Flüchtlinge - Theodor-Heuss-Sporthalle seit 1. Oktober mit Syrern und Eriträern belegt. Gestern wurde an der Schule eine Ausstellung über Rechtsextremismus eröffnet

Reutlinger Schüler helfen als Asyl-Paten

Von Hans-Jörg Conzelmann

REUTLINGEN. Seit 1. Oktober ist die Theodor-Heuss-Sporthalle des Reutlinger Berufsschulzentrums mit Flüchtlingen aus Syrien belegt, seit wenigen Tagen auch mit Menschen aus Eriträa und Somalia. Die Schulleitung, auf deren Gelände sie leben, hat schnell reagiert: Lehrer und Schüler bilden Teams, um den Fremden die Eingliederung zu ermöglichen. In vier Patenschaften kümmern sie sich um jeweils 30 Flüchtlinge.

Schüler der Theodor-Heuss-Schule führen ihresgleichen durch eine Ausstellung gegen Rechtsextremismus. GEA-FOTO: CONZELMANN
Schüler der Theodor-Heuss-Schule führen ihresgleichen durch eine Ausstellung gegen Rechtsextremismus. FOTO: Hans-Jörg Conzelmann

Deutsch lernen und Sport treiben

Die Schule hatte im vorigen Jahr den Titel »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« erhalten, verliehen von einem bundesweit tätigen Schulnetzwerk mit über 1 700 Schulen. Per Unterschrift verpflichteten sich die Schüler, aktiv gegen Diskriminierung an ihrer Schule einzutreten, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen.

Die Hilfe funktioniert unbürokratisch. Die Schüler und Lehrer leisten Hausaufgabenbetreuung und Sprachschulung. Gruppenweise besuchen sie die Flüchtlinge in der Turnhalle und lernen dort mit ihnen deutsch. Aber auch auf sportlicher Ebene finden sie zusammen: Es gibt gemeinsame Fußball- und Tischtennisturniere von Schule und Flüchtlingen. Die Schulleitung ihrerseits lädt einzelne Flüchtlinge gezielt in den Unterricht ein. »Wir versuchen, dass Struktur in den Alltag kommt, bevor der große Lagerkoller ausbricht«, beschreibt Schulleiter Horst Kern die Bemühungen.

Die direkte Nachbarschaft habe in den ersten zwei Wochen sehr gut funktioniert. Allerdings muss Kern darauf achten, dass auch von den neuen Mitbewohnern die Haus- und Hofordnung eingehalten wird – rauchen und Alkohol sind nicht gestattet. Die Flüchtlinge hätten bisher auch respektiert, nur auf Einladung ins Schulgebäude kommen zu dürfen, das an die Turnhalle angrenzt.

Der Sportunterricht ist aufgrund der Belegung einer der beiden Sporthallen nur eingeschränkt möglich. Es gibt Schularten (die Schule hat vier), die derzeit keinen Sportunterricht anbieten. »Wir versuchen, den Schulsport zu gewährleisten, der für die Prüfungen notwendig ist«, sagt Kern – besonders für Schüler des Gymnasiums. Dennoch mussten die Unterrichtszeiten in der verbleibenden Sporthalle gekürzt und zeitlich verschoben werden – Sport wird jetzt auch in der Mittagspause und abends getrieben. Leidtragende sind die örtlichen Sportvereine, deren Übungseinheiten in den Abendstunden ausfallen müssen.

Gestern eröffnete die Schule eine Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung, mit der sie ihr Versprechen, gegen Rassismus zu sein, auch intellektuell einlösen will. Gezeigt wird auf Schautafeln, wie Rassismus entsteht und wie man ihm begegnen kann (Titel: »Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen«). Dabei spielen wiederum Schüler die Hauptrollen: Einige von ihnen wurden zu »Ausstellungspaten« ausgebildet und zeigen Gleichaltrigen, was hier zu sehen ist. Dabei erhielten sie umfangreiches Hintergrundmaterial, mit dem sie didaktisch vorgehen können.

Radikalisierung und Verrohung

Reutlinger Schulpate des Netzwerks »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« ist Eugen Schäufele. »Wir erleben eine Radikalisierung und Verrohung der politischen Kultur«, beschrieb er gestern die vorherrschende Atmosphäre in Deutschland. Die aktuelle Ausstellung (bis 30. Oktober montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr) sei »gut und notwendig«.

Geschult wurden die jungen Ausstellungspaten von Arne Güttinger von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Er lobte den regen Austausch zwischen Lehrern, Schülern und Flüchtlingen an der Theodor-Heuss-Schule. Diese Art der Unterstützung sei bemerkenswert. (GEA)



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