Ausbildung - Reutlinger Gymnasiasten arbeiten im Rahmen der Schüler-Ingenieur- Akademie ganz praktisch bei der Firma Stoll

Gymnasiasten lernen Berufspraxis hautnah kennen

VON NIKO KAPPEL

REUTLINGEN. Den Gymnasiasten verschiedene Ingenieurberufe nahelegen, ist Ziel der Schüler-Ingenieur–Akademie (kurz SIA), ein Kooperationsprojekt zwischen zwei Gymnasien, der Hochschule Reutlingen und der Firma Stoll. Unterstützt wird das Projekt von der Agentur für Arbeit, der Südwestmetall und dem gemeinnützigen Bildungsträger BBQ. Schüler der gymnasialen Oberstufe können sich durch praktische Übungen, Vorlesungen und Projektarbeiten ein Bild von naturwissenschaftlichen und technischen Berufen machen.

Schüler des AEGs und IKGs arbeiten in der Firma Stoll an der praktischen Umsetzung ihrer Projekte.  FOTO: KAPPEL
Schüler des AEGs und IKGs arbeiten in der Firma Stoll an der praktischen Umsetzung ihrer Projekte. FOTO: KAPPEL

Ersatz für mündliches Abi

Der konkrete Ablauf sieht folgendermaßen aus: Die Schüler visualisieren zuerst ihre Ideen in der Schule mit einem CAD-Programm am Computer. Danach realisieren sie diese Ideen in der Werkstatt bei Stoll unter der Aufsicht von Ausbildungsleiter Dirk Veith. »Wir haben oft Studenten, die klasse in der Theorie ausgebildet sind. Die können alles zeichnen und planen, wenn es dann aber an die praktische Umsetzung geht, tun sie sich sehr schwer,« sagt Veith. »Ich sage immer: Das Papier ist noch geduldig, das Metall dann aber nicht mehr«, ergänzt er lachend. Die SIA soll dem entgegen wirken und bei den zukünftigen Ingenieuren schon vor dem Studium einen möglichst praktischen Bezug herstellen.

Dieses Jahr beteiligen sich mit dem Albert-Einstein-Gymnasium und dem Isolde-Kurz-Gymnasium zwei Schulen an dem Projekt. »Mit sieben Jungs und fünf Mädels haben wir dieses Jahr eine sehr ausgeglichene Quote«, meint AEG-Lehrer Matthias Irmler, der das Projekt betreut.

Dass sie die SIA als fünftes Prüfungsfach im Abitur anrechnen lassen können, ist für viele Schüler schon Motivation genug. Die Teilnahme wird wie ein Seminarkurs gewertet und benotet, der das mündliche Abitur ersetzt. Das sei aber nicht der Sinn, betont Dr. Christoph Ottmar. »Das ist schon sehr aufwendig, die Schüler investieren viel freie Zeit.« Die SIA läuft nämlich neben dem regulären Stundenplan. Das ganze Schuljahr sind die Zehnt- und Elftklässler jeden Donnerstag entweder im Betrieb, an der Hochschule Reutlingen oder in der Schule, um an ihren Projekten zu arbeiten. Deshalb sollten nur die teilnehmen, die sich für einen Beruf als Ingenieur interessieren. Lisa und Hannah machen dieses Jahr bei der Akademie mit. Sie wollen sie auch als fünftes Prüfungsfach im Abi anrechnen lassen, »weil sie keinen Bock aufs Mündliche haben«. Darüber hinaus interessieren sie sich für die technischen Berufe: »Ich finde es cool, dass wir hier so viele praktische Erfahrungen sammeln dürfen«, sagt Hannah.

Alle haben was davon

Von der Schüler-Ingenieur–Akademie profitieren alle Seiten. Stoll hat letztes Jahr durch die SIA einen dualen Studenten gewonnen, die Schüler sammeln wertvolle Erfahrungen für den Berufsalltag. Auch Lehrern wie Christoph Ottmar und Matthias Irmler kommt die SIA gerade recht. Ab 2018 wird nämlich das neue Fach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung in den Lehrplan eingeführt. »Das passt perfekt«, meint Ottmar. »So können wir die Schüler noch besser auf das Berufsleben vorbereiten.« (GEA)



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