Fasnet - Prunkfestsitzung der 1. Reutlinger Karnevalsgesellschaft zum 111-jährigen Bestehen und Landesnarrentreffen

Närrische Geburtstagsfete in der Stadthalle

VON GABRIELE BÖHM

REUTLINGEN. Die Karnevalsgesellschaft im Männerverein Reutlingen feiert 2018 ihr 111-jähriges Bestehen. Gefeiert wurde am gestrigen Sonntag einerseits beim Landesnarrentreffen, für das Reutlingen bereits zum siebten Mal gastgebend war (siehe auch Seite 11). Und am Samstagabend gab es in der mit 400 fantasievoll kostümierten Gästen voll besetzten Stadthalle eine Prunksitzung mit vielen Höhepunkten. Sitzungspräsident Ralph Keck führte durchs Programm.

Bereits am Samstagmorgen hatte es als Auftakt der zwei närrischen Tage die Narrensuppe gegeben, der ein Sternmarsch mit Narrenbaumstellen auf dem Marktplatz und am Nachmittag eine Messfeier in der St. Wolfgangskirche folgten.

Marina Dobler Gesellschaft Möbelwagen Stuttgart 2018
Tanzmariechen Marina Dobler von der Gesellschaft Möbelwagen Stuttgart. Foto: Böhm
Mit einem humorvollen Gedicht zum festlichen Anlass leiteten Luisa Gutekunst und Vivien Schrade, Majorin und Vizemajorin der Kindergarde des Männervereins, den Abend ein. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch gratulierte dem Verein, warnte jedoch scherzhaft davor, die Karnevalsveranstaltung wie 2017 noch einmal »abtrünnig« nach Eningen zu verlegen. »Sonst könnte es sein, dass wir bei der Rückkehr nach Reutlingen ein Visum verlangen oder Sie im Scheibengipfeltunnel übernachten müssen!« Da es zum 100. Geburtstag zum ersten Mal ein Kinderprinzenpaar gegeben habe, empfahl Barbara Bosch als Novum die Einführung eines Bürgermeister/innen-Prinzenpaars: »Das könnte dann auch einen Spagat vorführen. Den üben wir eh das ganze Jahr.« Dennoch herrsche im Gemeinderat bei Weitem kein »närrisches Treiben«.

Bernd Lipa, Präsident des »Landesverbands Württembergischer Karnevalsvereine 1958« (LWK), dankte dem Männerverein Reutlingen für die Ausrichtung des Treffens. »Der Verein bereichert das kulturelle Leben der Stadt. Vereine schaffen für alle ein Zusammengehörigkeitsgefühl«, sagte Ute Schwarz, Brauchtums-Vorsitzende des LWK.

Zünftiger Marsch

Für Musik sorgte die 1. Hambrücker Forlebuzzel-Zunft, die die Stimmung mit ihrer Gugga-Musik gehörig anheizte. Die Gesellschaft Zigeunerinsel Stuttgart war gleich mit mehreren Gruppen vertreten. Die Hutzelmännlein mit Spitzhut, Bart, Schnabelschuhen und dem Hutzelbrot zeigten einen Brauchtumstanz, während die Traditionsgarde, die gerade den fünften Platz bei den württembergischen Meisterschaften belegt hatte, zu einem zünftigen Marsch tanzten. Die Showgarde nahm sich eines Stuttgarter Problems an und stellte tänzerisch den Traum des Bürgermeisters dar: Staubsauger beseitigen den Feinstaub in der Stadt.

Viel Beifall erhielt auch die Kindergarde des MVR, die den Großen in nichts nachstand. Ihr Debüt hatte die Rote Garde, die das Publikum mit einer sportlichen, abwechslungsreichen Choreografie begeisterte. Die drei Narrenzunft-Figuren Schandele, Maurus und Lucrezia bewegten sich farbenprächtig und mit rhythmischen Hüpfschritten über die Bühne. Ex-Gardemädchen Corinna Roesener, heute selbst Inhaberin einer Tanzschule, wirbelte in rot-schwarzem Dress zur Musik und die erst 14-jährige Marina Dobler der Stuttgarter Gesellschaft Möbelwagen bewies Kondition und Musikalität.

Eine gelungene Überraschung war der Auftritt des Stadt-Prinzenpaars aus Stuttgart, Andrea I. und Nadine I. zu Stutengarten. Die beiden erwiesen sich als professionelle Sänger und Entertainer, wobei Andrea, gebürtiger Italiener, auch eine selbst geschriebene Ballade über die Liebe hören ließ und mit seinem südländischen Charme Barbara Bosch zu bezirzen versuchte. Die kleine Stuttgarter Prinzessin Marie I. gesellte sich als Sängerin auf der Bühne zu »den Großen«. Alle drei Hoheiten erhielten den Jahresorden, ebenso wie die beiden lang gedienten Karnevalisten Dr. Harald Barth und Gerd Michaelsen. Den »Orden für Frohsinn und Geselligkeit« bekam in Abwesenheit Dr. Klaus Schmidt-Ulm vom Radiosender Neckar-Alb.

Derber Humor

Natürlich kam auch das Kabarett nicht zu kurz. »Elfriede Schäufele« alias Frl. Wommy Wonder trat mit Kittelschürze und Lockenwicklern auf und berichtete großformatig, laut und in derbem Humor über die »Kehrwoch'« und von Auftritten bei Kreuzfahrten, »wo's Publikum et wegko«. Für viele Lacher sorgte sie mit ihren Seitenhieben auf die schlanken Kolleginnen Andrea Berg und Helene Fischer.

Die »Bronnweiler Weiber« Friedel Kehrer und Mary Lutz lästerten über Politprominenz, Schnurbäume, den Reutlinger Markenfindungsprozess (»Ma ko doch nur ebbes fenda, wo ma vorher verlaura hot.«), über Wein von der Reutlinger Südhanglange und Stuttgarter am Wochenende auf der Alb. Anschließend spielte die Band »Hautnah« bis in die frühen Morgenstunden zum Tanz auf. (GEA)






 
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