Bildung - Die Katholische Freie St.-Wolfgang-Schule will zum kommenden Schuljahr einen Realschulzug einführen
St.-Wolfgang-Schule will Realschulzug einführen
Von Alexander Rabe
REUTLINGEN. Auf der Internetseite der Katholischen Freien St.-Wolfgang-Schule (SWS) steht es in großen roten Lettern geschrieben: »Die SWS ist up to date!« Der Anlass für die signalfarbene Aussage: Die Grund- und Werkrealschule will ab dem Schuljahr 2012/2013 drei Abschlüsse anbieten - neben dem Hauptschulabschluss nach Klasse 9 oder 10 und dem Werkrealschulabschluss nach Klasse 10 soll es künftig auch einen Realschulabschluss nach dem zehnten Schuljahr geben.
In der St.-Wolfgang-Schule in der Werastraße 81 - seit 2010 Grund- und Werkrealschule - wird aller Voraussicht nach ab dem kommenden Schuljahr auch ein Realschulzug angeboten.
FOTO: Alexander Rabe
Schulleiter Peter Roth und Konrektorin Dorothea Fecker-Kuon erläuterten gestern die Gründe ihres Plans, den aktuellen Stand und den konzeptionellen Ansatz. »Immer wieder gab es - auch seitens der Eltern - den Wunsch, das Bildungsangebot an unserer Schule um einen Realschulzug zu erweitern«, sagt Roth. Im kommenden Schuljahr wolle man mit einer fünften Klasse beginnen und den Realschulzug in den Folgejahren sukzessive aufbauen. Im Schuljahr 2017/2018 könnten die ersten Realschüler ihre Mittlere Reife machen.
Realschule und Werkrealschule sind parallel jeweils einzügig vorgesehen. »Wir würden unseren Werkrealschülern so weiterhin eine Heimat bieten, hätten aber die Möglichkeit, zwei mittlere Bildungsabschlüsse anzubieten«, sagt Roth.
Warten auf grünes Licht
Intern sei alles geregelt. Alle Gremien an der Schule befürworten laut Rektor den Schritt. Der Träger der privaten Schule, die St.-Wolfgang-Schulstiftung, hat den formellen Beschluss gefasst, den entsprechenden Antrag gestellt und die Schulleitung mit der Erstellung eines pädagogischen Konzepts beauftragt. Auch seien die ersten Gespräche mit dem Regierungspräsidium Tübingen und dem Kultusministerium geführt worden. Dabei habe man »sehr positive Signale« bekommen. »Wir sind zuversichtlich, dass wir dieses Vorhaben im nächsten Schuljahr umsetzen können«, sagt Peter Roth. Dennoch wird er auf die Genehmigung voraussichtlich noch ein paar Wochen warten müssen.
Räumlich und personell sei man indes an der St.-Wolfgang-Schule für den Start gut aufgestellt. Denn: Auf das Flachdach des bestehenden Schulgebäudes wurden jüngst vier neue Klassenzimmer gebaut und im Kollegium der Schule finden sich bereits drei ausgebildete Realschullehrkräfte. Doch was erwartet die Schüler?
Am pädagogischen Konzept wird zwar derzeit noch fleißig gefeilt, doch einige konkrete Vorstellungen gab das Schulleitungs-Duo gestern dann doch schon Preis. An der katholischen Schule wird nach dem »Marchtaler Plan« unterrichtet. Säulen dieses Plans sind ein Morgenkreis, freie Stillarbeit, vernetzter Unterricht und Fachunterricht. Die Inhalte dieses Erziehungs- und Bildungsplans für die katholischen freien Schulen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gebe es auch auf die Realschule zugeschnitten.
Der Ruf aus der Politik nach längerem gemeinsamen Lernen kommt der Schule laut Roth entgegen. »Gemeinsames lernen wird ein konzeptioneller Eckpfeiler sein«, sagt Roth. Der Plan: Klasse 5 und 6 sollen zur Orientierungsstufe werden, in der Werkreal- und Realschüler im Klassenverbund gemeinsam unterrichtet werden. Beweggrund hierfür ist die Tatsache, dass die Grundschulempfehlung im Gegensatz zu früher nicht mehr verpflichtend einzuhalten ist. Folge: Schüler mit unterschiedlichem Leistungsniveau treffen aufeinander.
Unter anderem mithilfe von Lernstand-Diagnosen soll dann nach zwei Orientierungs-Jahren entschieden werden, welches Kind in welcher Schulform richtig aufgehoben ist. Ziel sei eine möglichst individuelle Förderung. In den folgenden Schuljahren soll dann mehr und mehr differenziert werden. Realschüler und Werkrealschüler gehen schließlich getrennte Wege, um gezielt auf ihre jeweiligen Abschlüsse vorbereitet zu werden. Die Prüfung für die Realschüler kommt schließlich - wie an staatlichen Schulen - vom Kultusministerium.
Info-Abend am 9. Februar
Für die Eltern und Kinder der vierten Klasse, die zeitnah die Entscheidung über die weiterführende Schule zu treffen haben, bietet sich nun also eine weitere Option an. »Natürlich nehmen wir auch Kinder von anderen Grundschulen bei uns auf. Wir haben ein großes Einzugsgebiet - und das soll auch so bleiben«, sagt Roth. Die Entscheidung kann die St.-Wolfgang-Schule den Familien nicht abnehmen, eine Hilfestellung geben kann sie freilich schon: Am Donnerstag, 9. Februar, 20 Uhr gibt es in der Mensa der Schule einen Informations- und Beratungsabend. Nach dieser Veranstaltung ist dann auch die Anmeldung möglich. (GEA)
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