Haushalt - Ist aus der »Dietwegtrasse« die »Südumfahrung Orschel-Hagen« geworden? Gemeinderat bewilligt 350 000 Euro Planungsmittel für Weiterführung nach dem Tunnel

Streit um die Dietwegtrasse wird reanimiert

VON ANDREA GLITZ

REUTLINGEN. Die »Dietwegtrasse« ist tot. Es lebe die »Südumfahrung Orschel-Hagen«? Als es am Dienstagabend bei der Haushaltsverabschiedung um die umstrittene Umfahrung ging, bemühten die Gemeinderäte gern medizinisches Vokabular.

Die rote Linie zeigt die mögliche Neubaustrecke zwischen Efeuknoten (unten rechts) und B 464.  GRAFIK: REGIERUNGSPRÄSIDIUM
Die rote Linie zeigt die mögliche Neubaustrecke zwischen Efeuknoten (unten rechts) und B 464. GRAFIK: REGIERUNGSPRÄSIDIUM
Reanimiert wurde in jedem Fall zügig die Debatte um den Straßenneubau: Im neuen Etat sind 350 000 Euro Planungsgeld eingestellt. Eine Mehrheit im Rat (ohne Grüne und Linke Liste) beschloss, dem CDU-Antrag zu folgen.

»Schnappatmung beim Begriff Dietwegtrasse«
 
Die Aufnahme der Südumfahrung Orschel-Hagen in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans sei »ein Meilenstein für die zukünftige Verkehrsentwicklung in Reutlingen«, befand der CDU-Fraktionsvorsitzende Rainer Löffler. Die Christdemokraten fordern schon lange, die Stadt solle das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Es gebe bislang keine Lösung für die Verkehrssituation am Nordportal des Scheibengipfeltunnels. »Verkehrspolitischer Wahnsinn« sei es, auch im Hinblick auf die Schadstoff- und Lärmbelastung, von dort noch mehr Verkehr in die Stadt zu lotsen.

Gleiches Projekt, neuer Name? »Es geht um die Dietwegtrasse«, urteilte Holger Bergmann (Grüne und Unabhängige). Und die gehöre »auf den Müllhaufen«, sei »Verkehrsplanung von vorgestern vom Bundesverkehrsminister aus der Mottenkiste gezogen«. Für 2,5 Kilometer Straße würde ein Naherholungsgebiet zerstört.

»Verschleiernd und verniedlichend« nannte auch Jessica Tatti (Linke Liste) den Begriff Südumfahrung Orschel-Hagen. Sie befürchtet Geldverschwendung. Hätten doch Gutachter schon vor Jahren festgestellt, dass die Trasse keinen Nutzen bringe. Dennoch genieße sie neuerdings auch die Unterstützung der Verwaltung.

Das Gutachten habe lediglich die überörtliche Notwendigkeit bestritten, warf der SPD-Fraktionsvorsitzende Helmut Treutlein ein. Die SPD hofft mit neuen Planungen unter anderem, Orschel-Hagen von Durchgangsverkehr zu befreien und die »künftigen vielen Arbeitsplätze im Laisen« besser zu erschließen.

»Viel Spaß« mit dem Streitthema wünschte Jürgen Fuchs (FWV). »Wir machen mit.« Dabei wolle seine Fraktion nicht die »Leiche Dietwegtrasse« wiederbeleben. Es gelte vielmehr, offene Fragen zu klären. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch will bei manchem »Schnappatmung« beim Begriff Dietwegtrasse festgestellt haben. Die 70er-Jahre Version mit Ständerbauwerk überm Ortseingang von Sondelfingen sei dabei »schon lange tot«. Die alten Planungen seien nicht umsetzbar. Auch sonst hätten sich Grundbedingungen geändert. Damals sollte das Projekt aus städtischen Mitteln finanziert werden. Nun gibt es Geld vom Bund. Bis gebaut werde, gehe noch viel Wasser die Echaz hinunter. Dennoch wolle man nun »im Vorgriff über verkehrliche Lösungen nachdenken«. Wie die aussehen, in welcher Trägerschaft und wer zahlt, sei noch unklar, beteuerte die OB.

Der WiR-Fraktionsvorsitzende Prof. Dr. Jürgen Straub warnte vor »Denkverboten«. Er teilt nicht die Auffassung der OB im Hinblick auf den Realisierungshorizont. Müssten doch die Projekte aus dem Verkehrswegeplan bis 2030 über die Bühne sein. »Papier ist geduldig«, konterte die Oberbürgermeisterin.

Dietwegtrasse

In Stadtplänen blieb die freigehaltene Dietwegtrasse stets eingezeichnet: Vom Nordportal des Scheibengipfeltunnels führt sie gen Nordwesten, um oberhalb des Dietwegs in die Rommelsbacher Straße zu münden. Sie bildet damit den Anschluss an B 464 und B 27. Das Projekt lag lange Zeit auf Eis, nachdem Gutachten die Sinnhaftigkeit infrage stellten. Im Frühjahr 2016 wurde die Nachricht publik, dass die Weiterführung der Ortsumfahrung Reutlingen in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgeführt ist. Mit der Öffnung der Scheibengipfeltunnels im Herbst dieses Jahres ist eine Verkehrsmehrbelastung für Sondelfingen, Rommelsbach und Orschel-Hagen prognostiziert: Erste verkehrsberuhigend Maßnahmen hat die Stadt umgesetzt, weitere sollen folgen. Lange galt dabei die städtische Marschlinie, den Verkehr aus dem Nordportal ohne Neubau auf vorhandenen Straßen abzuwickeln. (igl)

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