Tierwelt - Rotpelze zeigen zwischen Vochezenholz und Berggasse starke Präsenz. Birgt das ernste Gefahren?

Reineke fuchst die Georgenbergler

Von Heike Krüger

REUTLINGEN. Der Fuchs geht um. Nicht nur im Wohngebiet Georgenberg, sondern auch in anderen Reutlinger Stadtteilen. Überall dort, wo großflächig üppiges Grün gedeiht, fühlen sich Meister Reineke und die Seinen nämlich zu Hause und durchstreifen die Gegend - auf der Suche nach Nahrung. Primär. Denn Rotpelze sind auch verspielte Wesen. Zumal dann, wenn sie noch sehr jung sind. In diesem Fall schnappen sie sich im Schutze der Dunkelheit schon mal verwaistes Sandelsach' oder sie vergnügen sich mit Schuhen, die vor Terrassen- und Haustüren abgestellt wurden.

Wenn ihm keine Speisereste »serviert« werden, jagt der Fuchs bevorzugt Mäuse.  FOTO: DPA
Wenn ihm keine Speisereste »serviert« werden, jagt der Fuchs bevorzugt Mäuse. FOTO: DPA FOTO: dpa
Letztere beschäftigen die GEA-Lokalredaktion seit bald drei Jahren und sorgen seither für kurzweiligen Lesestoff. Denn immer wieder gehen am Burgplatz Anrufe ein, die von verschollenen Schlappen und Sandaletten, Puschen und Pumps künden und die darüber informieren, dass sich zwischenzeitlich regelrechte Galoschen-Tauschbörsen am Georgenberg gebildet haben - frei nach dem Motto: Suche schwarze Crocs, biete blaue Boots.

»Das Leben ist nun einmal lebensgefährlich«
 

Soweit der amüsante Teil des tierischen Treibens zwischen Berggasse und Werastraße, Steinenberg und Vochezenholz. Gleichwohl ist hier manchem Anwohner das Lachen inzwischen vergangen. Und zwar nicht nur, weil mitunter sündhaft teure Treter auf Nimmerwiedersehen verschwinden, sondern weil die Anhänglichkeit der Füchse, ihre nachgerade penetrante Präsenz, Missbehagen hervorruft. Wie hoch, fragen sich etliche Georgenbergler, ist das Risiko an einer durch Fuchskot übertragenen Echinokokkose (Fuchsbandwurm) zu erkranken? So viel gleich vorab: Die Infektionsgefahr ist weitaus geringer, als von manchem befürchtet. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) waren es im Jahr 2009 bundesweit 106 Menschen, die vom Fuchsbandwurm befallen wurden. Für Baden-Württemberg weist die Statistik sechzehn Fälle aus. Und diese Angaben sind zuverlässig - zählt die Echinokokkose doch seit Januar 2001 nach Paragraf 7 des Infektionsschutzgesetzes zu den meldepflichtigen Krankheiten.

Vom Tod bringenden Parasitenbefall in besonderem Maße betroffen, heißt es ergänzend auf der Web-Site des Neuffener Fuchs-Experten Dag Frommhold, seien dabei nicht etwa Garten- und Gütlesbesitzer, sondern vor allem Förster und Jäger. Also Personen, die von Berufs wegen häufiger mit Füchsen oder deren Kadavern in Berührung kommen; etwa, weil sie im Zuge eines Jagderfolgs und beim Enthäuten der Tiere, Bandwurm-Eier aufnehmen.

Diese - das sei nicht verschwiegen - sind tückisch. Sie nisten sich im menschlichen Körper ein und greifen die Eingeweide, vornehmlich Leber und Lunge, an. Laut Wikipedia sind es Larven, sogenannte Finnen, die ein Netzwerk von Röhren in den von ihnen befallenen Organen anlegen und sie dabei schleichend zerstören.

Ein Horrorszenario, gewiss. Aber eines mit Seltenheitswert. Seinetwegen - das legen die Fallzahlen nahe - braucht in Reutlingen niemand schlaflose Nächte zu verbringen. Und das meint übrigens nicht nur Fuchs-Freund Frommhold, sondern auch Stadtförster Johannes Schempp, der das von Meister Reineke ausgehende Gefahrenpotenzial für gering hält.

Zwar lasse sich, so Schempp, ein minimales Infektionsrisiko nicht leugnen. Jedoch: »Das Leben ist nun mal lebensgefährlich.« Deshalb auf Beeren oder Blattsalate aus eigenem Anbau zu verzichten, käme ihm nicht in den Sinn. »Wir haben es hier schließlich mit einem generellen Problem zu tun.«

Heißt im Klartext: Selbst wenn Hobbygärtner die Früchte ihres Schaffens entsorgten - wer könnte ihnen garantieren, dass käuflich erworbene Vitaminspender vom Wochenmarkt nicht ebenfalls mit Füchsen oder deren Ausscheidungen in Kontakt gekommen sind -

»Wir haben es hier mit einem generellen Problem zu tun«
 

Keine Frage: Manche Gedanken konsequent zu Ende gedacht wirken appetitzersetzend. Vor dem Hintergrund der »infektionsepidemologischen Jahrbücher« des Berliner Robert-Koch-Instituts relativiert sich aber manches. Anstatt sich von potenziellen Parasiten in Angst und Schrecken versetzen zu lassen, sollte - so die Empfehlung - dem heimischen Komposthaufen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Denn offen zugänglicher Bio-Abfall zieht Füchse magisch an. Vor allem dann, wenn seine Zusammensetzung tierisch lecker daher kommt und noch dazu sehr bequem - sozusagen als gedeckter Tisch. Deshalb, raten Kenner, sollten Kompostkisten für Küchenreste ebenso tabu sein wie für Obst und Gemüse. Füchse sind nämlich keine reinen Fleischfresser.

Der Verdacht, dass die Tiere am Georgenberg - vermutlich aus Unwissenheit - regelrecht angefüttert wurden, liegt nahe. Denn dass die Fuchspopulation jüngst und speziell am »Monte Schorsch« explodiert wäre, das kann sich Förster Schempp nicht vorstellen. »Meiner Beobachtung nach schwankt sie von Jahr zu Jahr« - und zwar mit dem jeweiligen Mäuse-Aufkommen. Faustregel: Starke Mäuse-Jahre sind auch starke Fuchs-Jahre.

Die Nager sind für Füchse nämlich eine Art Grundnahrungsmittel. Obschon die sprichwörtlichen Schlaumeier auch Kaninchen, Schnecken, Regenwürmer und Beeren goutieren. Jedenfalls dann, wenn sie keine bessere »Beute« wittern - zum Beispiel das gefundene Fressen auf Nachbars Komposthaufen. (GEA)

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