Strom - Mehr Schlagkraft auch für größere Projekte: Der Verein Sonnenenergie Neckar-Alb will eine Genossenschaft für erneuerbare Energien in der Region gründen
Sonnenenergie Neckar-Alb will Genossenschaft gründen
Von Norbert Leister
REUTLINGEN. Der Verein Sonnenergie Neckar-Alb hat schon 2009 eine Studie vorgelegt, nach der bis zum Jahr 2030 die Region Neckar-Alb komplett mit regenerativen Energien versorgt werden könnte. Nun lehnen sich Friedrich Hagemeister und seine Vereins-Mitstreiter aber nicht zurück, um abzuwarten, wie sich die Zukunft entwickeln wird - sie wollen selbst gestalten und damit beweisen, dass dieses Ziel der 100 Prozent erneuerbare Energien eben keine Utopie ist. Die Gegenbeweise gebe es eh bereits, wie Vereins-Gründungsmitglied Klaus Fink erläutert: Hohenstein und Pfronstetten haben nach seinen Worten schon vor zwei Jahren mehr regenerativen Strom erzeugt als in der Gemeinde benötigt wurde.
Plädoyer für die erneuerbaren Energien: Friedrich Hagemeister sucht Mitstreiter in der Region.
FOTO: Norbert Leister
Nachdem der Sonnen-Verein in den zurückliegenden Jahren einige Fotovoltaik-Projekte auf der Alb wie auch in Reutlingen etwa auf dem List-Hof auf den Weg gebracht hat, steht nun der nächste Schritt an: Die Strom-Aktivisten wollen eine Erneuerbare-Energien-Genossenschaft gründen. Warum? »Um auch größere Projekte durchführen zu können«, sagt Friederich Hagemeister bei einer Informationsveranstaltung in der Reutlinger Uhlandhöhe, zu der rund 50 Personen gekommen waren. Um aber solch eine Genossenschaft nach den Vorstellungen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gründen zu können, braucht es ein konkretes Projekt, das die Genossen dann umsetzen werden, so Fink.
Fotovoltaik auf der Diem-Halle
Ausersehen haben sie eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach der neuen Carl-Diem-Sporthalle: Eine riesige Anlage mit einem Investitionsvolumen von 230 000 Euro und 500 Modulen soll bis zum 1. April auf dem Dach drauf sein - vorher muss allerdings die Genossenschaft gegründet worden sein.
»Innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen wird das passiert sein«, sagt Hagemeister. Mit der Genossenschaft soll das Potenzial der Bürger genutzt werden, erläutert Gunnar Gantzhorn den aufmerksamen Zuhörern am Donnerstagabend.
Als leuchtendes Vorbild erwähnt das Vereinsmitglied die Gemeinde Großbardorf, eine Kommune mit gerade mal rund 900 Einwohnern, im einstigen Zonenrandgebiet zwischen Hessen, Bayern und Thüringen.
Dort seien im strukturschwachen Gebiet zwischen 2006 und 2011 zahlreiche Energie-Projekte umgesetzt worden, wie etwa ein Fernwärmenetz. Insgesamt hätten die Bürger von Großbardorf »eine Investitionssumme von fast 15 Millionen Euro angestoßen«. Pro Einwohner mache das etwa 50 000 Euro - »damit ist die Latte für Reutlingen ziemlich hoch gesteckt«, sagt Gantzhorn schmunzelnd.
1,8 Milliarden müssten Bürger an der Achalm aufbringen, um Ähnliches zu leisten. Ganz so hoch wollen die künftigen Genossen aber nicht greifen, sondern erst mal Schritt für Schritt vorwärtsgehen. Was natürlich nach der Fotovoltaik-Anlage auf der Sporthalle anstehen werde, sei die Nutzung der Windkraft - denn die Anlagen werden kommen. Auch in der Region Neckar-Alb. (GEA)