Einzelhandel - Rückläufer am Ladentisch

Reutlinger Händler großzügig beim Umtausch

VON HANS JÖRG CONZELMANN

REUTLINGEN. »Wir sind kulant«, sagt die freundliche Verkäuferin in der Buchhandlung und händigt Bares gegen Ware aus. Umgetauscht wird ein E-Book, das als Weihnachtsgeschenk für die Großmutter unterm Christbaum lag, aber sich als zu kompliziert für die alte Dame herausstellte. Also Rückgabe: Mit der Quittung gibt's das Geld anstandslos zurück. Doch auch ohne Quittung stünde die Oma nicht schlecht da. Ist das E-Book in gutem Zustand, darf sie es zurückgeben und sich etwas Gleichwertiges aussuchen.

Kulante Reutlinger Einzelhändler: Umgetauscht wird, obwohl das rein rechtlich nicht zwingend ist.
Kulante Reutlinger Einzelhändler: Umgetauscht wird, obwohl das rein rechtlich nicht zwingend ist. FOTO: Markus Niethammer

Gekauft ist gekauft

Das ist wirklich kulant und schon gar nicht zwingend. Selbst wenn die Ware einwandfrei ist, haben Kunden rein rechtlich keinen Anspruch auf Umtausch. Grundsätzlich gilt beim Kauf im Laden: Gekauft ist gekauft. Wenn überhaupt umgetauscht wird, dann bestimmt der Händler die Konditionen. Er entscheidet, innerhalb welchem Zeitraum er die Ware zurücknimmt. Der Käufer hat keinen Anspruch darauf, den Warenwert in Bargeld zu erhalten. Er hat überhaupt keinen Anspruch auf Umtausch.

In der Reutlinger Geschäftswelt wird das entspannt gehandhabt - und immer im Sinn des Kunden, betont Augenoptiker Christian Wittel, Vorsitzender von RT aktiv. Eine einheitliche Regelung unter den Reutlinger Einzelhändlern gebe es nicht, wohl aber einen unausgesprochenen Verhaltenskodex. »Wir versuchen immer eine Lösung zu finden«, sagt Wittel. Auch wenn sein eigenes Gewerbe nicht unbedingt dem Weihnachtsgeschäft unterworfen ist: Umgetauscht wird auch hier, übrigens das ganze Jahr und auch dann, wenn eigentlich kein Anspruch besteht. Wirklich Anspruch auf Korrektur hat der Kunde höchstens dann, wenn er - Kunststück - mit der ihm angefertigten Brille nichts sieht. Meist geht es aber um ästhetische Gesichtspunkte. Doch auch die versucht der Optiker zu befriedigen.

Voll mit dem Weihnachtsumtausch konfrontiert ist traditionell der Bekleidungssektor. Edgar Lehmann, Geschäftsführer bei Breuninger, nennt den 5. Januar als Stichtag: Bis dahin werden Weihnachtsgeschenke in seinem Haus zurückgenommen oder umgetauscht. Ein bekanntes Datum, denn Lehmanns Mitarbeiter hatten es den Kunden rechtzeitig vor Weihnachten kommuniziert. Legen die Kunden einen Kassenbon vor, bekommen sie ihr Geld zurück - vorausgesetzt, die Ware ist in Ordnung. Meist geht es ohnehin um Waren, die zu klein oder zu groß ist. Dann wird unkompliziert umgetauscht.

Einen echten Ansturm an Umtauschwilligen hatte Lehmann nicht zu verzeichnen - nicht mehr und nicht weniger als in anderem Jahren. Vor allem die erst zwei bis drei Stunden nach Weihnachten spielt der Umtausch eine Rolle. »Aber wir sind drauf vorbereitet«, verrät Lehmann - die Abläufe sind eingespielt und gehen flott von der Hand.

Auch Lehmann kennt die Spielregeln, wonach der Händler die Rücknahme verweigern könnte. Doch auch hier ist der Verhaltenskodex bekannt: »Ich wüsste keinen Reutlinger Einzelhändler, der das verweigert.«

Die rechtliche Seite ist freilich ganz anders, wenn die Einkäufe nicht im Laden, sondern im Internet oder per E-Mail, SMS, Telefon, Brief oder Fax bestellt worden sind. Im Online- und Versandhandel gilt seit Mitte Juni 2014 europaweit grundsätzlich eine Widerrufsfrist von 14 Tagen. Bestellkunden sollen wie Ladenkunden die Möglichkeit haben, das Produkt in den Händen zu halten. Wenn es ihnen dann nicht gefällt, können sie es zurücksenden. Das Widerrufsrecht gilt allerdings nicht bei verderblicher oder maßgefertigter Ware und entsiegelten CDs. (GEA)

Wann Händler Weihnachtsgeschenke umtauschen müssen und wann nicht


Können Geschenke generell im Laden umgetauscht werden?

Nein. »Gesetzlich sind Händler dazu nicht verpflichtet«, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale. Zumindest solange die Ware nicht defekt ist. Oft lassen sich Händler aber auf einen Umtausch ein, um den Kunden zufriedenzustellen. Dabei hat häufig jeder Händler seine eigenen Regeln. Bei dem einen Geschäft ist ein Umtausch innerhalb von wenigen Tagen möglich, beim nächsten innerhalb von zwei Wochen. Für online bestellte Waren gilt ein allgemeines Widerrufsrecht von 14 Tagen.Was kann auf keinen Fall umgetauscht werden?

Vom Umtausch ausgeschlossen sind in der Regel verderbliche Waren. Darauf weist Stefan Hertel vom Handelsverband Deutschland (HDE) hin. Aus hygienischen Gründen ist auch eine Rückgabe von Dessous, Bademoden, Erotikartikeln oder Zahnbürsten nicht möglich. »Gleiches gilt für speziell angefertigte und personenbezogene Waren, etwa ein BVB-Trikot mit dem eigenen Namen auf der Rückenseite«, erläutert Eva Rohde vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh).Darf ich die Ware benutzen, bevor ich sie umtausche?

Das ist nicht ratsam. Denn die Umtauschware muss in jedem Fall in einwandfreiem Zustand sein, sodass der Händler sie wieder verkaufen kann. Ist ein Produkt wie eine DVD oder CD versiegelt, dann darf das Siegel nicht durchbrochen sein. »Ist dies doch der Fall, dann ist ein Umtausch zumeist nicht möglich«, erklärt Stefan Hertel.Kann ich beim Umtausch Bargeld verlangen?

Nein. »Das ist die Entscheidung des Einzelhändlers«, erklärt Hertel. Normalerweise gibt es Ware gegen Ware. In einigen Geschäften bekommen die Kunden ihr Geld zurück, in anderen einen Gutschein.Was ist, wenn die Ware defekt ist?

Generell ist der Händler verpflichtet, für zwei Jahre nach dem Kauf beziehungsweise nach der Übergabe der bezahlten Ware an den Kunden für die Mängelfreiheit des Produkts einzustehen. Dieses Gewährleistungsrecht ist gesetzlich verankert. Tritt der Mangel in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf auf, wird davon ausgegangen, dass dieses Defizit von Anfang an bestand. (GEA/dpa)

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