AUF STIPPVISITE - Auf der Kurzliegerstation kümmert sich ein Team von der Anmeldung bis zur Entlassung um Patienten
Schneller Service aus einem Guss
Von Alexander Rabe
REUTLINGEN. Die Doppelzimmer sind modern eingerichtet und hell, im Aufenthaltsbereich wartet eine Sitzecke mit Ausblick. Farbenfrohe Kunst und Orchideen prägen das Bild. Was sich zunächst wie eine Hotelbeschreibung aus dem Reiseprospekt liest, ist vielmehr die Schilderung der Eindrücke, den die Kurzliegerstation des Reutlinger Klinikums am Steinenberg hinterlässt. Kurzliegerstation? Nie gehört? Kein Wunder, schließlich gibt es diese Station erst seit Anfang des Jahres.
Oberärztin Dr. Gesine Sauer prüft unterm Pflaster, wie die Wunde der Patientin aussieht. In wenigen Tagen kann die Frau die Kurzliegerstation schon wieder verlassen.
FOTO: Alexander Rabe
Patienten ohne wesentliche Vorerkrankungen, die vor vergleichsweise kleinen chirurgischen Eingriffen stehen, werden hier aufgenommen. Beispielsweise nach Operationen an der Schilddrüse, Entfernungen der Gallenblase, speziell operierten Leistenbrüchen, aber auch nach Gelenkspiegelungen, Metallentfernungen oder Eingriffen bei Bandscheibenvorfällen werden Patienten hier versorgt. Ambulant können solche Eingriffe nicht erfolgen, da die Überwachung nach der Operation unerlässlich ist. Oberärztin Dr. Gesine Sauer und ihr Team, das aus einer Arzthelferin, dreizehn Pflegekräften und einer Servicekraft besteht, kümmern sich im sechsten Stock des Bettenbaus Süd darum.
Hand in Hand für mehr Komfort
Doch welche Ziele verfolgt die Station? Welche Vorteile ergeben sich für den Patienten? Professor Dr. Thomas Zimmermann, der als Chefarzt der Chirurgischen Klinik auch der Kurzliegerstation vorsteht, zieht einen Vergleich: »Früher kam der Patient ins Krankenhaus und musste erstmal lange warten. Es vergingen Tage, bis operiert wurde. Wir wollen mit der Station die Abläufe optimieren, den Komfort für den Patienten erhöhen.«
Um diese effektive Behandlung und die damit verbundene Reduzierung der Warte- und Aufenthaltszeiten zu ermöglichen, bedarf es guter Organisation und funktionierender Abläufe. »Der Patient weiß, wenn er zu uns kommt, dass hier alle Hand in Hand und ohne Verzögerung arbeiten. Er weiß schon bei der Anmeldung, wann er wieder gehen darf und an den Arbeitsplatz zurückkehrt, was seine Planungssicherheit erhöht«, macht Professor Zimmermann deutlich.
Ganz am Anfang der nahtlosen Behandlungskette steht für die Patienten die Kurzliegersprechstunde im Erdgeschoss. Nachdem zuvor telefonisch ein Termin vereinbart wurde, empfängt Gaby Dauner hier mittwochs und freitags von 14 bis 16 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 18 Uhr die zu Behandelnden. Die Patienten melden sich an, alle Unterlagen werden vorbereitet. Was folgt ist nicht etwa eine lange Tingeltour durchs Krankenhaus-Gebäude, sondern lediglich der entspannte Gang ins Nebenzimmer. Dort wartet Dr. Gesine Sauer mit der chirurgischen Voruntersuchung. Sie entscheidet über die Notwendigkeit einer Operation. Und wieder geht eine Tür auf. Fünf Schritte weiter bittet schon der Narkosearzt zum Aufklärungsgespräch und entscheidet, ob noch eine EKG-Untersuchung nötig ist. Nach einer guten Stunde ist die Vorbereitung vollständig geschafft, der OP-Termin steht und der Patient geht erstmal wieder nach Hause.
»Aus rechtlichen Gründen müssen mindestens 24 Stunden zwischen Voruntersuchung und Operation liegen, damit der Patient noch Bedenkzeit hat«, klärt Professor Zimmermann auf. In der Regel vergehen rund ein bis zwei Wochen bis zur Rückkehr ins Klinikum und zur Operation. »Es gibt keinen Grund, die Patienten schon einen Tag vor ihrer Operation aufzunehmen. Sie kommen erst am Tag des Eingriffs«, sagt Oberärztin Gesine Sauer, die für die Kurzlieger-Abläufe verantwortlich ist und die Patienten rundum betreut.
In einem der zwölf Operationssäle des Klinikums wird der Eingriff vorgenommen, ehe es aufs Zimmer geht. Anders als in Kliniken diesen Ausmaßes üblich, trifft der Operierte hier wieder auf die vertrauten Gesichter vom Tag der Anmeldung und Voruntersuchung. Die maximale stationäre Aufenthaltsdauer beträgt fünf Tage - von Montag bis spätestens Freitag, denn am Wochenende ist die Kurzliegerstation geschlossen.
Auf Bedürfnisse eingehen
Zweimal täglich kommt Dr. Gesine Sauer zur Visite vorbei, eine Servicekraft sorgt für Verpflegung, kleine Besorgungen werden erledigt. Es gibt ausschließlich Zweibettzimmer. Zustände, die sonst eigentlich nur in einer Privatklinik herrschen. Dadurch, dass es sich bei den »Kurzzeit-Bewohnern« der Zimmer ausschließlich um leichte Fälle handelt, kann das Stationsteam besser auf deren Ansprüche und Bedürnisse eingehen. Vor der Entlassung gibt's schließlich noch einen Brief mit allen Infos für den jeweiligen niedergelassenen Arzt, der die Anschlussbehandlung übernimmt.
Dass der Vergleich mit einem Hotel gar nicht so weit hergeholt war, unterstreicht Professor Zimmermann wenn er sagt, dass der Gedanke der Hotelerie durchaus eine Rolle spiele. »Der Service muss passen.« Und bei der Auswertung der Bewertungsbögen, die die Patienten vor ihrer Entlassung ausfüllen, zeigt sich ganz offensichtlich, dass sie die Betreuung aus einem Guss sehr zu schätzen wissen. (GEA)
Auf Stippvisite
FOTO: Alexander Rabe