Umweltschutz - Baggerbiss zum Start für Investitionen von mehr als 32 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren

Reutlingen steckt 32,5 Millionen ins Klärwerk West

VON NORBERT LEISTER

REUTLINGEN-BETZINGEN. »Vielleicht werde ich in meinem zweiten Leben ja Baggerführerin«, sagte Barbara Bosch gestern nach dem von ihr mit Bravour vollbrachten Baggerbiss in den Boden des Klärwerks West. »Das macht Spaß«, stellte die Oberbürgermeisterin fest, nachdem sie den Bagger nur noch auf zwei Rädern balancierte, die große Maschine aber immer voll im Griff hatte. Noch viel bemerkenswerter war allerdings die Tatsache, dass mit diesem »Biss« in die Erde am Ortsausgang von Betzingen in Richtung Wannweil Investitionen von mehr als 32,5 Millionen Euro in das Klärwerk gestartet wurden.

Lenkt nicht nur die Geschicke der Stadt, sondern gelegentlich auch schwere Maschinen: OB Barbara Bosch übernahm persönlich den Baggerbiss.
Lenkt nicht nur die Geschicke der Stadt, sondern gelegentlich auch schwere Maschinen: OB Barbara Bosch übernahm persönlich den Baggerbiss. FOTO: Norbert Leister
Bei der Leistung von Bauingenieuren würden die meisten Menschen zunächst an den Hochbau denken, sagte Bosch vor zahlreichen Vertretern von Bau- und Planungsbüros sowie einigen Gemeinderäten, Mitarbeitern der Kläranlage und auch der Reutlinger Stadtentwässerung (SER). Wohngebäude, Hallen, Schulen und ähnliche Immobilien würden den meisten Bürgern wohl in den Sinn kommen, wenn man sie nach den Leistungen von Bauingenieuren fragen würde, so Bosch. An den Untergrund, also an den Tiefbau, denke aber kaum jemand. »Wenn es den aber nicht gäbe, würden unsere Turnhallen volllaufen.«

Drei Bauabschnitte

Solange es keine Probleme in der Kanalisation und in den Klärwerken gibt, »ist ja alles wunderbar«. Aber: Damit alles reibungslos funktioniert, seien Investitionen in die Abwasserreinigung dringend vonnöten, auch aus Gründen der Gesundheit und des Umweltschutzes, sagte die Oberbürgermeisterin. Die Kläranlage in Betzingen ist in die Jahre gekommen, in drei Bauabschnitten soll das Klärwerk für rund 26 Millionen Euro auf den neuesten Stand der Technik gebracht und – für weitere 6,5 Millionen auch das Betriebs- und Sozialgebäude neu errichtet werden.

Nicht enthalten in dem Investitionsvorhaben sind nach Aussage der Stadtverwaltung eine »aktuell diskutierte vierte Reinigungsstufe, welche zunehmend zur Spurenstoffelimination gefordert wird«. Allerdings gelte es in diesem Bereich noch »abzuwarten, welche Anforderungen und gesetzliche Vorgaben in den nächsten Jahren für die Stadt als Betreiber der Anlage verpflichtend werden und welche Fristen einzuhalten sind«, wie es in der Verwaltungsvorlage heißt. Immerhin gehe es bei diesen Maßnahmen um weitere 10 bis 15 Millionen Euro.

Was sich mit den zunächst geplanten Investitionen verbessert? »Die Ökobilanz«, so Barbara Bosch. Und zwar sollen 9 Prozent weniger Strom gebraucht werden, »das sind 100 000 Liter Heizöl weniger im Jahr«, betonte die Oberbürgermeisterin. »Bis 2020/2021 sollen alle Maßnahmen fertig sein«, sagte SER-Leiter Arno Valin. Schneller sei nicht möglich. »Wir müssen alle Arbeiten unter laufendem Betrieb durchführen«, betonte Bosch. Schließlich könne man ja nicht die für 140 000 Einwohner ausgelegte Kläranlage einfach ein, zwei Jahre schließen. »Und das hat natürlich Auswirkungen auf die Kosten und die Dauer der Bauarbeiten«, so die Oberbürgermeisterin. »Ich hoffe auf unfallfreies Gelingen – Glück auf«, sagte Bosch abschließend.

32,5 Millionen Euro für Massnahmen im Klärwerk West

Die geplanten Investitionen von etwa 26 Millionen Euro werden in den kommenden drei bis vier Jahren in folgende Bauabschnitte unterteilt. Zunächst soll »im Rahmen der Klärwerksoptimierung« die Schlammentwässerung saniert und auf den Stand der Technik gebracht werden. Parallel wird die Mittelspannungsanlage 1, die den Bereich der Schlammbehandlung mit Energie versorgt, neu errichtet. Im zweiten Bauabschnitt wird die »komplette Schlammfaulung« saniert, zusätzlich die Klärgasverwertung modernisiert und ergänzt.

Der dritte Abschnitt der Baumaßnahmen sieht den Neubau einer Gebläsestation vor. Und, nicht zu vergessen – der Neubau des Betriebs- und Sozialgebäudes, der etwa 6,5 Millionen Euro kostet. (nol)


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