Hochschule - Reutlinger Studenten haben ein besonderes Gefährt gebaut und gehen damit in Hildesheim an den Start
Mit dem Akkuschrauber ins Rennen
VON KRISTINA WIECHERT
REUTLINGEN. Schick soll es sein, leicht soll es sein - und dann soll das Gefährt auch noch von einem gewöhnlichen Akkuschrauber angetrieben werden. Wie das funktioniert, beweisen fünf Reutlinger Hochschulstudenten mit ihrem Leichtbauwagen, mit dem sie am 28. Mai beim Akkuschrauberrennen im Flughafen Hildesheim an den Start gehen.
Gas geben per Knopfdruck: Philipp Herberth und Anschieber Christian Kost vom HochschulRacing-Team testen die Leistungsfähigkeit ihres Akkuschrauber-Flitzers. FOTO: WIECHERT
Die Vorgabe ist so einfach wie originell: Baut und gestaltet ein Fahrzeug, das von einem handelsüblichen 18-Volt-Akkuschrauber angetrieben wird und eine Person befördern kann. Seit Februar ist das D(RT)2 Drill-Racing-Team Reutlingen, bestehend aus den Mechatronik-Studierenden Regina Schweizer und Christian Kost und den Design-Studierenden Philipp Herbert, Nadine Belthle und Maximilian Ritz, am Tüfteln und Gestalten - und der flinke Prototyp ist bereits fertig.
Schnell und schön muss es sein
In der Fußgängerzone hätte das Fahrzeug gute Chancen, von einem mobilen Gerät geblitzt zu werden, denn es kann auf bis zu 30 Stundenkilometer beschleunigen. Schnelligkeit ist jedoch nicht die einzige Disziplin beim Akkuschrauberrennen, das von der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim jährlich veranstaltet wird. Drei weitere Preise erringen die leichtesten Wagen, einen vergibt die Fachjury und - Schönheit zählt auch - das Publikum darf sein Lieblingsgefährt samt Team bestimmen.
Deswegen legen die Reutlinger Wert auf ihr Styling: Sie werden in schwarzen Overalls mit Neonfarben stecken, extra entworfen von ihren Modedesign-Kommilitonen. Schwarzlicht in ihrer Boxengasse wird die fünf Reutlinger beim Start dann kunstvoll in Szene setzen. Als Fahrer steht der Design-Student Philipp Herbert fest, der seit einiger Zeit sogar auf sein Körpergewicht achtet, denn das Idealgewicht für den Fahrer liegt bei 70 Kilogramm. Leichter zu sein ist den Richtlinien zufolge nicht erlaubt, ansonsten müsste er beim Rennen mit Gewichten bestückt starten.
Um Chancengleichheit zu gewährleisten, erhält jedes Team den gleichen von der Firma Bosch gesponserten Akkuschrauber. Fällt der Startschuss, schnappt sich der Fahrer den Schrauber, baut ihn schnell ein, das Team schiebt fünf Meter weit an und schon kann sich Philipp Herbert in die Kurven legen. Festhalten kann er sich an der Achse und am Schrauber, der »Gaspedal-Funktion« hat. Während der vier Runden kommt der Akku an seine Grenzen, doch ein Boxenstopp zum Wechseln ist vorgesehen.
Von Daniel Metzger, Betreuer aus dem Bereich Mechatronik, kam die Idee, sich am Wettbewerb zu beteiligen und dabei fakultätsübergreifend zu arbeiten. Die Anfänge dieser Kooperation von Mechatronikern aus der Fakultät Technik und Designern aus dem Bereich Transportation Interior Design (TID) der Fakultät Textil und Design waren vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig.
Technik trifft Design
»Der Techniker denkt funktionell, der Designer denkt anschaulich - da prallen Welten aufeinander«, ist die einhellige Meinung der Studierenden, die aber auch genau wissen, dass solche Situationen später ihren Berufsalltag ausmachen werden. »Ein gutes Übungsfeld«, sagt ihr Professor Michael Goretzky, der das Projekt begleitet.
Jedenfalls kann sich das Ergebnis sehen lassen: Bei dem Leichtbaugefährt wurde das Material auf ein Minimum reduziert, es besteht im Wesentlichen aus dem Rahmen, drei Rädern und dem Sitz. Die tragende Konstruktion aus Aluminium entstand in der Werkstatt der Mechatroniker, während die Designer im Claylabor den Sitz gestalteten. Sein Kern besteht aus Karbonschaum, der von einer Hülle aus mit Harz getränktem Karbongewebe perfekt umschlossen wird.
»Ohne Design würden die Dinge hundertprozentig funktionieren, aber ohne Drumherum geht es auch nicht«, beschreibt der Mechatronik Student und ausgebildete Mechatroniker Christian Kost seine Erkenntnis. »Das eine ist, was das Fahrzeug braucht, das andere, was es bedeutet«, bringt es Designstudent Philipp Herbert auf den Punkt. (GEA) *
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