Reutlingen
Regionalplan - Im März öffentlich. Verbandsdirektorin will mehr Informationsmöglichkeiten schaffen

Regionalplan: Normalbürger sollen mitdenken und mitreden

Von Ingeborg Kunze

REUTLINGEN/ TÜBINGEN. Die großen Entwicklungs-Linien zeichnet das Land vor, der aktualisierte Regionalplan-Entwurf Neckar-Alb geht ins regionale Detail. Integriert in die jetzt fortgeschriebene Fassung dieser verbindlichen Orientierung für die Weiterentwicklung in den Kreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb ist auch das von der Regionalverbandsversammlung im September 2011 verabschiedete regionale Zentren- und Märktekonzept.

Lebendige Städte und Einkaufsmeilen sowie sichere Nah- und Grundversorgung im ländlichen Bereich, das sind die Ziele des Zentren- und Märktekonzepts.
Lebendige Städte und Einkaufsmeilen sowie sichere Nah- und Grundversorgung im ländlichen Bereich, das sind die Ziele des Zentren- und Märktekonzepts.
In einer zentralen Veranstaltung in Eningen, deren lückenhafter Besuch dem Eisklima zugeschrieben wurde, stellten die Urheber - der Regionalverband mit dem Vorsitzenden Eugen Höschele und Direktorin Angela Bernhardt und die von ihnen eingespannte imakomm Akademie Aalen mit Dr. Peter Markert und der Diplom-Geographin Julia Bubbel - das Konzept erneut zur Diskussion.

Sie verwiesen darauf, dass Kernpassagen eingearbeitet sind in den Regionalplan, der jegliche Entwicklung in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen umfasst. Im März geht der Entwurf in die Öffentlichkeit. Das Verfahren bis zur Verabschiedung durch die Regionalverbandsversammlung dauert voraussichtlich bis Herbst.



Jeder, der sich interessiert, soll Gelegenheit haben, sich auch als Nicht-Kommunalpolitiker zu informieren. Angela Bernhardt will erreichen, dass nicht nur an Zentralstellen wie dem Regionalverbandssitz Mössingen, in den Landratsämtern und, ganz neu, auch im Internet diese Öffentlichkeit hergestellt wird, sondern auch in Rathäusern.

Mitdenken und sich äußern kann, wer will: Die Zukunft dieser Region ist das Thema mit dem Schwergewicht der in der Landesrechnung so bewerteten Oberzentren Reutlingen und Tübingen plus den regional wichtigen Mittelzentren Albstadt, Balingen, Hechingen, Münsingen, Metzingen und Rottenburg.

Alles in allem ein Gebiet mit einer Bevölkerung, die laut Prognose in zwanzig Jahren von jetzt 691 000 um fünf Prozent auf dann noch 654 400 zurückgehen wird. Die »einzelhandelsrelevante« Kaufkraft pro Einwohner dagegen - nicht mitgerechnet die Touristen, die in dieser Region mit ins Gewicht fallen - wird nach den bisherigen Berechnungen um fünf Prozent von bisher 5 220 (Situation 2010) auf 5 488 im Jahr 2030 steigen. Die Kaufkraft wird bleibend auf 3,60 Milliarden Euro geschätzt.

Heißes Eisen in Tübingen

Großes für Große, das Nahversorgungs-Kleinklein mit der Flächenbegrenzung auf achthundert Quadratmeter - Ausnahme möglich - für Kleine: Einzelhandels-Großprojekte wie Einkaufszentren, großflächige Einzelhandelsbetriebe mit mehreren tausend Quadratmeter Fläche sind den großen Städten vorbehalten. Jedoch sind gerade Reutlingen und Tübingen scharf darauf, die innerstädtische Einzelhandels-Vielfalt zu sichern.

Das gaben in Eningen der Tübinger Baubürgermeister Cord Soehlke und der Tübinger Zinser-Unternehmensleiter Karl-Friedrich Graul, einer der drei Vorstandsköpfe des Handels- und Gewerbevereins, zu erkennen. In Tübingen, das mit seiner Innenstadt-Satzung seinen historischen Kern schützen und die Buntheit vieler kleiner Einzelläden sichern will, ist das Interesse eines Sport-Discounters an 2 500 Quadratmetern Fläche das aktuell diskutierte heiße Thema. Graul: »Das bedarf großer Überlegungen. Wir sind sehr gespalten.«

Der Handels- und Gewerbeverein lehnt eher ab, dass der Interessent sich seine Fläche dort holt, wo ihm außerhalb des Stadtkerns und unweit der Verkehrsstraßen Richtung Reutlingen und Stuttgart, bisherige Marktkauf-Fläche angeboten wird, weil Edeka sich verkleinern will: »Das ist kontraproduktiv für die Innenstadt.« Die organisierten Geschäftsleute berufen sich auf alte Erfahrungen: »Wir glauben nicht, dass die Altstadt profitiert.« Der vom Busbahnhof befreite Europaplatz beim Tübinger Bahnhof, noch innerhalb des Innenstadtbereichs, kann nach HGV-Meinung »städtebaulich im Einklang« Handel bis zu 7 000 Quadratmeter aufnehmen. (GEA)



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