Reutlingen
Volksgesundheit - Kassen appelieren an Vernunft: Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen

Mehr Krebserkrankungen in Baden-Württemberg

REUTLINGEN. Ob Brustkrebs, Prostata-, Darm- oder Lungenkrebs: Immer mehr Frauen und Männer erkranken an einer dieser häufigen Krebsarten. Das ergab eine Auswertung der KKH-Allianz mit Blick auf den Weltkrebstage am 4. Februar. So stiegen in Baden-Württemberg zwischen 2006 und 2010 allein die Zahlen der Brustkrebs- sowie der Prostatakrebserkrankungen um jeweils rund 32 Prozent. Aktuelle Daten für das erste Halbjahr 2011 bestätigen diese Tendenz.

Brustkrebs ist in Baden-Württemberg auf dem Vormarsch. Das hat auch demografische Gründe.
Brustkrebs ist in Baden-Württemberg auf dem Vormarsch. Das hat auch demografische Gründe. FOTO: dpa
Das Lebensalter zählt zu den Hauptrisikofaktoren für die meisten Tumorarten, und so erhalten größtenteils ältere Menschen die Diagnose Krebs. Beispielhaft dafür ist in Baden-Württemberg der Brustkrebs. Hier erhöhte sich der Anteil der 70- bis 74-Jährigen unter den Tumor-Patienten seit 2006 um 88 Prozent.

Experten rechnen damit, dass die Zahl der Krebserkrankungen bis 2050 insgesamt um ein Drittel zunehmen wird. Wesentlicher Grund dafür: Der Anteil älterer Menschen, die von Krebs besonders betroffen sind, steigt ständig.



Bundesweit nahm die Zahl der Behandlungen von Brustkrebserkrankungen seit 2006 um mehr als ein Drittel zu (plus 37 Prozent), die der an Prostatakrebs Erkrankten sogar um fast die Hälfte (plus 46 Prozent). Bei Darm- und Lungenkrebs ist bei Frauen und Männern insgesamt ein Anstieg um rund ein Drittel zu verzeichnen.

Auffallend hierbei: Während die Steigerungsrate hinsichtlich Darmkrebs bei Männern höher liegt als bei Frauen, verhält es sich bei Lungenkrebs umgekehrt.

Je eher, desto besser

"Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto größer sind die Chancen auf Heilung", sagt Rolf Sailer vom KKH-Allianz Serviceteam in Reutlingen. "Daher sollten Versicherte Leistungen, die ihnen zur Krebsfrüherkennung zustehen, unbedingt regelmäßig nutzen." So haben beispielsweise Frauen ab dem 20. Lebensjahr einmal jährlich Anspruch auf eine Untersuchung zur Früherkennung von Krebserkrankungen der Geschlechtsorgane, ab 30 auf die Untersuchung der Brust.

Männer ab 45 Jahren können einmal pro Jahr Maßnahmen zur Früherkennung von Krebserkrankungen der Prostata und des äußeren Genitales beanspruchen. Ferner können Kassenpatienten ab 35 Jahren alle zwei Jahre ein Hautscreening vornehmen lassen sowie ab 50 Früherkennungsuntersuchungen des Darms. "Jeder sollte sich dazu aufraffen", rät Rolf Sailer.

Durch die in den Früherkennungsrichtlinien vorgesehenen Inhalte, Intervalle und Altersgrenzen ist auf Basis medizinischer Erkenntnisse sichergestellt, dass eine Erkrankung ausreichend früh erkannt und rechtzeitig geeignete Behandlungsmaßnahmen ergriffen werden können. (GEA)
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