Feierstunde - Elf Preisträger von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch mit dem Reutlinger Umweltpreis ausgezeichnet
Prädikat: ökologisch wertvoll
Von Alexander Rabe
REUTLINGEN. Die Erde schwitzt. Weshalb überhaupt? Und was tun wir? Der Vortrag von Professor Heinz Clement vom physikalischen Institut der Universität Tübingen gab Antworten auf diese Fragen. Vom Treibhauseffekt und seinen Effekten über den Einfluss des Menschen bis hin zu Chancen durch regenerative Energien reichte sein Überblick.
Ausgezeichnet: Urkunden und Preisgeld gab's für die Gewinner des Reutlinger Umweltpreises 2009.
Interessant war der Vortrag allemal. Informativ noch dazu. Dennoch stand der Referent am Mittwochabend ebenso wenig im Mittelpunkt der Feierstunde im Naturkundemuseum wie die Begrüßungsworte von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch.
Vielmehr ging es hauptsächlich um kreative Köpfe, die mit ihren guten Ideen überzeugten. Menschen, die mit ihren Projekten zur Verbesserung der Umwelt oder des Klimas beigetragen haben und dafür nun den alle zwei Jahre ausgeschriebenen Reutlinger Umweltpreis 2009 verliehen bekamen.
Kleine Preisträger, große Projekte
Bereits zum sechsten Mal gab es die Auszeichnung von der Stadt in Zusammenarbeit mit der Fair-Energie. Die Ausschreibung ging an Betriebe aus der Wirtschaft, an Schulen und Kindergärten, an Vereine und Kleingruppen sowie an Privatpersonen. Elf Preisträger durften sich über die Anerkennung ihrer Arbeiten und insgesamt 4 000 Euro Preisgeld freuen. Die »kreativen, ungewöhnlichen und verblüffenden Ideen«, wie Barbara Bosch formulierte, reichten vom Wildbienenhotel-Bau bis hin zum Solar-Rasenmäher.
Der einzige Preis in der Kategorie »Betriebe aus der Wirtschaft« ging an Barbara Zeppenfeld, die sich mit großem Engagement für gefährdete Landschaf-Rassen einsetzt. Die Oberbürgermeisterin, die selbst ein Paten-Schaf in Zeppenfelds Herde hat, verkündete froh: »Ich habe gerade gehört, es geht ihm gut.«
Gut ging es auch den weiteren Preisträgern, die den Applaus und die vorgetragenen Würdigungen sichtlich genossen. Die kleinen Waldwichtel vom Waldkindergarten Reutlingen (zweiter Preis) ließen sich angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit durch große Waldwichtel vertreten, die den Umweltpreis für ihr Aufforstungsprojekt zur Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen entgegennahmen. Die Schüler der Bio-AG des Isolde-Kurz-Gymnasiums (dritter Preis für das Anlegen eines Biotops) und die Mitglieder der Projektgruppe »Umwelt und Soziales« der Gerhart-Hauptmann-Schule (erster Preis für die Erweiterung eines Feuchtbiotops, die Anlage eines Barfußparcours und die Kompostierung von Grünabfällen) nahmen die Urkunden und Schecks für ihre Projekte hingegen persönlich und mit stolzgeschwellter Brust in Empfang.
Wenn »Waldfrösche« Nisthilfen für Bienen und Vögel bauen und dann auch noch den Lebensraum Streuobstwiese fördern, dann ist das ebenfalls einen Umweltpreis wert. Folgerichtig bekam die Bund-Kindergruppe (dritter Preis) die Auszeichnung in der Kategorie »Vereine, Verbände und Kleingruppen« überreicht. Gleiches galt für die Schwalbenschwanz-Gruppe im Umweltbildungszentrum Listhof (zweiter Preis), die sich diversen Projekten wie Amphibienschutz und Nisthilfenbau verschrieben hat. Für die Renaturierung eines Abschnitts des Reichenbachs bei Sondelfingen landete die Fischereigemeinschaft Oferdingen und der Arbeitskreis »Lebendiger Neckar« auf Rang eins.
Schließlich wurde der Preis für die »Privatpersonen« vergeben. Für seine kompetente Pflege von Streuobstwiesen sowie die Verwertung des Obstes zu Saft, Dörrobst und einem gehaltvollen »Wässerchen« erhielt Baumfachwart Dieter Kern den Hauptpreis. Die Patenschaft und die zeitaufwendige Pflege zweier Grüninseln in der Römerschanzsiedlung brachte Susanne Anklam und Beate Wälde den Preis Nummer zwei ein.
Bienenhotels und Solar-Mäher
Auf Platz drei landete schließlich »Insekten-Architekt« Willi Neu, der in Bronnweiler 150 »Wildbienenhotels« gebaut und auf diese Art über 3 000 Nistmöglichkeiten geschaffen hat. Der Anerkennungspreis ging an Werner Hacker, der mit seinem eigens entwickelten Solar-Rasenmäher punktete und nach der Preisverleihung auch die Oberbürgermeisterin schwer beeindruckte.
»Hören Sie mal, der ist ja gar nicht laut«, staunte Barbara Bosch bei der Vorführung des Mähers. Fünf Ar könne die kabellose Gartenhilfe mit Sonnenkraft mit einer Akkufüllung schaffen, verriet Tüftler Hacker, worauf Bosch spontan Kauf-Interesse signalisierte: »Der ist ja was für uns daheim.«
Die Umweltpreisträger selbst und große Infotafeln gaben den Besuchern detaillierte Auskunft über die ausgezeichneten Projekte. Und schnell wurde auch dem letzten Gast im gut gefüllten obersten Stockwerk des Naturkundemuseums klar, welch große Leistungen die Gewinner in ihren jeweiligen Projekten im Zeichen des Umwelt- und Naturschutzes vollbrachten - und wohl auch weiterhin vollbringen.
»Naturschutz ist kein Luxus. Naturschutz ist eine Zukunftsaufgabe.« Barbara Bosch zitierte Bundespräsident Horst Köhler und motivierte die Umweltschützer, auch in Zukunft an Projekten weiterzuarbeiten. Schließlich seien sie mit ihren Ideen und Aktivitäten Vorbilder für viele Bürger der Stadt. (GEA)