Abschied - Das Pfarrerehepaar Annette Denneler und Ulrich Zwißler wechselt von Orschel-Hagen nach Schönaich

Pfarrerehepaar nimmt Abschied von Orschel-Hagen

VON GABRIELE BÖHM

REUTLINGEN. »Wir haben uns hier unheimlich wohlgefühlt. Es ist etwas Liebevolles in diesem Stadtteil«, sagen Annette Denneler und Ulrich Zwißler. Nach zwölfeinhalb Jahren nimmt das Pfarrerehepaar Abschied von der Evangelischen Kirchengemeinde Jubilate in Orschel-Hagen. Wie die Seelsorger erläutern, sollen nach dem sogenannten Pfarrplan der evangelischen Landeskirche weitere Pfarrstellen gekürzt und eingespart werden.

Um dort sein zu können, »wo auch die Leute sind«, haben Pfarrerin Annette Denneler und ihr Mann Ulrich Zwißler einen Kirchenwagen bauen lassen. Jetzt zieht das Ehepaar selbst weiter. FOTO: BÖHM
Um dort sein zu können, »wo auch die Leute sind«, haben Pfarrerin Annette Denneler und ihr Mann Ulrich Zwißler einen Kirchenwagen bauen lassen. Jetzt zieht das Ehepaar selbst weiter. FOTO: BÖHM
Als Orschel-Hagen aufgrund der starken Wohnungsnot in Reutlingen von 1960 bis 1970 errichtet wurde, gab es 5 000 evangelische Kirchenmitglieder. 1969 musste bereits die zweite volle Pfarrstelle eingerichtet werden. Doch nun ist die Zahl der Gemeindeglieder auf 2 200 gesunken, die Pfarrstellenanteile werden ab 2018 nur noch 100 Prozent betragen.

»Wir haben uns eine Gemeinde gewünscht, in der wir beide zusammen tätig sein können mit einer Stelle von 150 bis 200 Prozent. Das war hier nicht machbar«, so Denneler. Demnächst wird das Pfarrerpaar in Schönaich bei Böblingen tätig sein und zusammen rund 4 200 Gemeindeglieder betreuen.

Auch drei Eintritte

»Wir haben hier zwölfeinhalb Jahre lang Aufbauarbeit gemacht und versucht, auch Kirchendistanzierte zu gewinnen«, berichtet Annette Denneler. Bei Taufen, Bestattungen, Erntedank oder der Osterwerkstatt habe man sie erreichen können. »Wir wollten eine einladende Gemeinde sein und mit Menschen mit dem unterschiedlichsten Hintergrund in Kontakt kommen.« Teilweise sei das gelungen. »Diesen Sommer hatten wir drei Kirchenaustritte, aber auch drei Eintritte.«

Absolutes Lieblingsprojekt sei der Kirchenwagen gewesen. 2014 ist das 10 000 Euro teure Schmuckstück, von einer Wagen-Manufaktur gefertigt und vom Diakonieverband finanziert, geliefert worden. »Wir haben ihn dorthin gestellt, wo auch die Leute sind. Für viele war es leichter, dort mit uns in Kontakt zu kommen als in der Kirche.« Man habe in lockerer Atmosphäre zusammen Kaffee getrunken und viel miteinander geredet.

Aber auch der seit 20 Jahren existierende Offene Mittagstisch, die Kinderferienwoche, das neu konzeptionierte Karfreitagstheater, die Gründung des Jubilate-Projekt-Chores, die Gestaltung einer Winterkirche, das gemeindepädagogische Projekt »Familienfreundliche Gemeinde« mit dem Kindergarten und viele andere gemeinsame Erlebnisse werde ihnen, so Pfarrer Zwißler, immer in guter Erinnerung bleiben.

Allerdings fehle aufgrund der Struktur Orschel-Hagens oft auch die Weitergabe kirchlicher Traditionen an die nächste Generation. Die ganze Amtszeit über sei man auf der Suche nach ehrenamtlichen Mitarbeitern gewesen.

Auch rein praktische Dinge hat das Pfarrerehepaar umgesetzt. Die beiden Pfarrer sorgten für einen Taufstein, den es zuerst nicht gab, ließen ins Gemeindehaus eine Küche einbauen und die Kirche renovieren. »Alles immer zusammen mit einem engagierten Team«, betonen die beiden. »Schon bei unserem Amtsantritt sagte der damalige Dekan Mohr, dass die Jubilate-Kirche verkauft werden solle, wie das mit anderen Kirchen und Gemeindehäusern bereits geschehen ist«, erinnert sich Zwißler.

Praktisch über Nacht habe sich der Förderverein Jubilatekirche gegründet, mit dessen Hilfe die Kirche erhalten werden konnte. Mittlerweile steht sie unter Denkmalschutz. »Pro Jahr müssen für die Kirche 35 000 bis 40 000 Euro aufgebracht werden«, sagt Annette Denneler. Die Kirchenerhaltung sei immer noch Thema Nummer eins.

Am Sonntag, 8. Oktober, um 10 Uhr wird sich das Pfarrerpaar in einem Festgottesdienst von der Jubilate-Gemeinde verabschieden. (GEA)



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