Expertenrat - Was Vögeln während der kalten Jahreszeit gut tut: Futtertipps für Amsel, Meise und Konsorten

Piep-Show vor der Haustür: Was Vögeln gut tut

Von Heike Krüger

REUTLINGEN. Es ist zum Piepen. Kaum bedeckt eine geschlossene Schneedecke Feld, Wald und Flur, gerät die Nahrungssuche für Vögel zum mühsamen Geschäft. Und das umso mehr, als es auch jenseits der kalten Jahreszeit etliche Negativ-Faktoren gibt, die dafür sorgen, dass in Vogelkreisen immer häufiger Schmalhans Küchenchef ist: wegen der zunehmenden Flächenversiegelung und Biotop-Zerstörung einerseits, andererseits aber auch, weil der Trend weg vom Nutz- und hin zum Ziergarten geht. Denn wo kein Weißdorn mehr gedeiht, kein Obstbaum mehr wächst, wo weder Holunder noch Wacholder, Hartriegel oder Pfaffenhütchen wurzeln, da gibt's auch keine Früchte zu verschnabulieren. Weder sommers noch winters.

FOTO: dpa
Schneefall indes verschärft die vor allem in Städten zu beobachtende generelle Nahrungsverknappung zusätzlich. Weshalb es - selbst wenn die Meinungen in puncto Vogelfütterung auseinanderdriften - kein Fehler ist, Piepmätzen »künstliche« Futterquellen zu erschließen. Eine Auffassung, die auch von Roland Herdtfelder vertreten wird.

Als Vorsitzender des Reutlinger Nabu-Sprecherteams (Naturschutzbund) gehört er der Riege der Fütter-Befürworter an und erklärt: »In einem Punkt sind sich beide Lager, also auch die Kritiker, einig. Füttern schadet nicht. Selbst wenn man's ganzjährig macht.« Ob's der Vogelwelt indes wirklich nutzt, steht auf einem anderen Blatt. Herdtfelder meint nein und begründet seine Einschätzung damit, dass es letztlich nicht die bedrohten Arten sind, die sich auf Balkonien oder in den Gärten und Gütles der Region an Knödel und Co. delektieren, sondern solche, deren Population stabil ist.

»Füttern schadet nicht. Selbst wenn man's ganzjährig macht«
 

Körner oder Rosinen sind mithin keine tauglichen Waffen, um den »darwinistischen« Überlebenskampf zu befrieden. Dienlich sind sie dennoch: dem Menschen; und hier besonders dem forschenden Menschen. Denn Vogelhäuschen oder Knabberriegel sind schließlich perfekte Präsentiertteller und verhelfen jedem, der Freude an ornithologischer Beobachtung hat, zur faszinierenden Piep-Show vor der eigenen Haustür.

Wobei es, so Roland Herdtfelder und sein Vereinskollege Hans-Martin Koch, von den in hiesigen Gefilden 112 nachgewiesenen Brutvogelarten maximal 20 sind, die via Fütterung überhaupt erreicht werden können. Darunter Amseln, Kohlmeisen, Rotkehlchen und Kleiber. Mitunter aber auch Zaunkönig und Buchfink, die als sogenannte Bodensucher zwar nicht zur gefiederten Häuslesbesetzerszene zählen, wohl aber von dieser profitieren. Denn deren Vertreter machen auf schleckig, picken sich aus dem Futtermix ein paar Leckerbissen raus und fegen den Rest mal eben über den »Tellerrand« -

Über einen »Teller«, der übrigens sauber gehalten werden sollte. Eine gewisse Hygiene ist nämlich Pflicht, wenn es um die Gesunderhaltung der Piepmätze geht. So empfiehlt es sich, Futterplätze einzurichten, in denen die Tiere nicht herumhüpfen und dabei das Nahrungsangebot verkoten (Keimbildung) können. Vogelexperten raten darum zum Kauf von Silos als hygienische Alternative zum klassischen Häusle.

Was aber, wenn es - und sei's auch bloß um der Optik willen - doch die Holzhütte en miniature sein soll? »Dann ist darauf zu achten, dass das Futter trocken ist. Anderfalls besteht Verpilzungsgefahr«, sagt der Reutlinger Nabu-Sprecher und rät: »Wer ein herkömmliches Futterhäuschen hat, der sollte es regelmäßig mit heißem Wasser auswischen, gründlich abtrocknen und täglich nur wenig Körner und Samen nachfüllen.«

Der sollte allerdings auch tunlichst darauf achten, dass der gedeckte Tisch für Amsel, Fink und Meise nicht gleichzeitig zu einem solchen für Stubentiger avanciert.

Heißt: Nahrungsquellen sind für Katzen und andere Beutegreifer unzugänglich zu positionieren. Und: Sie dürfen nicht in unmittelbarer Nähe von Glasscheiben installiert werden. Fenster haben nämlich schon manchem Vogel das Genick gebrochen.

Expertentipp: Keine schwarzen Attrappen an die Scheiben kleben, sondern weiße, die zuvor mit Sonnencreme bestrichen wurden. Auch das »bekritzeln« des Glases mit einem fürs menschliche Auge unsichtbaren UV-Stift wirkt und hält Vögel auf lebensrettende Distanz. (GEA)

Literatur zum Thema


Lohnende Lektüre für alle, die sich intensiver mit Vogelfütterung und -beobachtung befassen möchten:

• Christoph Moning (u. a.): »Grundkurs Vogelbestimmung«, Quelle & Meyer

• Peter Berthold, »Vögel füttern - aber richtig«, Kosmos Verlag

• Zeitschrift »Vögel - Magazin für Vogelbeobachtung«, dwj Verlags GmbH

• Internet-Infos: nabu.de, wildvogelhilfe.org, nabu-reutlingen.de, nabu-bw.de sowie lbv.de

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