Wirtschaftsförderung - Alles vermietet: Städtischer »GER-Gewerbepark« auf dem Burkhardt+Weber-Gelände

So läuft der Gewerbepark mitten in der Stadt

VON HANS JÖRG CONZELMANN

REUTLINGEN. Fünf Hektar Grundfläche, und das mitten in der Stadt: Auf dem einstigen Gelände des Maschinenbauers Burkhardt+Weber betreibt die Stadt Reutlingen einen »Gewerbepark« – äußerst erfolgreich, wie Geschäftsführer Dr. Christoph-Michael Pfefferle den Stadträten bei einer Ortsbegehung sagte. Alle 8300 vermietbare Quadratmeter sind belegt, 46 Unternehmen unterschiedlichster Art sind dort ansässig.

Christoph-Michael Pfefferle, Wirtschaftsförderer der Stadt Reutlingen, an der Übersichtskarte des GER-Gewerbeparks: Oben die Stadtautobahn B 28, rechts unten die Gleisanlagen der Deutschen Bahn. FOTO: NIETHAMMER
Christoph-Michael Pfefferle, Wirtschaftsförderer der Stadt Reutlingen, an der Übersichtskarte des GER-Gewerbeparks: Oben die Stadtautobahn B 28, rechts unten die Gleisanlagen der Deutschen Bahn. FOTO: Markus Niethammer
Neben mehreren Existenzgründerfirmen haben sich auch etablierte Handwerks-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe eingemietet. Pfefferle sprach von Clusterbildung: Die Mischung aus Werbegrafikern, Unternehmensberatern, Elektrotechniker und Anlageberatern, die gegenseitig Tür an Tür ihre Dienstleistungen austauschen könnten.

»Biostickies« in Handarbeit

Ein erheblicher Anteil der Büro- und Werkstattflächen ist zudem an die Transfergesellschaft Mypegasus vermietet, die in den Räumen Kurse zur Berufsausbildung, Umschulung und Fortbildung anbietet. Drei ausgewählte Betriebe steuerten Pfefferle und der Gemeinderat an: »Biostickies«, »Ihre Zimmerei« und »Create Zukunftslabor«. Sie profitieren wie die anderen Firmen vom städtischen Raumangebot, das auf dem freien Markt so einfach nicht zu bekommen sei.

»Es ist schwierig für junge Unternehmen, adäquate und günstige Räume zu finden«, beschreibt Pfefferle die Hilfestellung der Stadt. »Es geht nicht um verbilligte Mieten, wir haben hier Marktmieten«. Teilweise liegen diese leicht über Marktniveau, nämlich für alte Hasen im Geschäft. Für Existenzgründer wiederum liegen sie leicht unter Marktniveau. »Dadurch atmet dieses Areal.«

Biostickies ist so eine Firma, sie steckt noch in den Kinderschuhen. Danijela Stielow und Stephan Fischer, beide Pferdehalter, verwandelten das, was man wohl eine Schnapsidee nennt, zum überraschend erfolgreichen Geschäftsmodell. Sie produzieren in zwei kleinen Räumen ausschließlich in Handarbeit »Gutsle« für Pferde, »Biostickies« genannt. Basis der fressbaren Stifte ist ökologisches, mageres und kräuterreiches Bergwiesenheu ohne Mineraldünger.

Die Kräuter stammen aus kontrolliert ökologischem Anbau – ein gefundenes Fressen für alle Pferdeliebhaber. Nach kurzer Zeit und ohne großes Marketing schoss die Nachfrage derart in die Höhe, dass Stielow und Fischer ans Expandieren denken. Nächster Plan: Der Kunde darf sich die Kräuter nach eigenem Wunsch mischen – je nach Vorliebe seines geliebten Vierbeiners. Dazu braucht es neue Maschinen und mehr Personal. Bisher noch eine Garagenfirma, könnte aus Biostickies ein größeres Unternehmen werden.

Zimmerei im ungewohnten Raum

Die zweite Station ist konventioneller, wenngleich von den Räumen her untypisch für einen Zimmereibetrieb. Joscha Hohnberg und Mario Müller haben sich im alten B+W-Gemäuer selbstständig gemacht, einfach deshalb, »um selber Chef zu sein und zu machen, was wir für richtig halten«. Vor viereinhalb Jahren hatten sie zu zweit begonnen, inzwischen gibt es einen Gesellen und drei Auszubildende, von denen einer demnächst fertig ist. Die Auftragslage ist für die beiden Geschäftsführer kein Thema, das Problem liegt im fehlenden Kollegenkreis. »Die Arbeit ist da, aber der Markt gibt wenig Fachpersonal her.« Die Firma arbeitet im klassischen Bereich, hat aber einiges, was untypisch ist, etwa den moderaten Umgangston auf der Baustelle.

Create Zukunftslabor ist ein Start-up-Unternehmen der Bilderbuchklasse. Digital-Ingenieure konstruieren, visualisieren und fertigen Produkte, Maschinen und Gebäudemodelle – alles dreidimensional und digital. »Bei uns verschwimmen die Grenzlinien zwischen Realität und Fiktion, wir schaffen digitale Wirklichkeit«, sagt Geschäftsführer Florian Wiest. Zunächst hatte er als Zwei-Mann-Betrieb im Container begonnen, inzwischen hat er 15 Mitarbeiter. (GEA)



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