Reutlingen
Podium

Semesterabschluss des Studium Generale

REUTLINGEN. Über das Thema "Was ist der Mensch?" diskutierten in der Theologischen Hochschule fünf Professoren der drei Reutlinger Hochschulen zum Semesterabschluss des Studium Generale.

Auf dem Podium: Jörg Barthel, Karlheinz Kleinbach, Christof Voigt, Uwe Kloos, Gabriela Tullius, Bernd Banke (von links). Foto: Theologische Hochschule/Härtner
Auf dem Podium: Jörg Barthel, Karlheinz Kleinbach, Christof Voigt, Uwe Kloos, Gabriela Tullius, Bernd Banke (von links). Foto: Theologische Hochschule/Härtner
"Der Mensch ist kaum mehr als ein nichts und er ist kaum weniger als Gott", so skizzierte der Moderator Christof Voigt, Professor an der Theologischen Hochschule Reutlingen, die Spannweite, in der sich die Frage nach dem Menschen bewege.

Neun wissenschaftliche Disziplinen hatten im Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen über zwei Semester hinweg die Frage "Was ist der Mensch?" diskutiert: Wirtschaftswissenschaften, Psychologie, Biologie, Kunst, Philosophie, Informatik, Jura, Pädagogik und Theologie. Dass jede Wissenschaft zu dieser Frage einen anderen Ausgangspunkt wählt, ist eine Erkenntnis der gemeinsamen Diskussion.



Die Informatikprofessoren Dr. Gabriela Tullius und Dr. Uwe Kloos setzten beim virtuellen Menschen an, um letztlich die Frage nach der Identität des realen Menschen zu stellen.

Der Sonderpädagoge Karlheinz Kleinbach wählte als Ausgangspunkt das Bildwort/Wortbild "Webfehler", das die Sonderpädagogik gleichermaßen verwende wie die Biotechnologie und die Theologie.

Zu Letzterer erklärte der Rektor der Theologischen Hochschule Dr. Jörg Barthel, die Aussagen der Theologie basierten immer auf religiöser Erfahrung, welche nicht empirisch nachweisbar sei. Der Jurist und Ethikbeauftragte der Hochschule Reutlingen Prof. Dr. Bernd Banke betonte, seine Disziplin, die Rechtswissenschaften, frage gar nicht nach dem Menschen an sich, sondern beschränke sich auf praxistaugliche Teilantworten, getreu dem Motto: Es kommt drauf an!

Identity, Unsterblichkeit, Design, Transzendenz, Avatar, Inkarnation, Askese und Ethos - alles Begriffe, die vom Podium kamen, machten es den Zuhörern nicht leicht. Dennoch meldete sich der ein oder andere mit kritischen Zwischenfragen zu Wort.

In eine hitzige Debatte gerieten dann die Professoren trotz dieser unterschiedlichen Zugänge über die Wege des Menschen, die Welt und damit sich selbst zu optimieren. "Vernunft als Quellcode der Anthropologie", so die Annahme. Kleinbach vertrat die These, die Gesellschaft sei am Ende der Aufklärung angelangt, der vernunftorientierte Fortschrittsgedanke habe sich überlebt. Banke widersprach vehement, gerade an den Hochschulen gehe es darum, mit menschlichem Verstand Zukunftsperspektiven zu eröffnen und einen nachhaltigen Fortschritt zu schaffen.

In der Abschlussrunde bat Moderator Christof Voigt Podium und Gäste, in die Welt der Science Fiction, um sich vorzustellen, sie würden in 20 Jahren ein Buch über das Reutlinger Studium Generale lesen: "Wie würden Sie das sehen, was wir in diesen zwei Semestern diskutiert haben?"

Informatikprofessor Kloos antwortete, er sei sich sicher, man werde sich wundern, wie einfach die virtuellen Netze zu unserer Zeit gestrickt gewesen seien und was man heute als Schwierigkeiten betrachtet habe. Jörg Barthel brachte die Diskussion mit seiner Antwort schmunzelnd auf den Punkt: "Wenn es den Menschen noch gibt, dann wird er fragen: Was ist der Mensch?" (pr)

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