Bürgerpark - Baubeschluss für nächsten Abschnitt von breiter Mehrheit getragen. CDU und WiR stimmen dagegen

Skate-Anlage im Herzen der Stadt wird gebaut

VON ROLAND HAUSER

REUTLINGEN. »Wir haben viel Besuch heute«, freute sich Oberbürgermeisterin Barbara Bosch über die vollen Zuhörerränge im großen Sitzungssaal. Der anstehende Baubeschluss für die Skate-Anlage im Bürgerpark hatte viele junge Leute angelockt, die – zum Teil mit Skateboards und Bikes ausgestattet – ihrem Anliegen ganz persönlich Nachdruck verschaffen wollten.

Jetzt ist es amtlich: Zwischen dem gerade entstehenden Kulturplatz und der Echaz entsteht eine ausgeformte Pool-Anlage für Skateboarder, Inline-Skater und Biker. Sie wird in die rasterförmige Gestaltung des Bürgerparks integriert.  FOTO: STADT
Jetzt ist es amtlich: Zwischen dem gerade entstehenden Kulturplatz und der Echaz entsteht eine ausgeformte Pool-Anlage für Skateboarder, Inline-Skater und Biker. Sie wird in die rasterförmige Gestaltung des Bürgerparks integriert. FOTO: STADT
Mit Beifall und Jubel quittierten sie am Ende die mehrheitlich positive Entscheidung des Gremiums: Der zweite Teil der vierten Bauphase des Bürgerparks samt Skate-Anlage wird für rund eine Million Euro realisiert. 260 000 Euro davon entfallen auf die »landschaftlich ausgeformte Poolanlage für Anfänger und Fortgeschrittene«, wie die stellvertretende Leiterin des Amts für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt, Dr. Katrin Korth, es eingangs erläutert hatte. Nur die CDU-Fraktion und WiR stimmten mit Nein und brachten es zusammen auf zwölf Stimmen, der Rest des Gremiums einschließlich Oberbürgermeisterin Barbara Bosch stand für 25-faches Ja.

Im Vorfeld laut gewordenen Befürchtungen, CDU und WiR würden einen Vertagungsantrag stellen oder das Thema in die Ausschüsse zurückverwiesen wollen, erfüllten sich nicht. »Wir halten den Entwurf für extrem gelungen«, sagte CDU-Sprecher Rainer Löffler, »sodass er im weiten Umfeld sicher seinesgleichen sucht«. Auch seien die Christdemokraten der Meinung, dass so eine Skate-Anlage zentral platziert werden müsse. Nichtsdestotrotz halte man sie an der geplanten Stelle im Bürgerpark wegen des zu erwartenden Lärms nicht für richtig.

»Das wird eine wunderbare Geschichte, wir freuen uns darauf«
 
Zwar sei sie nach derzeitigem Stand dort zulässig, weil der Verkehrslärm drumherum stärker sei – doch unternehme die Stadt ja alle Anstrengungen, den Verkehr im Bereich des Wandel-Knotens zu reduzieren. Was, wenn sich das »Lärmszenario« in der Zukunft wende, fragte Löffler? Ist sie dann mit einem möglichen Biergarten beim Stadthallen-Hotel verträglich – oder mit dem Wasserspiel am angrenzenden Kulturplatz? Das seien berechtigte Fragen.

»Auch wenn es uns immer wieder unterstellt wird«, machte WiR-Fraktionschef Professor Jürgen Straub deutlich: »Wir sind keinesfalls gegen diese Anlage.« Auch WiR gefalle die Planung, und dass – wie immer wieder von allen Seiten betont wurde – viele Jugendliche daran mitgewirkt haben, »finden wir mehr als klasse.« Seine Fraktion sei aber weiterhin der Ansicht, dass der Standort nicht richtig sei. Warum man denn nicht die kleine Skate-Anlage bei der Eishalle, die ohnehin »ertüchtigt« werden müsse, entsprechend ausbaue?

Katrin Korth hatte in ihrer einführenden Präsentation eingeräumt, ja, so ein Skater-Park sei laut. Aber der Bürgerpark solle eine urbaner, belebter Ort für Jung und Alt sein, ein »Freiraum für Bürger mit vielen Aneigungsmöglichkeiten« – und der vertrage eine laute Skate-Anlage, die sonst oft »hinter Turnhallen versteckt wird«. Die Anlage sei »von Anfang an ein integraler Bestandteil« der Planung fürs Bruderhausgelände gewesen, pflichtete die Oberbürgermeisterin bei, und sie sei überzeugt, dass das Angebot zusammen mit dem geraden entstehenden Wasserspiel »sehr gut angenommen wird.«

»Die SPD steht zum Bürgerpark und die SPD steht zur Skate-Anlage«, signalisierte Edeltraut Stiedl die Zustimmung der Sozialdemokraten: »Wir wollen die Jugend mitten in der Stadt haben!« Eine Skate-Anlage brauche auch Publikum, und sie werde »eine riesen Bereicherung« für Reutlingen sein. Überwältigt von der Präsenz der Skater und Biker im Sitzungssaal zeigte sich auch Grünen-Sprecherin Gabriele Janz. Die gute Zusammenarbeit im Vorfeld habe sie sehr beeindruckt. Die Grünen hätten sich von Anfang an für die Skate-Anlage eingesetzt und nun gelte es, ein Signal zu setzen, dass die Skater in Reutlingen genauso willkommen seien wie die Konzertbesucher in der Stadthalle.

Der Bürgerpark werde durch die Skate-Anlage »wahnsinnig aufgewertet«, schwärmte auch FWV-Rätin Annette Leininger: »Das wir eine wunderbare Geschichte, wir freuen uns darauf.« Es werde allerhöchste Zeit, »dass wir das machen«, befand Regine Vohrer für die Liberalen, und auch Linken-Sprecherin Jessica Tatti votierte für den zentralen Standort: »Ein Skater-Park gehört ins Herz der Stadt, er ist ein Ausdruck von urbanem Lebensgefühl und deshalb an dieser Stelle richtig.« Und nachdem Ute Beckmann von WiR sich darüber echauffierte, dass man auf eine schon laute und belebte Innenstadt immer noch mehr »draufpackt«, konterte Regine Vohrer: »Lärm gehört zu einer Stadt. Eine Innenstadt ist kein Stadtwald.« (GEA)



ERSTE REAKTIONEN

FOTO: Markus Niethammer
Nach der Abstimmung spielten sich vor dem Sitzungssaal rührende Szenen ab. Jugendliche mit strahlenden Gesichtern lagen sich in den Armen, viele klatschten sich ab, immer wieder hörte man: »Voll geil!«

»Mir geht’s gerade sehr gut«, sagte Aylin Kaygin: »Das muss man jetzt feiern!« Die Lärm-Argumente fand die 18-Jährige nicht gut: »In der Innenstadt muss es Lärm geben.«

»Super froh« war auch Kiran Ghanavati, ebenfalls 18: Er habe sich auch im Vorfeld stark für die Skate-Anlage eingesetzt. Sie müsse in die Innenstadt, »auch wegen des Publikums.«

Joachim Straub vom Jugendgemeinderat war »mehr als glücklich«: »Wir wollten in die Innenstadt und ich bin froh, dass die Räte jetzt für uns entschieden haben.«

Die Skater-Anlage an der Eishalle sei schlecht für Skater, meinte Frederick Schneider (16): »Die Rampen sind zu groß und eher für Inline und BMX geeignet. Die zentrale Lage der Skater-Anlage ist wichtig, weil wir alle aus unterschiedlichen Orten kommen und uns dort am besten treffen können.« (ege)
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