Miteinander - Bereits im fünften Jahr ruft das Rap- und Tanz-Projekt »Talk« wieder zum Mitmachen auf

Mitmach-Projekt: Tanzen und singen für mehr Respekt

VON NORBERT LEISTER

REUTLINGEN. Es geht nach wie vor um Diskriminierung. Beziehungsweise um Jugendliche, die irgendeine Form von Ausgrenzung erfahren haben. Egal, in welchem Bereich. Ob als Migranten, Flüchtlinge, Behinderte oder als Homosexuelle. »Wir sind mit dem Projekt 'Talk' vor fünf Jahren parallel zum runden Tisch Antidiskriminierung gestartet«, sagte Beke Weis als Projektkoordinatorin gestern bei einem Pressegespräch.

Erlebtes künstlerisch verarbeiten:  Gemeinschaft  hilft dabei. FOTO: EG
Erlebtes künstlerisch verarbeiten: Gemeinschaft hilft dabei. FOTO: EG
Anlass ist der Beginn von zwei neuen Workshops am morgigen Mittwoch (siehe Infokasten). Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren sind ins Kulturzentrum franz.K eingeladen, sich die Gegebenheiten anzusehen, mit Rap-Coach Kaspar Ruegenberg, den alle nur Kabu nennen, kennenzulernen und mit Tanzlehrerin Teresa Ceran und mit Maria Kechaja, die in beiden Workshops unterstützend dabei sein wird, zu sprechen.

Erlebtes verarbeiten

Worum es in den Workshops geht? »Jugendliche sollen ihre Message erzählen«, sagt Rapper Kabu. Oder anders ausgedrückt: Die jungen Menschen erhalten im franz.K Raum, um schmerzhafte Erfahrungen von Ausgrenzung, Flucht und Diskriminierung oder auch ganz einfach Alltagsprobleme mithilfe von Musik und Tanz auszudrücken.

Dass das funktioniert, wissen die drei Frauen und Kabu sehr genau - sie sind ja fast alle schon von Anbeginn bei der Workshop-Serie dabei.

Für ein Schuljahr bieten sie die Rap- und Tanz-Kurse an. Jeweils 15 bis 20 Jugendliche hatten sich in den vergangenen Jahren für einen der beiden Workshops gefunden.

»Es geht darum, dass wir den Jugendlichen zuhören, ihre Ziele, Geschichten und Wünsche wahrnehmen«, so Kabu. Man könnte diese Tätigkeit auch als offene Jugendarbeit bezeichnet, wie Maria Kechaja betont. Das Besondere an dem Projekt sei aber das Künstlerische, die Möglichkeit, sich über die Musik auszudrücken, Erfahrungen zu verarbeiten. Selbstbewusster zu werden. »Weil wir auf jegliche Form der Diskriminierung eingehen, sind wir in der Region wohl einzigartig«, so die Kulturwissenschaftlerin. »Dabei spielt es keine Rolle, welchen Hintergrund die Jugendlichen mitbringen - alle verdienen Respekt und alle können voneinander lernen«, betont Kabu.

Keine Rolle spiele die Sprache: Beim Tanz sowieso nicht, aber auch nicht beim Rappen - »jeder kann das in seiner Sprache tun«, sagt der Master-Rapper. Wichtig seien schließlich allein der Rhythmus und der Reim. Und natürlich werde auf die Texte geachtet, vor allem, dass darin keine menschenfeindlichen Botschaften rüberkommen, betont die Macherinnen und Macher hinter dem Projekt. »Irgendeiner kann immer die Sprache des anderen«, so Kechaja.

Erfahrungsgemäß seien die Kids anfangs recht zurückhaltend, sagen etwa: »Ich will rappen, kann aber keine Geschichte erzählen«, berichtet Kabu. Doch das komme nach und nach, im Miteinander, wenn gegenseitiges Vertrauen wachse. Am Schluss, jeweils im Juli des folgenden Jahres, erfolgt ein gemeinsamer Auftritt. Mindestens einer, wie Kechaja betont. In diesem Jahr standen die Jugendlichen beim Workshop-Abschluss sogar vier Mal auf der Bühne. Beim KuRT-Festival etwa. Oder bei »Kultur vom Rande«.

Externe Unterstützung

Gefördert wird das Projekt von der GWG Reutlingen und vom Landesprogramm »Demokratie stärken«. Immer wieder absolvieren die Leiterinnen und Leiter auch Fortbildungen, pädagogische, aber auch solche in Sachen Antidiskriminierung. »Wir holen immer mal wieder auch externe Künstler her, die über ihre Erfahrungen berichten und mit den Kids trainieren«, so Beke Weis.

Workshop-Termine

Kurzentschlossene sind willkommen: Der Schnupper-Workshop zum Projekt »Talk« ist am morgigen Mittwoch, 16.30 bis 18.30 Uhr im franz.K. Die folgenden Termine sind dann jeweils mittwochs, ebenfalls im franz.K, zwischen 13.30 und 15.30 Uhr Hip-Hop-Tanz sowie zwischen 16 und 18 Uhr Rap. (nol)

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