist das Bestreben, die Verbindung zwischen China und Pakistan ganzjaehrig befahrbar zu halten und dadurch den Handel zu intensivieren. Zumindest an der Kunjerab Passhoehe in 4870 Metern Höhe hegen wir da unsere Zweifel.
Nach austrocknenden Hustenattacken stellen wir nach 20 Kilometern fest, das kann es nicht Wert sein. Unter weiteren Erstickungsanfällen radeln wir zurück nach Gilgit.
Freundschaften und Business-Pflege
In der Fastenzeit - es ist im Islam gerade Ramadan - fällt es nicht schwer Termine zu vereinbaren. In entspannter Athmosphäre sitzen wir bei grünem Tee im Hotelgarten. Unsere Gäste bleiben leider auf dem Trockenen. Gegessen und getrunken wird erst nach Einbruch der Dunkelheit.
Jürgen pflegt seine Verbindung zur hiesigen Universität und kann Alltagstips in Sachen "reinem Trinkwasser" geben. In Anbetracht der derzeitigen Situation hier fallen diese Tipps auf fruchtbaren Boden. Doch auch Privates kommt nicht zu kurz. Einer der Herren Professoren schwärmt von seiner Reise nach Stuttgart auf den Killesberg zur Mineralienbörse.
Am Abend werden wir liebenswuerdig zum Iftar (Fastenbrechen) zu unserem Freund Hanif von der Polizei eingeladen. Die ganze männliche Verwandschaft ist schon da. Selbstverstaendlich auch seine liebe Frau. Es finden aufschlussreiche Gedankenaustausche statt. Zu Fuß und mit dem Rucksack besichtigen wir die gut versteckte Buddhafigur hoch über der Stadt. Sie stammt aus dem sechsten Jahrhundert und ist so gut in sicherer Höhe in den Stein gemeiselt, dass sie heute noch erhalten ist. Von hier aus ist der Blick über die Terrassenfelder und die umliegenden Berge einfach grandios, beschreibt Gabi Schneider.
Mit den Herren der Uni ist schnell ein Plan gefasst. Montasgs, also einmal pro Woche fliegt eine Maschine von Pakistan Airline von Gilgit nach Skardu. Ruckzuck ist der Flug gebucht. Wir radeln fasst ungestreift bis zum Rollfeld. Alle sind fasziniert von unseren Rädern und von so einer Sache. Noch nie sind hier Räder als Gepaeck ins Flugzeug gepackt worden. Insgesamt, mit dem Anhänger fünf Gepäckstücke sind es dann. Die Maschine ist so klein, das ein Fahrrad nicht am Stück in den Frachtraum passt.
Keine ganze Dreiviertelstunde später radeln wir vom Rollfeld in Skardu direkt los in die 15 Kilometer entfernte Stadt. Einfach Klasse, kein Verhandeln über einen Transport, einfach nur aufsitzen und in die Pedale treten. Unterwegs befürchte ich zunächst Aufständische am Straßenrand. Hunderte von Fahrzeugen stehen in einer Schlange und warten auf Treibstoff. Es gibt wieder welchen. Ein Polizist, der für den geregelten Ablauf sorgt, ruft Jürgen grinsend zu "you are lucky, you need no gas".
Recht hat er.
Unsere Vorbereitungen für die Expedition ins Reich zu den noch unerstiegenen Bergriesen sind abgeschlossen. Alles ist bereit und es kann losgehen. Lesen Sie bald mehr im nächsten Teil des Reisetagebuchs der beiden Abenteurer.
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