Verkehrsentwicklung - Oferdinger Bezirksgemeinderat zeigt, wo's klemmt in der Neckargemeinde
REUTLINGEN-OFERDINGEN. So ein Planer hat's nicht einfach. Unter einem gelungenen zukunftsfähigen Verkehrskonzept versteht nämlich jeder etwas anderes. Das wurde bei der Vorstellung des Verkehrsentwicklungsplanes (VEP) für die Stadt Reutlingen im Oferdinger Bezirksgemeinderat rasch deutlich: So regte etwa Gremiumsmitglied Uwe Jauß an, darüber nachzudenken, ob man in Oferdingen nicht den gut ausgebauten Riedgraben schmäler machen könne, um die Fahrzeuge zu verlangsamen und so die Situation beim Kindergarten zu entschärfen.
Sein Kollege Ernst Beck betonte hingegen: »Ich bin froh, dass der Riedgraben so breit ist, da muss ich nicht so auf den Gegenverkehr achten.«
Gisela Stete (StetePlanung) und Thomas Pickel (R+T) vertraten an diesem Abend die von der Stadt engagierte Darmstädter Planungsgemeinschaft, stellten das Vorhaben vor und sammelten, wie zuvor schon in anderen Teilorten, Anregungen ein. Die beiden machten deutlich, dass ins Planwerk nicht nur Wünschenswertes einfließt, sondern auch Vorgaben zur Emissionsreduzierung. »Ein Drittel der Luftschadstoffe in Baden-Württemberg stammen«, so Pickel, »aus dem Kraftfahrzeugverkehr«.
Eben dieser war lange Zeit einziges Analyseobjekt von Verkehrsplanern. Doch die Zeiten sind vorbei. Stete wünscht sich im Laufe des hiesigen Projekts auch »Sensibilisierung für die Ungleichhandlung des Fußgängerverkehrs, der bislang stiefmütterlich behandelt wurde«. Klar sprach sie sich für mehr verkehrsberuhigte Bereiche aus, versicherte aber auch: »Wir überplanen Oferdingen nicht. Wir sind da offen. Was letztlich gemacht wird, ist dann eine politische Entscheidung.«
»Ist die Breite notwendig oder können wir den Riedgraben schmäler machen?« §§ Doch zunächst waren die beiden angetreten, im Rat zu ermitteln, wo's konkret klemmt im Neckarstädtchen, um eigene Beobachtungen vorzustellen und zu komplettieren.
Ratsmitglied Edgar Pregizer etwa kritisierte den sternförmigen ÖPNV, der ausschließlich aufs Stadtzentrum ausgerichtet ist und keine Busverbindungen in die Nachbargemeinden etwa nach Mittelstadt bietet. Ein Problem ist das, wie Ursula Maier berichtete, unter anderem für die vielen BZN-Schüler, die ihre Schulfreunde aus den Nachbargemeinden nicht erreichen können. Eine Tangenzialverbindung der Teilorte wäre sicher nicht nur nach Auffassung der Oferdinger wünschenswert. Was bestehende Verbindungen betrifft, so soll überprüft werden, ob die Linienführung besser an die Neubaugebiete angepasst wird.
Eine Umgehungsstraße für den Ort sieht derzeit niemand im Gremium als Notwendigkeit an. Bei einer Belastung von 8 500 Fahrzeuge werden sich kaum Verfechter finden. Jürgen Nickel erinnerte daran, dass man mit einer solchen Straße auch Verkehr anziehe.
Im Hinblick auf mögliche Zukunftsszenarien gibt es jedoch eine große Unbekannte: Was passiert mit dem Bosch-Areal am Ortsausgang von Rommelsbach? Bezirksbürgermeister Ralph Schönenborn sieht Unbill auf Oferdingen zukommen, wenn sich dort ein Unternehmen ansiedelt, das Werksverkehr mit Lastwagen verursacht. Wenn der sich seinen Weg - mutmaßlich - vor allem gen Stuttgart sucht, kann's ungemütlich werden in der Neckargemeinde.
Wie kann man Verkehr besser und schneller auf die B 464 leiten? Nicht ganz ernst, aber immerhin angedacht wurde vom Gremium die Idee, Schwerlastverkehr - namentlich den einer schon bestehenden Spedition bei der Betmauerstraße - abzuleiten über die Verbindung nach Altenburg. »Aber da haben die Altenburger sicher was dagegen«, mutmaßte Schönenborn grinsend - die Straße kommt dort direkt in einem Wohngebiet an.
Eine neu zu schaffende Verbindung können sich die Ratsmitglieder von der Fürstenbergstraße direkt zur Nadelkurve auf der L 378 vorstellen, auch diese Anregung nahmen die Planer mit.
Weiterhin klemmt's auf der Mittelstädter Straße, wo allerdings eine Parkeinschränkung bald für Entzerrung sorgen soll. Für Debatten sorgte die genannte Straße Im Riedgraben, konkret ein nicht vorhandener Überweg beim Kindergarten. Hier stellt sich ein schwer nachvollziehbares Problem: In Tempo-30-Zonen dürfen keine Überwege eingezeichnet werden.
§§ »Ich bin froh, dass der Riedgraben so breit ist, da muss ich nicht so auf den Gegenverkehr achten«
Einigen Anklang fand - nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Dorfplatzes - Gisela Stetes Anregung, die Clemensstraße als verkehrsberuhigte Zone auszuweisen. Eine echte Lücke schließen im Ort möchte Martin Diebold: Er machte sich für eine Komplettierung des Radwegs Richtung Neckartal stark, der vor der Brücke unvermittelt aufhört.
Mit einem Packen Anregungen verließen die Planer eilends den Saal gen Sickenhausen, wo die nächste Präsentation anstand. Zuvor lobte Stete ausdrücklich den »intensiven Beteiligungsprozess«, den die Verwaltung in die Wege geleitet habe. (GEA)