Reutlingen
Tarifkonflikt - Verhandlungsführer des »WBO« hält Forderungen von »Verdi« für »völlig überzogen«

Mail ja, Abkommen nein

REUTLINGEN. Wortbruch und die Verletzung eines verbrieften Fairness-Abkommens wirft die Gewerkschaft »Verdi« im aktuellen Busfahrerstreik der Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft (RSV) vor.

Deren Sprecher, Eberhard Geiger, der auch Verhandlungsführer des Baden-Württembergischen Omnibusverbandes (WBO) ist, kann dies indes nicht nachvollziehen. »Ein Fairnessabkommen«, sagt er gegenüber dem GEA, »gab und gibt es nicht«.

Zwar habe Geiger am 16. Januar eine Mail an den »Verdi«-Landesfachbereichsleiter Verkehr, Rudolf Hausmann, versandt. Diese jedoch habe keinerlei Vereinbarungscharakter gehabt. Mehr noch: Aus dem elektronischen Brief gehe klipp und klar hervor, dass die RSV niemanden zum Ausstand nötigen werde. Wörtlich schreibt Geiger, dass »wir streikwillige Arbeitnehmer nicht unter Druck setzen (-), dass wir aber Mitarbeiter, die arbeiten wollen, daran auch nicht hindern.« Und weiter: »Mit Subunternehmern haben wir Verträge, die wir einhalten werden - einen Einfluss in Zusammenhang mit dem Tarifkonflikt werden wir nicht ausüben.«



Warnstreiks, wie sie einmal angekündigt und einmal überraschend in Reutlingen stattfanden, empfindet der »WBO« als starken Tobak. Der Busfahrerverband meint, dass er »Verdi« ein »gutes Angebot« unterbreitet habe. »Mehr können sich die Betriebe des Verbandes nicht leisten«, so Geiger, der den Forderungskatalog der Arbeitnehmerseite für »völlig überzogen« hält. Dieser, lässt der »WBO«-Verhandlungsführer den GEA wissen, sei »absolut unangemessen und für die Unternehmen wirtschaftlich nicht darstellbar. Denn das Paket in seiner Gesamtheit käme einer »zwanzigprozentigen Personalkostensteigerung« gleich.

Eberhard Geiger argumentiert, dass die »momentane große Unsicherheit in der politischen Zukunft der Personenbeförderung sowie enorme Kostensteigerungen« (Stichwort: Dieselpreisexplosion) den privaten Omnibusunternehmern nur begrenzte Spielräume ließen. Würde man den Forderungen von »Verdi« nachgeben, wäre das für die Unternehmen existenzbedrohlich.

»Die derzeitigen Bedingungen sind gut und berücksichtigen umfassende soziale Komponenten. Der WBO-Tarif ist bundesweit der beste Tarifvertrag des privaten Omnibusgewerbes, das muss man wissen«, so Geiger, der damit den Ball zurück ins gegnerische Feld spielt. »Wer Fairness in den Mund nimmt, sollte sich selbst fair verhalten.« (ekü)



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