Reutlingen
Pomologie - Nachdem die Sumpfbiber weg waren, setzte sich FDP-Stadtrat Kalbfell für Alternative ein

Neuer Blickfang: Schildkröten

REUTLINGEN. Das ehemalige Biberbecken beim Exotarium auf der Pomologie hat neue Bewohner. Seit voriger Woche beherbergt es rund ein Dutzend mexikanische Schmuckschildkröten. Nach einer bislang mäßig verlaufenen Saison hoffen die Betreiber vom Verein »Exotarium Reutlingen« nun nach eigenem Bekunden auf steigende Besucherzahlen.

Wasserschildkröten im ehemaligen Biberbecken.
Wasserschildkröten im ehemaligen Biberbecken. FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Wie unlängst kurz berichtet, war das Biberbecken beim ehemaligen Lucas'schen Institut auf der Pomologie seit dem vorigen Herbst verwaist. »Eigentlich waren es ja gar keine echten Biber, sondern Sumpfbiber, die ursprünglich in Südamerika zu Hause sind«, präzisiert Werner Henne vom Exotarium.

»Den Einsparmaßnahmen der Stadt zum Opfer gefallen?«
 

Bei ihm hatten sich seit dem Frühjahr massiv die Rückfragen nach dem Verbleib der seit der Landesgartenschau 1984 bekannten Biber gehäuft, die sonst pünktlich nach der Winterpause wieder ins Freilandbecken eingezogen waren und nicht nur eine stadtbekannte Attraktion für Kinder und Familien darstellten, sondern dem benachbarten Exotarium an Wochenende und Feiertagen guten Zulauf bescherten.

Viel sei unter den meist sehr jungen Besuchern und Liebhabern der putzigen Nager über deren Verbleib spekuliert worden, erinnert sich Henne: Haben sie vielleicht den strengen Winter nicht überlebt? Sind sie krank geworden und mussten eingeschläfert werden? Sind sie etwa auch den Einsparmaßnahmen der Stadt Reutlingen zum Opfer gefallen? Oder gar geschlachtet worden?

Auch FDP-Stadtrat Dr. Carl-Gustav Kalbfell, der die Tiere laut einer Pressemitteilung noch aus eigener Kindheit kennt und sie nun gern seinen Kindern gezeigt hätte, befürchtete das Schlimmste. »Alles falsch«, dementierte Werner Henne ihm gegenüber die Spekulationen. Vielmehr seien »in den letzten Jahren die Meinungen immer weiter darüber auseinandergegangen, inwieweit die Haltung der bis zu sieben Nutria Exemplare in dem etwa fünf Meter breiten Rondell eigentlich noch als artgerecht anzusehen ist«.

Beim Bau des Freilandbeckens anlässlich der Gartenschau habe man die damals geltenden Vorschriften beachtet, versichert der Ruheständler, und die hygienischen Bedingungen im Becken seien stets einwandfrei gewesen. Dennoch habe das Veterinär-Amt mutmaßlich aufgrund einer Anzeige den Tierarzt der Stuttgarter Wilhelma eingeschaltet, der auf neuere Vorschriften verwies und für die Biber ein großes Freigelände mit einem unterirdischen Bau empfahl. Die Stadt habe eine Umgestaltung des Geländes auch geprüft. Nachdem die Kosten hierfür aber 40 000 Euro betragen hätten, so der zuständige Amtsleiter Arno Valin, habe man sich angesichts der angespannten Finanzlage entschlossen, die Tiere an die Wilhelma abzugeben.

»Der neue Standort ist ideal für die sonnenhungrigen Tiere«
 

Als bis in den Juni hinein das Nutria-Becken immer noch leer stand, hakte Stadtrat Kalbfell bei der Reutlinger Verwaltung nach. Wenn an eine Rückkehr der Nutria nicht zu denken sei, bitte er darum, Alternativen zu prüfen. Er habe vorgeschlagen, so der Kommunalpolitiker in einer Pressemitteilung, die Wasserschildkröten, die bislang im hinteren Teil des Ensembles waren, nach vorne in das ehemalige Nutriabecken umzusiedeln.

Nachdem im Auftrag der Stadt Reutlingen ein Schutzgitter installiert worden war, konnten die Wasserschildkröten »mit tatkräftiger Unterstützung« von Kalbfell in ihr neues Gehege eingesetzt werden. »Ich bin sehr froh, dass die Stadt Reutlingen meinen Vorschlag aufgegriffen hat«, meint der Familienvater. Und auch Exotarium-Sprecher Werner Henne freut sich: »Der neue Standort ist für die sonnenhungrigen Tiere ideal.«

Mit dem neu gestalteten Becken verbinden er und seine ehrenamtlichen Kollegen die Hoffnung, dass auch wieder mehr Besucher den Weg ins Exotarium finden: »Der verregnete Sommer machte dem Verein schon zu schaffen. Und als es gerade schön war, war wegen der Fußball-WM der Park deutlich weniger frequentiert.« Von den fehlenden Bibern mal ganz abgesehen. (GEA)

Das Exotarium


Das Reutlinger Exotarium auf der Pomologie (beim ehemaligen Pomologischen Institut) ist sonntags und an Feiertagen jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Zu sehen gibt es laut Werner Henne Kleinsäuger, in erster Linie Äffchen, sowie Schlangen, Echsen, Schildkröten und Eidechsen aus aller Welt. Auch tropische Spinnentiere und (Zier-)Fische sind zu bestaunen. Erwachsene zahlen einen Euro Eintritt, Kinder 50 Cent. Das Freigelände (vor dem Exotarium) mit den Wasserschildkröten ist in der Regel täglich offen. (rh)

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