Kältewelle - Minusgrade schlagen nicht nur aufs Gemüt, sondern bringen auch allerlei Alltagsprobleme mit
Minusgrade: Eiskalt erwischt - und jetzt?
Von Judith Knappe
KREIS REUTLINGEN. Klirrende Kälte, eingefrorene Wasserleitungen, Autos, die einfach nicht anspringen wollen - die heftigen Minusgrade machen auch den Menschen im Landkreis zu schaffen. Und das nicht nur körperlich. Die Tücken des Alltags sind es, die bewältigt werden wollen.
Vereister Brunnen auf dem Reutlinger Marktplatz.
FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Deshalb haben Heizungsmonteure dieser Tage nur wenig Ruhe. Zahlreiche Betriebe hatten übers Wochenende Extraschichten eingerichtet, um die vielen Notrufe bedienen zu können. »Seit Freitag sind wir im Dauereinsatz«, berichtet Georg Schmid vom Heizungsbau Stenzel. Er empfiehlt bei diesen eisigen Temperaturen - teilweise bis minus 20 Grad Celsius -, die Heizung auf mittlerer Stufe laufen zu lassen: »Auf keinen Fall abdrehen, auch nicht, wenn man ein paar Tage nicht zu Hause ist.«
Kellertüren schließen
Man solle sogar darüber nachdenken, die nächtliche Absenkung abzustellen. Wer Probleme damit hat, dass die Heizkörper nicht mit voller Leistung funktionieren, solle sie über Nacht mal »richtig durchlaufen« lassen. Ganz wichtig sei es, im Keller die Türen und Fenster zu schließen. »Allein durch den Zug kann es dazu kommen, dass Rohre einfrieren«, weiß Schmid. Er rät auch, kleine Räume wie beispielsweise Gästetoiletten durchgehend zu heizen, um dieser Gefahr zu entgehen. Sollte das Wasser in den Rohren doch gefrieren, gibt Schmid folgenden Tipp: »Am besten kleine Elektro-Öfen in die Nähe oder unter die betroffenen Leitungen stellen.«
Zudem sollte sichergestellt werden, dass auch die Gartenleitungen abgedreht sind. Denn das dicke Ende droht unter Umständen dann beim Tauwetter: Wenn die Leitungen wieder frei werden und das Wasser zu laufen beginnt, kann es zu Rohrbrüchen kommen.
Selbst auf der Reutlinger Stadthallen-Baustelle laufen die Heizgebläse im Dauerbetrieb, denn für verschiedene Arbeiten wie das Verschweißen von Kabeln sind »mindestens 10 Grad plus erforderlich«, berichtet Projektgruppenleiter Klaus Kessler: »Das kostet uns derzeit 6 000 Euro die Woche.«
Im Klinikum am Steinenberg sind am letzten Wochenende etwa 20 Personen mit Knochenbrüchen eingeliefert worden - etwa doppelt so viele wie sonst zu dieser Jahreszeit an einem Wochenende. Darunter sind vor allem Ski- und Snowboardunfälle. Erfrierungen meldet das Klinikum keine. Wer kann, bleibt hinterm warmen Ofen.
Aber was machen beispielsweise die Fahrradkuriere? Skiunterwäsche ist angesagt, wie Karin Hudjetz vom Fahrradkurier Reutlingen verrät. Außerdem werden die Touren auf maximal zwei Stunden begrenzt. Alles, was länger dauert, wird durch Autozustellung ersetzt. Am frühen Morgen - die ersten Kuriere starten um 6.15 Uhr - ist der Job besonders hart. »Manche Kunden bieten dann sogar kostenlos Tee für die Fahrer an - das erfreut und hilft, positiv zu bleiben.«
Pannendienst machtlos
Bei dem Wetter haben aber auch Autofahrer ihre Probleme. So mancher Wagen will trotz aufgeladener Batterie einfach nicht anspringen. Winterdiesel ist bis minus 20 Grad frostsicher. Bei kälteren Temperaturen ist selbst der Pannendienst vor Ort machtlos. Das Auto muss dann in eine Garage oder Werkstatt abgeschleppt und aufgetaut werden. Zur Vorbeugung kann der Autofahrer beispielsweise in einer warmen Garage parken. Auch eine Standheizung könnte helfen. Vor der Beimischung von Benzin warnen die Techniker dringend: Moderne Dieselmotoren könnten das explosivere Benzin nicht überleben.
Auf der Alb macht die Kälte vor allem den Bauern zu schaffen. Zum Teil gefrieren Tränken und Mistschieberbahnen. Da hilft im schlechtesten Fall kein Hausmittelchen. Bis zum Mittag gibt es eine Menge zu tun, denn schließlich müssen die Tiere auf jeden Fall getränkt werden - notfalls von Hand. Und wer nicht mit einem Frontladerschlepper in den Stall kommt, um den Mist »wegzukratzen«, muss warten, bis es wieder taut. Temperaturen bis minus 10 Grad Celsius machen den Nutztieren nicht viel aus. Der gefrorene Mist aber schmerzt die Tiere an den Klauen. Sie laufen weniger zum Futter und geben deshalb weniger Milch.
Wer die eisigen Tage nutzen will, kann Eislaufen gehen. Am Reutlinger Breitenbachsee kann auf eigene Gefahr die perfekte Kür einstudiert werden. Der Markwasensee dagegen bleibt geschlossen, weil er noch keine durchgehende Eisdecke hat. (GEA/dapd)
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