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11.11.2017

Verkehr - Der Scheibengipfeltunnel soll die Blechlawine in Reutlingen reduzieren. Ist er auch attraktiv, wenn man von Eningen Richtung Tübingen fährt?

Reutlingen

Scheibengipfeltunnel: Mittendurch oder außenrum?

REUTLINGEN. Abfahrt von Eningen gen Tübingen 16.07 Uhr: »Friss meinen Staub« hatte der Kollege beim Start in Eningen vollmundig verkündet. Mein Konkurrent folgt im pittoresken Südportal-Geschnörkel brav der Beschilderung gen »Tübingen« und entschwindet in die Röhre. Ich setze auf die gute alte Ortsdurchfahrt über die schadstoffgeschwängerte Lederstraße und folge dem Schild »Reutlingen-Zentrum 2 km«.

Feierabendverkehr am Südportal:  Auch hier ist der Verkehr  überschaubar. FOTO: PIETH
Kurz hinter der Tunnelzufahrt bremst mich eine neue Ampel aus. Das Verkehrsaufkommen ist jedoch zu diesem Zeitpunkt gering. Und: Die Rotphase minimal. Man traut sich noch nicht, wie angekündigt, den Fahrspaß gen Innenstadt nachhaltig zu bremsen.

Auch auf der Weiterfahrt haben mir die Ampeltechniker den roten Teppich in die Innenstadt ausgerollt, sprich eine fast perfekt grüne Welle: Straße am Echazufer schnell passiert, Lindachknoten geschmeidig. Ist das eine Aufforderung, künftig öfter das Auto zu nehmen? Habe ich was falsch verstanden in der Verkehrspolitik?

Roter Teppich in die Innenstadt


Nur am AOK-Knoten staut sich?s ? allerdings auf der Gegenseite. Auf der Konrad-Adenauer-Straße geht es zügig hinaus auf die Stadtautobahn. Ausfahrt zum Hotel Fortuna. Ankunft 16.21 Uhr. Ätsch: Erst 24 Sekunden später taucht der Tunnel-Fahrer auf.

Auf der Rückfahrt überholt der Kollege frech auf der Stadtautobahn. Er wird später behaupten, das Tempo lediglich im Rahmen der Tachoabweichung überschritten zu haben. Den Doppelsieg sehe ich ohnehin gefährdet: Stadteinwärts droht der AOK-Knoten-Stau. Doch bis dahin flutscht es ? sogar über den Hohbuchknoten. Dort ist am Abzweig von der Stadtautobahn die Wegweisung »Pfullingen/Riedlingen« ? meine Richtung also ? notdürftig überklebt. Für ein neues Schild hat das Geld wohl nicht mehr gereicht.

Auf Höhe der Jet-Tankstelle hat sich?s auf der Konrad-Adenauer-Straße ausgeflutscht. Vorm AOK-Knoten pförtnern die städtischen Verkehrstechniker gnadenlos. Bei jeder Grünphase kommen nur wenige Wagen durch.

Nun haben Autofahrer hinreichend Gelegenheit, die wechselnden digitalen Anzeigen auf dem Info-Schild »Parken in Reutlingen« zu studieren. Aktuell prangt dort die bedenkenswerte Mahnung an im Stau stehende Schadstoffproduzenten: »An die Umwelt denken ? fahr Bus oder Rad«.
Zeit, ein bisschen zu träumen: von der schönen neuen Zeit, wenn der Masterplan Radverkehr umgesetzt ist ... und das Stadtbuskonzept ... und die Stadtbahn (der Gedanke ist inspiriert vom Regionalexpress, der gerade vorbeirauscht) ... und vom Radschnellweg, der auf der Konrad-Adenauer-Straße stadtauswärts eine Autospur verschwinden lassen soll

Wehende Fußgängerhaare


Fünf nicht wirklich vom Autofahren abschreckende Minuten später ist der AOK-Knoten passiert, die Gedanken verblassen. Die alte Feuerwache flitzt vorbei. Dann die LUBW-Luftmessstation, die mit ihrem schlechten Werten für die späte Erkenntnis gesorgt hat, dass sich in Reutlingens Verkehrspolitik etwas tun muss. Ich winke dem grauen Kasten freundlich zu, gebe Gas, kichere am Lindachknoten über die lustig aussehenden Fußgänger, die wegen der kurzen Grünphase mit wehenden Haaren über die breite Bundesstraße hetzen müssen.
Nach dem ebenfalls staufreien Lindachknoten darf ich sogar mit 60 Sachen durch die Stadt brettern ? zumindest solange der Luftreinhalteplan nicht in reinen Tüchern ist. Bis dahin dürfen auch die Lkw ohne Einschränkung weiter durch die Stadt stänkern.

Fast grüne Welle bis zum Ortsschild Eningen ? dort warte ich am vereinbarten Treffpunkt satte zwei Minuten auf meinen Kollegen und empfange ihn mit einem überaus herzlichen »Küss meine Rücklichter«. (GEA)

Die Vergleichsfahrt

Einmal hin, einmal zurück: Von Eningen über Reutlingen auf die Stadtautobahn gen Tübingen, wenden beim Hotel Fortuna in Betzingen und zurück - und das alles in der Rush-Hour Donnerstagnachmittag 16 Uhr: Welche Route ist die schnellere? Der Weg über die alte B 312 durch die Innenstadt oder über die neue Ortsumfahrung, den Scheibengipfeltunnel, und die B 28. Zwei GEA- Redakteure sind um die Wette testgefahren.Fakten zu den Routen (Zahl links Innenstadtroute, rechts Tunnelroute) Ampeln: 12/7 Kilometer: 8/12 Dauer Hinfahrt in Minuten: 14/15 Dauer Rückfahrt in Minuten: 17/19

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