REUTLINGEN. Nein, Carsharing ist nichts für Leute, die sich über ihr Heilix Blechle definieren: Aber es ist eine Mobilitätsalternative, die zunehmend Interesse findet. Unter der Achalm trägt zudem die neu gestaltete Zusammenarbeit der beiden Car-Sharing-Initiativen in Reutlingen und Tübingen Früchte. In anderthalb Jahren ist die Zahl der Nutzer in Reutlingen von 110 auf 170 gestiegen. Statt neun stehen nun elf Fahrzeuge zur Verfügung.
Vor eineinhalb Jahren hatte der Verein »Ökostadt Reutlingen« seinen Fuhrpark für einen symbolischen Euro an »Teil-Auto Tübingen« verkauft. Die Entscheidung, den Geschäftsbetrieb ganz an den Kooperationspartner zu geben, war richtig, sagt Vorstandsmitglied Dr. Richard Martini. Der Tübinger Verein betreibt das Geschäft auf ganz anderer Basis als es die ausschließlich ehrenamtlich engagierten Reutlinger: Sechs Mitarbeiter teilen sich vier Stellen, erläutert Teil-Auto Geschäftsführerin Uta Kurz im Pressegespräch.
»Lange hat der Zuwachs in Reutlingen stagniert«
Die Reutlinger Kunden profitieren von der Professionalität: Die Erreichbarkeit wurde verbessert, Anrufer werden nach Tübingen weitergeleitet, wenn das Reutlinger Büro in der Weingärtnerstraße nicht besetzt ist. Internetbuchung ist jetzt möglich. Ein regelmäßiger Rundbrief schaffe zudem größere Kundenbindung.
»Lange hatte der Zuwachs in Reutlingen stagniert«, erzählt Martini, Vorstand des 111 Mitglieder zählenden Reutlinger Vereins. Ökostadt unterstützt nun die Arbeit der Tübinger mit der nötigen Vorort-Kompetenz, deren Wirkweise in einem Kooperationsvertrag geregelt ist.
Nicht nur ehrenamtliches Engagement, ganz konkret Geld spendieren die Reutlinger nun für eine Werbe-Kampagne, die zum erklärten Ziel hat, »die Marke 'Teil-Auto' als kostengünstige, praktikable Mobilitätsalternative für die Region Neckar-Alb zu etablieren«.
Ein halbes Jahr werden zwei eigens engagierte Mitarbeiterinnen in Reutlingen die Werbetrommel rühren.
Sie sollen Kontakte knüpfen, Infostände organisieren und dabei auch die Ökostadt-Mitglieder einbinden. Zugleich starten die Kooperationspartner ab Mai eine groß angelegte Plakataktion in Reutlingen. Drei Monate lang werden begleitend Testwochen angeboten, in denen Interessierte ohne Aufnahme- und Grundgebühr - lediglich die halbe Kaution ist zu entrichten - Teilautos testfahren können.
Das ebenfalls formulierte Ziel: Am Ende der Aktionen soll die Zahl der hiesigen Nutzer verdoppelt sein. Was sich angesichts der Auto-Teiler in der Nachbarstadt immer noch bescheiden ausnimmt: Teil-Auto Tübingen versorgt derzeit 1 500 Kunden und erfreut sich über stete Zuwächse von 15 bis 20 Prozent. Nicht nur Privatleute nutzen das Angebot: Ein großer Kunde in Tübingen ist beispielsweise die Diakonie.
65 Autos stehen in einem dichten Netz über die ganze Stadt verteilt. »In Reutlingen sind wir noch am Löcherstopfen. In Tübingen fragen wir uns längst, wo stellen wir noch eins dazu«, erklärt Uta Kurz, die selbst überzeugte Teil-Autofahrerin ist. Wie auch Richard Martini: Der Ökostadt-Vorstand lebt die Mobilität der Zukunft in vorbildlicher Manier vor. Er lebt in Gomaringen und pendelt nach Reutlingen. Wenn er nicht mit dem Teilauto unterwegs ist, fährt er mit dem Rad. Oder er benutzt den Bus oder wandert - und bisweilen kombiniert er die verschiedenen Fortbewegungsmöglichkeiten, um zur Arbeit zu gelangen. (GEA)
Infostand Teil-Auto
Sparmodell: Wer weniger als 7 000 Kilometer im Jahr fährt, kommt mit dem Teil-Auto billiger voran als mit eigenem Pkw. Wer mehr Informationen aus erster Hand sucht: »Teil-Auto-Reutlingen« stellt sich am Samstag, 8. Mai, bei der Nikolaikirche und am Samstag, 12. Juni, vorm Spitalhof jeweils von 9 bis 13 Uhr mit einem Infostand vor. (GEA)