Medizintechnik - Im Klinikum am Steinenberg wurde das Pilotprojekt »Einsatz einer mobilen Herz-Lungen-Maschine im Rettungswagen und am Notfallort« vorgestellt

Mobile Herz-Lungen-Maschine in Reutlingen

VON JAN HÖNESS

REUTLINGEN. Zwischen 100 und 150 Menschen werden im Landkreis Reutlingen im Jahr außerhalb eines Krankenhauses reanimiert. »Vielen dieser Patienten könnte mithilfe der modernen Medizin das Leben gerettet werden. Allerdings können sie am Notfallort oft nicht nachhaltig genug stabilisiert werden, sodass sie am Unfallort oder auf dem Weg in ein Krankenhaus versterben«, sagte Dr. Benjamin Schempf, von der Klinik für Kardiologie und Intensivmedizin, Klinikum am Steinenberg.

Dr. David Schibilsky (links) und Dr. Benjamin Schempf stellen die mobile Herz-Lungen-Maschine vor. Mit diesem System soll es gelingen, Patienten, die nach einer Reanimation am Unfallort  nicht stabilisiert werden können, ins Krankenhaus zu transportieren. FOTO: HÖNESS
Dr. David Schibilsky (links) und Dr. Benjamin Schempf stellen die mobile Herz-Lungen-Maschine vor. Mit diesem System soll es gelingen, Patienten, die nach einer Reanimation am Unfallort nicht stabilisiert werden können, ins Krankenhaus zu transportieren. FOTO: HÖNESS
Da es aber nicht möglich ist, das gesamte Behandlungsspektrum eines Krankenhauses an einen Notfallort zu bringen, haben die Kreiskliniken Reutlingen, das Universitätsklinikum Tübingen und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) an einem System gearbeitet, das bisher nur standortfest in Intensivstationen eingesetzt wurde: Mithilfe einer mobilen Herz-Lungen-Maschine (ECLS – Extra Coporal Life Support) soll es in Zukunft möglich sein, Patienten am Notfallort so weit zu stabilisieren, dass sie in ein Krankenhaus transportiert werden können. »Wir sind stolz, dass das ambitionierte Projekt gelungen ist. Der Einsatz ist ja auch mit hohem Aufwand verbunden, finanziell wie personell«, so Schempf.

Außerhalb von Krankenhäusern gehört der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine nicht zur alltäglichen Routine. Darüber hinaus ist das ECLS auch deutschlandweit nur in wenigen Regionen verfügbar. Dr. David Schibilsky, der an der Klinik für Thorax-Herz- und Gefäßchirurgie in Tübingen tätig ist, erläuterte die Funktionsweise des Systems: »Die Maschine ersetzt für etwa siebeneinhalb Tage das Herz-Kreislaufsystem. Sollte eine notärztliche Reanimation nicht erfolgreich sein, legen wir einen Katheter zum Herz.«
»Wir sind stolz, dass das ambitionierte Projekt gelungen ist«
 

Über diesen Katheter laufe das Blut dann in eine Pumpe, die das Blut mit Sauerstoff anreichere und dann wieder zurück in den Körper befördere.

»Durch den Einsatz der mobilen Herz-Lungen-Maschine sind wir in der Lage, den Patienten lange genug zu stabilisieren, bis er die Klinik erreicht und dort behandelt werden kann. Nach einer Woche wird der Patient dann von der Maschine entwöhnt und die normale Herz-Kreislauf-Funktion übernimmt wieder«, sagte Schibilsky.

Professor Dr. Karl Haase vom Klinikum am Steinenberg betonte, dass sich der Einsatz des Systems auf Fälle konzentriere, bei denen eine hohe Erfolgschance bestehe. »Das ist nur dann der Fall, wenn schon die Ersthelfer vor Ort sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen wie der Herzrhythmusmassage begonnen haben«, so Haase.

Dr. Helene Häberle, leitende Oberärztin auf der Intensivstation am Uniklinikum Tübingen, ergänzte, dass das ECLS-System keine »Wundermaschine« sei, die die Reanimation ersetzt. »Die Herz-Lungen-Maschine kommt dann zum Einsatz, wenn alle Reanimationsversuche nicht zur gewünschten Stabilisierung des Patienten geführt haben.«

Seit letztem Sommer kam das Gerät sechs Mal zum Einsatz. Das einzige mobile System steht momentan in Tübingen und deckt damit, so Markus Metzger vom DRK, »einen Bereich von etwa 20 Minuten rund um Tübingen, bis unterhalb der Alb ab.«

Die Kreiskliniken Reutlingen schaffen ihre eigene mobile Herz-Lungen-Maschine Anfang 2017 für 100 000 Euro an. Daneben wird es auch Fortbildungen und Schulungen für Sanitäter und Notärzte geben, damit diese das System im Ernstfall verwenden können. (GEA)

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